Wie lässt sich die Ernährung von Studenten verbessern?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 20. Juli 2017

Durch strategisch geschickt platzierte Informationen entscheiden sich Studenten h√§ufiger f√ľr Wasser anstelle von zuckerhaltigen Getr√§nken und verzehren mehr Obst und Gem√ľse.

Beim √úbergang vom Gymnasium auf die Hochschule nehmen Studenten h√§ufig an Gewicht zu. Schuld sei – so meinen viele Studenten – die Abh√§ngigkeit vom Essensangebot an den Mensen. Dies gilt interessanterweise auch f√ľr Mensen, in denen die Studenten sich gegen Bezahlung eines Pauschalpreises frei von einem reichhaltigen Buffet bedienen k√∂nnen. Wissenschaftler der Universit√§ten von Toronto und Neufundland haben nun untersucht, ob und wie sich das Ess- und Trinkverhalten von Studenten durch bestimmte Gesundheitsinformationen beeinflussen l√§sst.

Als Setting f√ľr ihre Intervention w√§hlten Dr. Mary Scourboutakos und ihre Kollegen eine Mensa auf dem Universit√§tscampus Toronto mit einem vielf√§ltigen, t√§glich vorhandenen Angebot an Vorspeisen und Suppen, einer Salat- und Fruchtbar, Beilagen, Desserts und 19 Getr√§nken. Zun√§chst beobachteten die Wissenschaftler die Lebensmittel- und Getr√§nkeauswahl der Studenten an sechs Terminen. Dann begann die eigentliche Intervention: Zur F√∂rderung des Wasserkonsums wurden Informationen angebracht, wie viele Minuten zu joggen w√§ren, um den Energiegehalt verschiedener Getr√§nke „abzuarbeiten“. Au√üerdem wurden an strategisch wichtigen, publikumswirksamen Stellen Poster zur F√∂rderung der Obst- und Gem√ľseaufnahme positioniert. Daran schlossen sich die n√§chsten sechs Beobachtungstermine der Wissenschaftler an.

An jedem Termin wurden Daten von 368 bis 510 Studenten erfasst. In die Auswertung gingen insgesamt 8570 Getr√§nke, 3668 Salate und 954 Portionen an Fr√ľchten ein. Interessanter als die absoluten Mengen ist allerdings die Evaluation des Effekts der Intervention. „Wir fanden eine statistisch bedeutsame Zunahme des Anteils der Studenten, die Wasser tranken. Vor der Intervention w√§hlten 43 Prozent der Studenten Wasser, danach waren es 54 Prozent“; berichtet Dr. Scourboutakos. „Ebenso nahmen die Besuche an der Fruchtbar um sechs Prozent [von 30 auf 36 Prozent] und an der Salatbar um 12 Prozent [von 60 auf 72 Prozent] zu“, f√§hrt die Wissenschaftlerin fort.

Daher empfehlen die Wissenschaftler, den Erfolg der hier vorgestellten Methode in anderen Settings zu √ľberpr√ľfen. Ferner stellt sich die Frage, ob sich das Ern√§hrungsverhalten der Studenten insgesamt ver√§ndert hat. Wurden Salat und Obst zus√§tzlich oder alternativ verzehrt (beispielsweise Obst anstelle von Eis als Dessert) und wirkten sich die Ern√§hrungsinformationen auch auf die Ess- und Trinkgewohnheiten au√üerhalb der Universit√§t aus? Wie lange h√§lt der Effekt an? Wir sind gespannt auf zuk√ľnftige Studienergebnisse.

Quellen einblenden

 

verfasst von am 20. Juli 2017 um 10:01

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Ein Kommentar zu “Wie l√§sst sich die Ern√§hrung von Studenten verbessern?”

  1. Viele kennen es. Man zieht nach dem Abitur von zu Hause aus und ist zum ersten Mal wirklich auf sich allein gestellt. Kocherfahrung haben die Wenigsten.
    Die meisten greifen also zu Fertigprodukten, die genau ihre vorrangigen Bed√ľrfnisse befriedigen:
    1.) Es soll lecker schmecken.
    2.) Es soll schnell verf√ľgbar sein.

    Nat√ľrlich lieferen die Universit√§ts-Mensen verschiedenste Men√ľ-Varianten von Salat bis Currywurst Pommes; von Wasser bis Cola.
    Die Ergebnisse der Studie sind interessant, zeigen aber auch, dass die meisten Studierenden sehr wohl wissen, was „gesund“ ist und was nicht. Im Alltag, au√üerhalb der Mensa, w√§hlen viele dennoch den schnellen Weg √ľber Fertigprodukte. Gerade hier gilt es au√üerdem Ans√§tze zu finden, Studierenden gesunde Ern√§hrung n√§herzubringen.
    Vielen fehlen auch einfach die grundlegenden Kenntnisse der Zubereitung und der richtige Einsatz frischer Gew√ľrze, damit selbst zubereitetes Essen eben nicht fade schmeckt, sondern ein ganz neues Geschmackserlebnis bieten kann.

Kommentar abgeben