Weihnachtsbräuche unter der Lupe: Hätten Sie’s gewusst? Teil 1

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Schokoladenplätzchen
© Frazer 2

Weihnachten ist eine Zeit von Traditionen, Bräuchen und Geschichten. Viele von ihnen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Mittlerweile ist der eigentliche Ursprung vieler Traditionen allerdings längst in Vergessenheit geraten. Warum, zum Beispiel, essen wir zur Feier von Christi Geburt süßes Gebäck? Woher kommen Stollen und Lebkuchen? In einer Artikelserie wollen wir der Herkunft einiger Köstlichkeiten, die wir Weihnachtsbräuchen verdanken, auf den Grund gehen.

Teil 1: Weihnachtsplätzchen

Wohl in keiner anderen Jahreszeit duftet es in der Küche so verlockend wie in der Vorweihnachtszeit. Wenn es ums Weihnachtsplätzchen-Backen geht, sind auch die kleinsten Helfer mit Feuereifer bei der Sache. Denn das Naschen nebenbei verkürzt und versüßt das Warten auf Christkind und Weihnachtsmann.

Die winterliche Backtradition besteht bereits seit sehr, sehr langer Zeit. Bereits vor Christi Geburt wurde im Winter rituell gebacken. So feierten die Kelten die Wintersonnenwende, die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, mit flachen Fladen aus zermahlenen Getreidekörnern und Honig, die sie auf heißen Steinen buken. Die Fladen sollten sie vor bösen Dämonen schützen und als Opfergabe Götter und Naturgewalten gnädig stimmen.

Plätzchen
© timitalia

In christlicher Zeit wurde die Backtradition der Kelten übernommen – allerdings wandelte sich die Bedeutung. Statt Opferbroten wurden nun „Weihnachtsbrote“ (Christstollen) gebacken. Doch nicht nur in Weihnachtsbroten, auch in Weihnachtsplätzchen finden wir Relikte vorchristlicher Traditionen: Plätzchen in Tiergestalt erinnern an Opfertiere. Wahrscheinlich wollten unsere Vorfahren früher ihren Besitz schonen und opferten den Göttern daher anstelle von lebenden Tieren süße Leckereien in Tierform.

Die ersten Weihnachtsplätzchen, so wie wir sie heute noch kennen, wurden vermutlich in mittelalterlichen Klöstern gebacken. Diese verfügten zum einen über das nötige Kapital, um teure Gewürze aus dem Orient wie Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer und Kardamom zu bezahlen. Zum anderen bot ihnen der religiöse Hintergrund der Geburt Jesu ausreichend Anreize für die festliche Bäckerei.

Eine Legende erzählt, wie es zu den allerersten Weihnachtsplätzchen gekommen sein soll. Die Begebenheit ereignete sich angeblich zur Zeit Christi Geburt. Demnach haben die Hirten, die dem  Weihnachtsstern am Himmel folgten, um Jesus Geburt zu bezeugen, in der Weihnachtsnacht in ihrer Aufregung die Brote im Ofen vergessen. Als sie wieder nach Hause zurückkehrten, schlug ihnen ein „wunderbarer Duft“ entgegen. Statt – wie zu vermuten wäre – verkohlt und ungenießbar, war das Brot, das sie zu Hause vorfanden, zwar dunkel, aber „himmlisch süß“ im Geschmack. Damit alle davon probieren konnten, wurde es in viele kleine Stücke gebrochen. In Erinnerung an diese Begebenheit wurden seither für Heiligabend „Himmelskuchen“ gebacken – die Vorgänger der heutigen Plätzchen…

Spritzgebäck
© schreiblockade

Doch zurück zur Geschichte: Der Name „Plätzchen“ stammt vom süddeutschen „Platz“ ab, einem früher in dieser Gegend üblichen Wort für flach geformte Kuchen. „Brötle“ oder „Gutsle“, in der Schweiz auch „Guezi“ oder „Guetsli“ sind weitere Namen für Weihnachtskleingebäck.

Was viele nicht wissen: Weihnachtsplätzchen und -kekse sind streng genommen nicht dasselbe: Plätzchen, dabei handelte es sich um zuckerlastige, kleine Gebäckstücke, wurden früher vor allem in den oberen Schichten zu Kaffee und Tee gereicht. In der Weihnachtszeit wurden sie mit Marmelade, Marzipan, Nüssen und Schokolade verfeinert. Kekse hingegen hatten ursprünglich einen anderen Zweck. Ihr Name geht auf den sog. „English Cake“ zurück, einen langlebigen und nahrhaften Schiffszwieback, der auf langen Überfahrten Kraft spendete. Im 19. Jahrhundert wurde er von einem deutschen Kaufmann nachgebacken.

Ganz egal, ob Plätzchen, Brötle, Gutsle, Guetsli oder Kekse: Ein Weihnachtsfest ohne Weihnachtsgebäck ist für die meisten von uns wohl kaum vorstellbar. Und so genießen wir die süßen, wenn auch häufig sehr energiereichen Köstlichkeiten – und verschieben das Kalorienzählen aufs neue Jahr…

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verfasst von am 14. Dezember 2011 um 10:23

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