Welchen Einfluss hat das Tempo der Gewichtsabnahme auf den langfristigen Erfolg?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Nationale wie internationale Leitlinien zur Adipositastherapie empfehlen eine graduelle Gewichtsabnahme über einen längeren Zeitraum. Als Vorteile gegenüber schnelleren Reduktionserfolgen werden eine bessere Gesundheitsverträglichkeit und geringere Risiken für eine erneute Gewichtszunahme aufgeführt. Eine aktuell hochrangig publizierte Interventionsstudie stellt diese Argumentation in Frage.

An der Universität von Melbourne wurde eine Studie durchgeführt, in der nicht nur der Erfolg von zwei verschiedenen Ansätzen zur Gewichtsreduktion verglichen wurde, sondern auch überprüft wurde, inwieweit die erzielte Gewichtsabnahme über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden konnte. An der Studie nahmen rund 200 Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren teil. Mit einem BMI zwischen 30 und 45 kg/m2 lag der BMI aller Teilnehmer im Bereich einer leichten bis ausgeprägten Adipositas (Fettleibigkeit).

Zu Beginn der ersten Studienphase wurden die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit war das Gewichtsabnahmeziel für alle Probanden gleich: Angestrebt wurde eine Reduktion um 15 Prozent des individuellen Ausgangsgewichts. Beide Gruppen unterschieden sich jedoch in der angestrebten Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme und damit der Energierestriktion: Die Teilnehmer der ersten Gruppe sollten ihr Zielgewicht durch eine energiereduzierte Diät (Einsparung von 400 bis 500 Kalorien pro Tag) innerhalb von 36 Wochen erreichen. Für die Teilnehmer der zweiten Gruppe wurde die Abnahmezeit auf ein Drittel (12 Wochen) verkürzt. Um ihr Gewichtsziel dennoch zu erreichen, mussten sie sich stärker einschränken als die Teilnehmer der ersten Gruppe: Vorgesehen war eine Aufnahme von lediglich 800 Kalorien täglich und zwar in Form einer Formula-Diät.

Am Ende der ersten Studienphase hatten die Hälfte der Mitglieder von Gruppe 1 (51 Prozent), aber gut drei Viertel der Teilnehmer aus Gruppe 2 (78 Prozent) mindestens 12,5 Prozent ihres Ausgangsgewichts abgenommen. Demnach war eine rasche Gewichtsabnahme mit Formula-Diät in diesem Punkt überlegen.

Doch die Freude über die erzielte Gewichtsabnahme währte leider für viele Probanden nur eine kurze Zeit, wie die zweite Studienphase zeigte. In dieser sich über mehr als zwei Jahre (144 Wochen) erstreckenden Phase sollten die Teilnehmer ihr reduziertes Gewicht halten (eingeschlossen wurden nur diejenigen Teilnehmer, die in der ersten Studienphase mindestens 12,5% ihres ursprünglichen Gewichts abgenommen hatten). Als Hilfestellung in der Stabilisierungsphase erhielten die Probanden regelmäßige Ernährungsberatungen und individuelle Empfehlungen zur Gestaltung ihrer Ernährung.

Die Ergebnisse der zweiten Studienphase waren für beide Gruppen wenig erfreulich: Unabhängig von der Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme hatten mehr als zwei von drei Probanden, die auch die zweite Studienphase beendet hatten (insgesamt 104 Personen), den Großteil ihres ursprünglichen Gewichtsverlusts wieder zugenommen. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war gering (Rückfallquote von Gruppe 1 mit langsamer Gewichtsabnahme: 71,2 Prozent versus 70,5 Prozent in Gruppe 2 mit schneller Gewichtsabnahme und Formula-Diät).

Die Studie zeigt noch einmal eindrücklich, dass kurzfristig erzielte Abnehmerfolge kein Garant für eine nachhaltige Gewichtsreduktion sind. Aufschlussreich wäre sicher auch ein Blick auf etwaige Unterschiede im Bewegungsverhalten und Umfeldbedingungen zwischen den erfolgreichen und den weniger erfolgreichen Probanden dieser Studie.

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verfasst von am 4. Dezember 2014 um 07:32

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Ein Kommentar zu “Welchen Einfluss hat das Tempo der Gewichtsabnahme auf den langfristigen Erfolg?”

  1. Julian sagt:

    Um langfristig und vor allem gesund sein Gewicht zu reduzieren, ist tatsächlich eine längere Zeitspanne nötig. Ansonsten tritt der böse Jojo-Effekt auf

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