Wie steht’s mit der Stillfreundlichkeit in Deutschland?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 21. September 2017

Was motiviert junge M√ľtter in Deutschland zu stillen? Mit welchen Problemen werden sie konfrontiert? Zwei aktuelle Forschungsprojekte befassen sich mit diesen und weiteren Fragen rund um die Stillfreundlichkeit in Deutschland und international.

Obwohl die gesundheitsf√∂rderlichen Wirkungen des Stillens unbestritten und hinreichend belegt sind, wurden von den Geburtsjahrg√§ngen 2002 bis 2012 in Deutschland nur ein Drittel der S√§uglinge wie empfohlen mindestens 4 Monate ausschlie√ülich gestillt (Quelle: KiGGS Studie, Welle 1). Damit ist der Anteil stillender M√ľtter, die sogenannte Stillquote, in Deutschland deutlich niedriger als in manchen Nachbarl√§ndern.

Ob und wie lange M√ľtter stillen, h√§ngt von vielen individuellen und gesellschaftlich-politischen Faktoren ab. Von Bedeutung sind beispielsweise Alter und sozio√∂konomischer Status der Mutter, (neue) wissenschaftliche Kenntnisse zu den Auswirkungen des Stillens, die politische Unterst√ľtzung und soziale Akzeptanz des Stillens, die Gesetzgebung sowie die Struktur des nationalen Gesundheitssystems. Idealerweise sollten junge M√ľtter auf allen Ebenen stillfreundliche Bedingungen vorfinden, die sie bei ihrer Entscheidung f√ľr das Stillen unterst√ľtzen. Bislang fehlt allerding in Deutschland und auch international ein √úberblick √ľber Strukturen, Akteure und Ma√ünahmen zur Stillf√∂rderung und deren Erfolg.

Daher hat das Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft das Netzwerk „Gesund ins Leben“ und die Nationale Stillkommission beauftragt, stillf√∂rderliche und -hinderliche Faktoren in Deutschland systematisch zu erfassen. Das Projekt ist Bestandteil eines internationalen zweij√§hrigen Forschungsprojekts. Die neu gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage zur Planung und Begleitung gezielter und effizienter Ma√ünahmen zur Stillf√∂rderung bilden.

In Deutschland wird nun eine 15-k√∂pfige Kommission aus Experten aus den Bereichen Politik, Praxis, Wissenschaft und Medien gebildet, die gemeinsam alle Informationen zu stillrelevanten Handlungsfeldern zusammentragen und bewerten soll. Hierbei wird ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz verfolgt. Im darauffolgenden Soll-Ist-Vergleich werden Handlungsbedarfe und zuk√ľnftige stillf√∂rdernde Ma√ünahmen f√ľr Deutschland abgeleitet. Das Projekt soll durch intensive √Ėffentlichkeitsarbeit flankiert werden, um die √∂ffentliche Wahrnehmung des Stillens und Kenntnisse zu dessen gesundheitlichen Vorteilen zu erh√∂hen. Au√üerdem besteht die M√∂glichkeit, stillf√∂rdernde und -hinderliche Faktoren zu einem „Breastfeeding Friendly Country Index“ zusammenzufassen. Der Vergleich mit anderen L√§ndern kann als Anreiz zur Verbesserung im eigenen Land dienen und Hinweise auf weitere M√∂glichkeiten zur Stillf√∂rderung geben.

Neben diesem Projekt arbeiten Wissenschaftler des Forschungsdepartments f√ľr Kinderern√§hrung an der Universit√§tskinderklinik Bochum aktuell an einem Update der bundesweiten „SuSe“-Studie („Stillen und S√§uglingsern√§hrung“) aus dem Jahr 1997/98. Ziel ist die Gewinnung umfassender Daten zu Stillquoten und zur S√§uglingsern√§hrung im ersten Lebensjahr. Durch einen Vergleich mit der Situation 1997/98 erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss dar√ľber, wie sich stillf√∂rdernde Ma√ünahmen in Deutschland ausgewirkt haben und auf welche Weise man zuk√ľnftig das Stillen f√∂rdern k√∂nnte.

Studienleiterin Prof. Mathilde Kersting und ihr Team planen, bundesweit rund 1.700 M√ľtter zu ihrem Stillverhalten sowie der Ern√§hrung ihrer S√§uglinge zu befragen. Neben den M√ľttern werden Hebammen, √Ąrzte und Pflegepersonal kontaktiert, um ein m√∂glich umfassendes Bild √ľber die Gestaltung effektiverer Ma√ünahmen zur Stillf√∂rderung zu erhalten. Die Studie wurde von der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE) beauftragt und wird durch das Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft gef√∂rdert. Die Ergebnisse der SuSe-Studie II sollen im 14. DGE-Ern√§hrungsbericht (2020) ver√∂ffentlicht werden.

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verfasst von am 21. September 2017 um 07:12

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