Wie groß ist eine Portion?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 20. September 2012

Überschätzung von Portionsgrößen kann zur Entstehung von Übergewicht beitragen

Viele Menschen können Portionsgrößen verschiedener Lebensmittelgruppen nicht richtig einschätzen und unterschätzen die Anzahl von Portionen, die sie pro Tag essen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die kürzlich in Kanada durchgeführt wurde. Beides, die Überschätzung von Portionsgrößen und die Unterschätzung der Anzahl von Portionen, die bereits verzehrt wurden, führt dazu, dass mehr gegessen wird, als der Körper benötigt und leistet einen Beitrag zur Entstehung von Übergewicht.

Sandwich
© Jo & Joey for TUAPA

Für die Studie wurden 145 Probanden im Alter von 25-75 Jahren dazu befragt, welche Menge eines Lebensmittels aus vier Lebensmittelgruppen (Obst und Gemüse, Fleisch und Fleischersatz, Getreide-, Milchprodukte) ihrer Ansicht nach einer Portion entspricht und wie viele Portionen davon sie täglich verzehren. Die Angaben der Teilnehmer wurden mit den in Kanada geltenden Referenzwerten und dem tatsächlichen Lebensmittelverzehr der Teilnehmer (24-Stunden-Ernährungsprotokoll) verglichen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Probanden die Größen einer Portion von Getreideprodukten, Obst und Gemüse deutlich überschätzten (Getreide: +55 Prozent, Obst und Gemüse +43 Prozent). Dafür wurden die Mengen von Käse und Fleischalternativen, die einer Portion entsprechen, um ein Drittel (Käse: -31 Prozent, Fleischalternativen: -33 Prozent) zu niedrig geschätzt. Die Portionsgrößen von Hühnerfleisch, Karotten und Milch wurden richtig geschätzt.

Der Vergleich mit ihren Angaben im Ernährungsprotokoll offenbarte, dass die Teilnehmer die Zahl der Portionen, die sie pro Tag verzehrten, oft als zu gering ansahen. Zum Beispiel glaubten sie, 15 Prozent zu wenig Portionen Obst und Gemüse, 28 Prozent zu wenig Getreide und Getreideprodukte und 14 Prozent zu wenig Fleischportionen und Portionen mit Fleischalternativen zu essen. Bei Milch und Milchprodukten hingegen vermuteten sie ca. ein Viertel mehr Portionen zu essen (+26 Prozent) als es tatsächlich der Fall war. Der aus Sicht der Probanden zu geringe Verzehr der meisten Lebensmittel stimmte gut mit ihrer subjektiven Schätzung der täglichen Energieaufnahme überein. Zwei Drittel der Probanden (68 Prozent) waren der Ansicht, täglich 200 Kilokalorien weniger als empfohlen aufzunehmen.

Solange ein Großteil der Bevölkerung Lebensmittelportionen zu groß einschätzt, wird es nicht gelingen, das Voranschreiten von Übergewicht, Adipositas und ernährungsmitbedingten Erkrankungen mit Hilfe von portionsbezogenen Ernährungsempfehlungen einzudämmen. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, entweder die derzeit geltenden Ernährungsempfehlungen an das gängige Portionsgrößenverständnis anzupassen, indem die Portionsgrößen bei den Lebensmittelempfehlungen entsprechend vergrößert und dafür weniger Portionen pro Tag empfohlen werden. Alternativ sollte durch gezielte Aufklärungskampagnen über die aktuell den Ernährungsempfehlungen zugrunde liegenden Portionsgrößen informiert werden.

In Deutschland hat der aid ein Konzept entwickelt, bei dem die Portionsgröße verschiedener Lebensmittel mit Hilfe der eigenen Hände leicht selbst bestimmt werden kann: Zum Beispiel entspricht eine Hand voll Obst und Gemüse einer Portion, bei Kartoffeln und Nudeln sind es zwei Hände voll. Eine Portion Brot soll in etwa so groß sein wie die gesamte Handfläche mit ausgestreckten Fingern, eine Portion Fleisch oder Fisch so groß wie der Handteller. Die zu diesem Konzept entwickelte Ernährungspyramide informiert darüber, welche Anzahl an Portionen von bestimmten Lebensmittelgruppen täglich verzehrt werden sollten. Auch Süßigkeiten und Knabbereien werden berücksichtigt: Hiervon sollte höchstens eine Portion (eine Hand voll) täglich gegessen werden.

Quellen einblenden

  • www.aid.de
  • S. L. Abramovitch, J. I. Reddigan, M. J. Hamadeh, V. K. Jamnik, C. P. Rowan, J. L. Kuk (2012): Underestimating a serving size may lead to increased food consumption when using Canada’s Food Guide. Appl. Physiol. Nutr. Metab. 37: Seite 923–930

verfasst von am 20. September 2012 um 05:40

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