Was kosten Lebensmittel wirklich?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 29. Oktober 2020

W√ľrden die Umweltfolgekosten, die bei der Herstellung von Lebensmitteln anfallen, in die Kalkulation der Verkaufspreise einflie√üen, w√§ren insbesondere tierische Produkte um einiges teurer.

Landwirt in Traktor bei der Arbeit

© DEBInet

F√ľr den Anbau und die Produktion von Lebensmitteln wird viel Energie ben√∂tigt, Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt, es entstehen Treibhausgase und reaktiver Stickstoff. All dies f√ľhrt zu Biodiversit√§tsverlusten, die auf lange Sicht unseren Lebensraum bedrohen. Bislang werden die √∂kologischen Folgekosten der Lebensmittelproduktion von der Gesamtgesellschaft getragen und werden nicht im Marktpreis ber√ľcksichtigt. In einem Praxisprojekt der Universit√§ten Greifswald und Augsburg in Kooperation mit der PENNY Markt GmbH berechneten Wissenschaftler die √∂kologischen Folgekosten verschiedener Lebensmittel.

Durch die Einbeziehung von Lebenszyklusanalyse-Modellen sowie metaanalytische Methoden bestimmten die Wissenschaftler externe Effekte der Landwirtschaft auf die Biodiversit√§t und berechneten Folgekosten von Treibhausgasemissionen, reaktivem Stickstoff, Energieverbrauch und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Bei der Berechnung wurde zwischen konventionell und √∂kologisch erzeugten Produkten unterschieden. Der so ermittelte Preisaufschlag, der den Unterschied zwischen dem aktuellen Marktpreis und den wahren Produktionskosten wiedergibt, war insbesondere bei tierischen Lebensmitteln beachtlich. Mit einem Preisaufschlag von 173 Prozent m√ľsste konventionell erzeugtes Fleisch fast dreimal so teuer sein als derzeit √ľblich (s. Tabelle).

√úbersicht √ľber Preisaufschl√§ge durch √∂kologische Folgekosten

Lebensmittel Preisaufschlag bei
konventioneller Erzeugung
Preisaufschlag bei
biologischer Erzeugung
Fleisch (gemischt) +173 % +126 %
Milch +122 % +69 %
Gouda +88 % +33 %
Mozzarella +52 % +30 %
Banane +19 % +9 %
Kartoffel +12 % +6 %
Tomate +12 % +5 %
Apfel +8 % +4 %

Insgesamt fielen die Preisaufschl√§ge der tierischen Lebensmittel deutlich gr√∂√üer aus als jene der pflanzlichen Lebensmittel, was auf die ressourcenintensive Aufzucht, F√ľtterung und Haltung der Tiere zur√ľckgef√ľhrt werden kann. Mit einem Preisaufschlag von 126 Prozent schneidet Biofleisch deutlich besser als konventionell erzeugtes ab. Auch bei anderen biologisch erzeugten Lebensmitteln fielen die Preisaufschl√§ge nur etwa halb so hoch aus wie bei konventioneller Produktion. Dieser Unterschied l√§sst sich durch die nat√ľrlicheren Produktionspraktiken im √∂kologischen Landbau erkl√§ren.
Beispielsweise existieren starke Beschr√§nkungen f√ľr die Verwendung synthetischer Stickstoffd√ľnger oder importierter Futtermittel oder deren Einsatz ist sogar ganz verboten. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die √Ėkobilanz von Bioprodukten aus.

Durch diese und weitere Forschungsprojekte erhoffen sich die Wissenschaftler, die gesellschaftliche Diskussion √ľber die √∂kologischen Folgekosten der Lebensmittelproduktion voranzutreiben. W√ľrden die √∂kologischen Folgekosten bei der Festlegung von Marktpreisen mitber√ľcksichtigt, w√ľrde sich das Kaufverhalten entsprechend der Nachhaltigkeit anpassen, prognostizieren sie.

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verfasst von am 29. Oktober 2020 um 07:01

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