Was HĂ€nschen nicht schmeckt…

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Freitag, 3. Februar 2017

… mag Hans spĂ€ter vielleicht umso lieber. Kaffee, Bier, Rosenkohl und Brokkoli haben eines gemeinsam: Bis wir ihren Geschmack mögen, vergehen hĂ€ufig Jahre. Sensorikexperte Prof. Russell Keast  von der Deakin-UniversitĂ€t in Melbourne hat ErklĂ€rungen fĂŒr die zugrunde liegenden VorgĂ€nge.

Nein, auf die Top Ten-Liste der beliebtesten GemĂŒsesorten wird es Rosenkohl wohl hierzulande auch nicht bei Erwachsenen schaffen. Dennoch scheint das GemĂŒse ein Paradebeispiel fĂŒr Lebensmittel zu sein, die Menschen erst mit zunehmendem Alter und nach wiederholtem Verzehr schmecken. Dies liege allerdings nicht daran, dass sich die Geschmacksnerven Ă€ndern, sondern sei darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass wir lernen, bestimmte Lebensmittel zu mögen, meint Prof. Keast. „Wir entwickeln einen Geschmack fĂŒr Lebensmittel durch schrittweise Exposition“, sagte er. „Es gibt eine Menge Dinge, die wir beim ersten Mal nicht mögen. Entscheidend fĂŒr die Geschmacksentwicklung ist allerdings das viele Lernen.“ Daher sei es so wichtig, auch ungeliebte Lebensmittel mehr als einmal zu probieren. Denn nur so hĂ€tten die in den Lebensmitteln enthaltenen NĂ€hrstoffe die Möglichkeit, unser Geschmackssystem zu beeinflussen, meint Keast. „Wenn die NĂ€hrstoffe Energie liefern oder sich vielleicht anderweitig positiv auf unseren Körper auswirken, wird Ihr Geschmackssystem sich daran erinnern, wenn Sie das Lebensmittel das nĂ€chste Mal essen und Sie werden dann vielleicht beginnen, es zu genießen“, prophezeit Keast. Der gegenteilige Effekt tritt ein, wenn etwa nach einer durchzechten Nacht mit entsprechenden Nebenwirkungen der Alkohol am nĂ€chsten Tag gar nicht mehr schmecken will.

ZurĂŒck zum ungeliebten GemĂŒse: Warum ist die Abneigung fĂŒr Kohl, Brokkoli und Rosenkohl so weit verbreitet? Keast sieht die ErklĂ€rung hierfĂŒr in der Evolution. Da Pflanzen frĂŒher im Überfluss vorhanden waren, benötigte der Mensch keine speziellen Anreize sie aufzuspĂŒren. „TatsĂ€chlich enthielten pflanzliche Lebensmittel hĂ€ufig Inhaltsstoffe, die schĂ€dlich sein könnten. Daher aktivieren einige bitter schmeckende Lebensmittel wie Rosenkohl oder Oliven unsere ureigenen Schutzmechanismen. Bittere und saure Geschmacksrichtungen dienen als Warnung vor etwas potentiell SchĂ€dlichem und fĂŒr unsere Spezies war der Geschmackssinn ĂŒberlebenswichtig. Heutzutage gibt es SupermĂ€rkte, in denen wir Lebensmittel kaufen können, die auf unsere Vorlieben abgestimmt sind, sodass wir dieses Warnsystem eigentlich nicht mehr benötigen. Es wird jedoch noch Tausende von Jahren dauern, bis diese Urinstinkte verschwinden.“

Doch es gibt auch Lebensmittel, die bitter schmecken und die wir dennoch gerne und auch im Übermaß konsumieren wie beispielsweise Kaffee oder Bier. FĂŒr Keast zĂ€hlen sie zu den Lebensmitteln, die aus gutem Grund konsumiert werden. „Wir trinken bitter schmeckende GetrĂ€nke wie Kaffee oder Bier, weil sie uns positive post-digestive Wirkungen bereiten.“ Beide GetrĂ€nke machen wacher und wirken leicht „berauschend“.

„Essen und Trinken sind die einzigen TĂ€tigkeiten, fĂŒr die wir alle unsere Sinne benötigen. Es ist also eine multisensorische Erfahrung, bei der Hören und Sehen, Schmecken, FĂŒhlen und Tasten kombiniert werden. Jeder einzelne Sinn kann die Art, wie wir ein Lebensmittel wahrnehmen, beeinflussen„, gibt Keast zu bedenken. FĂŒr den Fall, dass bestimmte, ernĂ€hrungsphysiologisch wichtige Lebensmittel aufgrund ihres Geschmacks nicht gemocht werden, hat Keast Tipps, wie die Geschmacksnerven ĂŒberlistet werden können. Er rĂ€t dazu, mehrere Geschmacksrichtungen oder Lebensmittel zu kombinieren oder das Aussehen des unbeliebten Lebensmittels zu verĂ€ndern, um damit das Lebensmittel durch die Änderung des multisensorischen Erlebnisses attraktiver zu machen.

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verfasst von am 3. Februar 2017 um 07:46

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