Weshalb viel Bewegung vor Darmkrebs sch√ľtzen kann

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 1. Februar 2018

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat mehrere Einflussfaktoren gefunden, die zumindest teilweise erkl√§ren k√∂nnen, weshalb viel Bewegung vor Darmkrebs sch√ľtzt.

Unter dem Oberbegriff Darmkrebs werden Krebserkrankungen des Dickdarms, des Mastdarms und des Afters zusammengefasst. Im Jahr 2014 wurde bei rund 61.000 Menschen in Deutschland Darmkrebs diagnostiziert. Rauchen und √úbergewicht, gefolgt von Bewegungsmangel, ballaststoffarmer oder fettreicher Ern√§hrung beg√ľnstigen die Entstehung von Dickdarmkrebs. Auch regelm√§√üiger Alkoholkonsum und ein hoher Verzehr von rotem Fleisch und daraus hergestellten Wurstwaren k√∂nnen zur Entstehung von Darmkrebs beitragen.

Die Ergebnisse verschiedener weltweit durchgef√ľhrter Studien weisen darauf hin, dass sich das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, durch viel Bewegung verringern l√§sst. Die zugrunde liegenden Mechanismen f√ľr diese krebspr√§ventive Wirkung sind allerdings bislang weitgehend unbekannt gewesen. Daher hat ein internationales Forscherteam um Dr. Krasimira Aleksandrova und Prof. Heiner Boeing im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie nach biologischen Markern gesucht, welche den Zusammenhang zwischen Bewegung und Darmkrebsrisiko erkl√§ren k√∂nnen. Hierzu z√§hlten der Taillenumfang als Ma√ü f√ľr die Fettleibigkeit, der Vitamin D-Spiegel sowie der Blutwert des l√∂slichen Leptinrezeptors. Das vom Fettgewebe abgegebene appetithemmende Hormon Leptin ist von zentraler Bedeutung f√ľr die Regulation des Energiestoffwechsels und stimuliert au√üerdem das Wachstum bestimmter Dickdarmzellen. Leptin bindet nicht nur an Zellrezeptoren, sondern auch an im Blut zirkulierende l√∂sliche Leptinrezeptoren. Daher wird vermutet, dass diese l√∂slichen Rezeptoren die Bioverf√ľgbarkeit und folglich auch die Wirkung von Leptin regulieren.

F√ľr ihre aktuelle Studie verwendeten Dr. Aleksandrova und ihre Kollegen Daten von knapp 520.000 25- bis 70-j√§hrigen M√§nnern und Frauen, die an der europ√§ischen EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) teilgenommen haben. Aus allen Probanden filterten sie zun√§chst einmal jene Personen heraus, die im Studienzeitraum zwischen 1992 und 2003 neu an Darmkrebs erkrankt sind. Zu diesen 713 „F√§llen“ wurden ebenso viele nichterkrankte „Kontrollen“ gesucht, die den Probanden mit Darmkrebs in Bezug auf ihr Alter, ihr Geschlecht, ihre Herkunft und weitere Gesundheitsfaktoren m√∂glichst √§hnlich waren.

In ihrer statistischen Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass das Risiko f√ľr Darmkrebs bei k√∂rperlich aktiven1 Menschen 25 Prozent geringer war als bei Menschen, die sich weniger bewegten. Au√üerdem zeigte sich, dass die drei Biomarker Taillenumfang, Vitamin D-Spiegel und die Konzentration des l√∂slichen Leptinrezeptors beinahe die H√§lfte des Zusammenhangs zwischen Bewegung und Darmkrebsrisiko erkl√§ren konnten.

Unsere Studie zeigt erneut, wie wichtig es ist, k√∂rperlich aktiv zu sein, um den Stoffwechsel gesund zu erhalten und so Erkrankungen wie beispielsweise Darmkrebs vorzubeugen“, folgert Dr. Aleksandrova. Der beobachtete Zusammenhang mit dem Vitamin D-Spiegel spricht daf√ľr, dass insbesondere Bewegung im Freien das Erkrankungsrisiko senken kann. Denn Vitamin D wird nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern zu einem bedeutenden Anteil auch selbst vom K√∂rper gebildet – vorausgesetzt, die Haut wird regelm√§√üig mit Sonnenlicht beschienen.

Der Leiter des Potsdamer Zweigs der EPIC-Studie, Prof. Boeing, hofft auf eine langfristige Einbettung der Studienergebnisse. „Das Umsetzen dieses Wissens in gesellschaftlich aktiv unterst√ľtzte Pr√§ventionsstrategien k√∂nnte wesentlich dazu beitragen, ein fr√ľhes und h√§ufiges Auftreten dieser Krebsform zu vermeiden und damit viel pers√∂nliches Leid zu verhindern“, stellt Prof. Boeing in Aussicht.

1 Zur Gruppe der k√∂rperlich aktiven Menschen z√§hlten alle Probanden, deren w√∂chentlicher Energieverbrauch f√ľr k√∂rperliche Aktivit√§ten √ľber 90 metabolische √Ąquivalente (MET) betrug. 1 MET entspricht dabei einem Energieverbrauch von 1 Kalorie pro Kilogramm K√∂rpergewicht und Stunde. F√ľr die Studie wurde beispielsweise „Gehen und Hausarbeit“ mit 3 MET veranschlagt, f√ľr „Gartenarbeit“ wurden 4 MET kalkuliert, f√ľr „Radfahren und Sport“ 6 MET und f√ľr „Treppensteigen“ 8 MET.

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verfasst von am 1. Februar 2018 um 07:20

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