Was hat Europa mit der Lebensmittelkennzeichnung zu tun?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 7. Oktober 2014

Eine ganze Menge! Denn im Dezember 2014 tritt nach dreij√§hriger √úbergangsfrist die neue, europaweit einheitliche Lebensmittelinformations-Verordnung in Kraft. Verbraucherinteressen sollen k√ľnftig st√§rker ber√ľcksichtigt werden. Was wird sich in Zukunft √§ndern?

Auf folgende Regelungen haben sich die Abgeordneten des Europäischen Parlaments verständigt:

Nährwertkennzeichnung

Zuk√ľnftig ist eine Kennzeichnung der N√§hrwerte aller verpackten Lebensmittel Pflicht. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind vorerst nur alkoholische Getr√§nke. F√ľr alle anderen Lebensmittel m√ľssen der Energiegehalt sowie die Mengen an Fett, ges√§ttigten Fetts√§uren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiwei√ü und Salz jeweils bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben werden. In Deutschland haben die meisten Lebensmittelhersteller¬† bereits freiwillig ihre Produkte entsprechend beschriftet. Zus√§tzlich zu den Pflichtangaben d√ľrfen weiterhin N√§hrwertangaben pro Portion oder/und die Relation der enthaltenen N√§hrstoffe zu den Richtwerten f√ľr die Tageszufuhr angegeben werden.

Herkunftsangaben f√ľr frisches Fleisch und Gefl√ľgel

Wie bereits bei Rindfleisch seit 2000 praktiziert, muss k√ľnftig auch frisches Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Gefl√ľgelfleisch mit einer Herkunftsangabe versehen werden. Evtl. folgen zu einem sp√§teren Zeitpunkt Regelungen f√ľr andere Fleischarten sowie f√ľr Fleisch als Zutat. Wie detailliert die Herkunft des Fleisches angegeben werden muss, ist noch offen: Ist es notwendig, den einzelnen Mitgliedsstaat zu nennen oder gen√ľgt die Sammelbezeichnung EU? Und: Welcher Lebensabschnitt des Tieres ist ausschlaggebend f√ľr die Kennzeichnung? Hierzu werden wohl weitere Durchf√ľhrungsvorschriften erlassen werden.

Angabe des Einfrierdatums

Bei gefrorenem Fleisch, Fleischerzeugnissen und unverarbeiteten Fischprodukten ist in Zukunft das Einfrierdatum anzugeben.

Kenntlichmachung von Allergenen und Koffein

Die 14 h√§ufigsten Stoffe, die bei Menschen allergische Reaktionen und Unvertr√§glichkeiten hervorrufen k√∂nnen, m√ľssen k√ľnftig im Zutatenverzeichnis von verpackten Lebensmitteln hervorgehoben werden (z. B. farbig unterlegt). Auch bei loser Ware muss der Verbraucher entsprechend informiert werden. Zum Schutz von Kindern, Schwangeren und Stillenden sind au√üerdem Warnhinweise auf koffeinhaltigen Lebensmitteln vorgeschrieben.

Kennzeichnung von Imitat-Lebensmitteln

F√ľr mehr Transparenz sollen auch die Bestimmungen in Bezug auf Imitat-Lebensmittel sorgen. Der ersatzweise verwendete Stoff (z. B. Analog-K√§se bei Pizza statt echtem K√§se, Formfleisch statt Fleischst√ľcke aus ganzem, gewachsenem Fleisch oder Formfisch) muss in unmittelbarer N√§he des Produktnamens aufgef√ľhrt sein, z. B. ‚Äěaus Fleischst√ľcken zusammengef√ľgt‚Äú oder ‚Äěhergestellt aus Formfisch‚Äú. Damit diese Zusatzangaben auch gut zu erkennen sind, ist eine Mindestschriftgr√∂√üe von 75% der Gr√∂√üe des Produktnamens Pflicht.

Mindestschriftgröße

Eine Mindestschriftgr√∂√üe gibt es in Zukunft auch f√ľr alle anderen Pflichtangaben: Kleiner als 1,2 mm (bezogen auf die H√∂he des kleinen ‚Äěx‚Äú) d√ľrfen sie nicht mehr sein. Ob diese Schriftgr√∂√üe insbesondere f√ľr √§ltere Menschen gro√ü genug ist, bleibt fraglich. Zur Verbesserung der Lesbarkeit von Lebensmittelaufschriften sollen demn√§chst detailliertere Vorschriften folgen.

Mit den neuen Regelungen wurden wesentliche Schritte in Richtung Transparenz und Schutz von Verbraucherinteressen in die Wege geleitet. Die zuk√ľnftigen Pflichtangaben stellen jedoch Lebensmittelunternehmen vor logistische Herausforderungen und k√∂nnten weitere Verpackungs- sowie Lebensmittelabf√§lle verursachen, wie aus Unternehmenskreisen ge√§u√üert wurde.

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verfasst von am 7. Oktober 2014 um 07:00

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