Wie erfolgreich ist die freiwillige BeschrÀnkung der Kinder-Lebensmittelwerbung?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Dienstag, 31. MĂ€rz 2020

Nachdem sie wegen der starken Verbreitung von Übergewicht im Kindesalter in die Kritik geraten sind, haben sich fĂŒhrende Lebensmittel- und GetrĂ€nkekonzerne freiwillig dazu verpflichtet, die an Kinder gerichtete Werbung fĂŒr ungesunde Lebensmittel einzuschrĂ€nken. Wissenschaftler der UniversitĂ€t Bonn berichten aktuell von den Auswirkungen dieser Selbstverpflichtung.

Die Doktorandin Stefanie Landwehr und Prof. Dr. Monika Hartmann vom Institut fĂŒr Lebensmittel- und Ressourcenökonomik analysierten insgesamt 3.047 Werbespots fĂŒr GetrĂ€nke und Lebensmittel, die an jeweils einem Wochentag und einem Wochenendtag im Oktober 2011 und 2014 ausgestrahlt worden sind. ZunĂ€chst wurde die Zielgruppe fĂŒr jeden Werbespot bestimmt. Danach nahmen die Wissenschaftlerinnen die NĂ€hrwerte der in den 697 Kinder-Werbeclips gezeigten Produkte unter die Lupe und ĂŒberprĂŒften, inwieweit diese mit den Werberichtlinien der Selbstverpflichtung und weiteren Kriterien ĂŒbereinstimmten.

„Im Rahmen der Selbstverpflichtung konnte jedes Lebensmittelunternehmen die Kriterien zunĂ€chst weitgehend selbst festlegen, ab welchem Fett-, Zucker- und Salz-Gehalt keine Werbung mehr fĂŒr Kinder veröffentlicht werden sollte“, erlĂ€utert Stefanie Landwehr. Diese Kriterien wurden spĂ€ter europaweit vereinheitlicht. Allerdings handelt es sich dabei immer noch um freiwillige Vorgaben der Lebensmittel- und GetrĂ€nkehersteller, ein gewisses Eigeninteresse lĂ€sst sich nicht verleugnen. Als zusĂ€tzlichen Maßstab fĂŒr die Bewertung der beworbenen Produkte zogen die Wissenschaftlerinnen Kriterien der britischen Medienaufsichtsbehörde (Office of Communications, kurz OFCOM) hinzu. Anhand dieser Kriterien wird die an Kinder gerichtete Werbung im Vereinigten Königreich gesetzlich beschrĂ€nkt.

FĂŒr ihre Auswertung unterschieden Landwehr und Hartmann zwischen Unternehmen, die die Selbstverpflichtung unterzeichnet hatten, und solchen, auf die das nicht zutraf. Außerdem interessierten sie sich fĂŒr Faktoren, die beeinflussten, ob ein Werbespot den Kriterien der Selbstverpflichtung oder des OFCOM entsprach.

ZunĂ€chst zeichnete sich nach Inkrafttreten der Selbstverpflichtung eine positive Entwicklung ab. „Im Oktober 2014 und damit kurz vor Inkrafttreten der Harmonisierung entsprachen fast alle Werbespots im Kinderfernsehen den selbst auferlegten Kriterien“, schildert Landwehr. DarĂŒber hinaus ist die Gesamtzahl der an Kinder gerichteten Werbespots stark zurĂŒckgegangen. „Die freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne ist ein Schritt in die richtige Richtung“, urteilt Prof. Dr. Monika Hartmann. Allerdings seien die selbstgewĂ€hlten Kriterien der Unternehmen zur Regulierung der Werbung nicht stringent genug, schrĂ€nkt sie ein. „Großbritannien hat hier mit dem OFCOM-NĂ€hrwertprofil deutlich strengere Vorgaben fĂŒr die Regulierung von an Kinder gerichteter Lebensmittelwerbung.“ Bei BerĂŒcksichtigung der OFCOM-Kriterien fĂ€llt die Entwicklung weniger positiv aus. Hinzu kommt, dass durch die Freiwilligkeit der Umsetzung der Selbstverpflichtung der erreichbare Effekt geschmĂ€lert wird. Denn nicht alle Lebensmittelunternehmen ziehen mit.

Zuweilen nutzen aber auch Unternehmen, welche eigentlich zugesichert hatten, Werbespots fĂŒr Kinder zu beschrĂ€nken, Schlupflöcher aus. Beispielsweise, wenn zu Sendezeiten des „Erwachsenenfernsehens“ weiterhin Produkte mit hohem Fett-, Zucker- und Salz-Gehalt in kindgerechter Weise beworben werden. Doch auch dann sitzen hĂ€ufig nicht nur Erwachsene vor dem Fernseher. „WĂŒnschenswert wĂ€re deshalb, dass die Richtlinien fĂŒr alle Sendungen und nicht nur fĂŒr Kindersendungen gelten, wenn es sich um an Kinder gerichtete Werbespots handelt“, schließt Landwehr.

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verfasst von am 31. MĂ€rz 2020 um 06:26

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