Wie Lebensmittelwerbung wirkt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 13. November 2014

Wissenschaftler der Universität von Adelaide (Australien) haben untersucht, welche kognitiven Vorgänge und Motivationen durch Lebensmittelwerbung im Fernsehen ausgelöst werden. Interessanterweise scheinen insbesondere Menschen mit Übergewicht auf Lebensmittelspots zu reagieren.

Lebensmittel, die in Zeitschriften oder im Fernsehen beworben werden, sind selten ern√§hrungsphysiologisch wertvoll. Aufgrund ihres hohen Fett- oder Zuckergehalts sind viele dieser Lebensmittel sehr energiereich und k√∂nnen daher die Entstehung oder Progression von √úbergewicht beg√ľnstigen. Und wider besseren Wissens tappt so mancher immer wieder in die Werbefalle. Wie l√§sst sich das erkl√§ren?

Es ist bekannt, dass aggressives Werben f√ľr ungesunde Lebensmittel zum (√úber-) Konsum dieser Produkte f√ľhrt. Bislang wurde jedoch noch nicht verstanden, auf welche Weise Werbung das Konsumverhalten beeinflusst. Erste Erkenntnisse hierzu liefert eine australische Studie, die in der Zeitschrift Psychology & Health ver√∂ffentlicht wurde. In zwei Experimenten untersuchten Wissenschaftler um Sarah Hollit lebensmittelassoziierte Kognitionen und das Verlangen nach Nahrung von Menschen, die zuvor eine Reihe von Fernsehspots (mit und ohne Lebensmittelwerbung) gesehen hatten. Am ersten Experiment nahmen 160 normalgewichtige Studentinnen im Alter zwischen 18 und 44 Jahren teil. Im zweiten Experiment wurden 124 √ľbergewichtige, zum Teil auch fettleibige Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren untersucht.

Nach dem Ansehen der Fernsehspots wurden alle Probanden gebeten, aus bestimmten Wortst√§mmen (zum Beispiel: ‚Äěbre‚Äú) vollst√§ndige W√∂rter zu bilden (beispielsweise ‚Äěbread‚Äú (Brot), ‚Äěbreath‚Äú (Atem) oder ‚Äěbreak‚Äú (Pause)). Anschlie√üend ermittelten die Wissenschaftler, wie viele der genannten Begriffe einen Bezug zu Lebensmitteln hatten. Hierbei zeigte sich, dass Probanden, die zuvor Lebensmittelwerbung gesehen hatten, h√§ufiger lebensmittelbezogene W√∂rter bildeten. Dieser Zusammenhang galt sowohl f√ľr die Probanden mit Normalgewicht (Experiment 1) als auch f√ľr die Probanden mit √úbergewicht/Fettleibigkeit (Experiment 2), wobei die Probanden des zweiten Experiments mehr lebensmittelbezogene W√∂rter nannten. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die Lebensmittelwerbung das Denken beider Probandengruppen beeinflusste.

Unterschiede zwischen beiden Gruppen zeigten sich, als die Probanden nach ihrem Verlangen zu essen gefragt wurden. Bei den Probanden mit Normalgewicht (Experiment 1) war das Essverlangen zwischen den Probanden, die zuvor Lebensmittelwerbung gesehen hatten und jenen, die andere Werbung gesehen hatten, gleich. Dagegen hatten die Probanden mit √úbergewicht, die zuvor Lebensmittelwerbung gesehen hatten, eine gesteigerte Esslust. M√∂glicherweise beeinflusst die Werbung Gedanken und Wahrnehmung und f√∂rdert so das Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln. Dies k√∂nnte insbesondere Menschen mit √úbergewicht zu einer √ľberm√§√üigen Nahrungsaufnahme veranlassen und sogar Hei√ühungerattacken ausl√∂sen, vermuten die Wissenschaftler. Die im Durchschnitt l√§ngere Fernsehzeit von Menschen mit √úbergewicht und damit erh√∂hte Exposition gegen√ľber Lebensmittelwerbung k√∂nnte diesen Effekt weiter verst√§rken.

Noch sind viele Fragen offen √ľber den Einfluss von Fernsehwerbung auf unser Konsumverhalten. Interessant¬† w√§ren beispielsweise eine Unterscheidung zwischen ern√§hrungsphysiologisch wertvollen und weniger wertvollen Lebensmitteln, die bei dem Wortstammtest genannt wurden, die Untersuchung weiterer Bev√∂lkerungsgruppen und vor allem die Beobachtung, inwieweit dem ge√§u√üerten Verlangen nach Essen tats√§chlich nachgegangen, also mehr gegessen wird.

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verfasst von am 13. November 2014 um 07:21

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Kein Kommentar zu “Wie Lebensmittelwerbung wirkt”

  1. A. Mueller sagt:

    Werbung, ob Lebensmittel oder anderes, haben den Sinn ins unterbewusstsein zu greifen. Aber erstaunlich, dass nur die Probanden mit √úbergewicht ein Essverlangen danach versp√ľrten.

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