Was langfristig das Körpergewicht beeinflusst

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 3. Dezember 2019

Was haben zunehmendes √úbergewicht im Alter und die Gewichtsentwicklung nach einer Magenverkleinerung gemeinsam? Werden diese nur auf Ern√§hrungss√ľnden beziehungsweise eine Imbalance zwischen Energieaufnahme und -umsatz zur√ľckgef√ľhrt, greift dies m√∂glicherweise zu kurz. Entscheidend ist auch der Fettumsatz.

Obwohl sich die Essgewohnheiten und k√∂rperliche Aktivit√§t nicht wesentlich ge√§ndert haben, hadern viele Menschen mit zunehmendem Alter mit ihrem K√∂rpergewicht, manche nehmen kontinuierlich zu. Dies k√∂nnte auf einen ver√§nderten Fettstoffwechsel im Alter zur√ľckzuf√ľhren sein. Allerdings wurde der Fettumsatz, also das Verh√§ltnis zwischen Fettabbau und Fettspeicherung im K√∂rper, bislang nicht √ľber einen l√§ngeren Zeitraum untersucht. Bei konstantem Fettumsatz bleibt auch das K√∂rpergewicht konstant (unter der Voraussetzung unver√§nderter Ern√§hrungs- und Bewegungsgewohnheiten), √ľberwiegt die Fettspeicherung, f√ľhrt dies zur Gewichtszunahme.

Am schwedischen Karolinska-Institut haben Wissenschaftler den Fettumsatz von 54 Probanden im Alter von ca. 22 bis 62 Jahren √ľber einen durchschnittlichen Zeitraum von 13 Jahren analysiert. Hierf√ľr entnahmen sie zu Beginn der Studie und am Ende Proben aus dem Unterhautfettgewebe der Probanden, das besonders sensibel f√ľr Ver√§nderungen im Fettumsatz ist. Sie untersuchten die Rate des Fettabbaus und Fettaufbaus in den Fettzellen und suchten nach Zusammenh√§ngen mit dem K√∂rpergewicht. Hierbei ber√ľcksichtigten sie auch die Lebensgewohnheiten der Probanden.

Im Untersuchungszeitraum stieg das Gewicht der Probanden um durchschnittlich 20 Prozent. Mit dem √Ąlterwerden nahm bei allen Probanden der Fettumsatz ab, wobei dies zun√§chst einmal unabh√§ngig davon war, wie sich ihr K√∂rpergewicht ver√§nderte. Wurde der geringere Fettabbau durch eine reduzierte Energieaufnahme kompensiert, f√ľhrte dies zu einer geringeren Fettspeicherung und die Probanden konnten ihr Gewicht halten. War dies nicht der Fall, nahmen sie zu. „Die Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass Prozesse in unserem Fettgewebe Ver√§nderungen des K√∂rpergewichts w√§hrend des Alterns auf eine Weise regulieren, die von anderen Faktoren unabh√§ngig ist“, kommentiert Professor Peter Arner vom Fachbereich Medizin des Karolinska-Instituts und einer der Hauptautoren der Studie die Ergebnisse. „Dies k√∂nnte neue Wege zur Behandlung von Fettleibigkeit er√∂ffnen.“

Ver√§nderungen im Fettumsatz hatten nicht nur einen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung mit zunehmendem Alter, sondern auch nach einer bariatrischen Operation, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ weiter berichten. Hierf√ľr untersuchten sie den Fettumsatz von 41 vormals extrem fettleibigen Frauen, die durch eine Magenverkleinerung stark abgenommen hatten. Nach durchschnittlich 5 Jahren hatten nur jene Frauen ihr neues K√∂rpergewicht weitgehend halten k√∂nnen, die vor der Operation einen vergleichsweise geringen Fettumsatz hatten. Die Wissenschaftler erkl√§ren dies damit, dass diese Frauen m√∂glicherweise einen gr√∂√üeren Spielraum hatten, ihren Fettumsatz zu steigern als jene mit einem urspr√ľnglich hohen Fettumsatz.

Aus fr√ľheren Studien ist bekannt, dass der Fettumsatz des Fettgewebes beispielsweise durch vermehrte k√∂rperliche Aktivit√§t angekurbelt werden kann. Demnach k√∂nnten die Erfolgsaussichten bariatrischer Operationen gesteigert werden, wenn Betroffene dazu motiviert werden k√∂nnten, sich mehr k√∂rperlich zu bet√§tigen.

„Fettleibigkeit und Krankheiten im Zusammenhang mit Fettleibigkeit sind zu einem globalen Problem geworden“, erl√§utert Dr. Kirsty Spalding, leitende Forscherin des Fachbereichs Zell- und Molekularbiologie am Karolinska-Institut. „Das Verst√§ndnis der Lipiddynamik und die Regulierung der Fettmasse beim Menschen war noch nie so wichtig.“

Wie so oft sind auch in diesem Forschungsgebiet noch viele Fragen offen. Bislang wurde beispielsweise √ľberwiegend der Fettstoffwechsel von Frauen untersucht. Ob und in welchem Umfang diese Ergebnisse auch f√ľr M√§nner gelten, gilt es noch zu kl√§ren.

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verfasst von am 3. Dezember 2019 um 08:17

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