Winterzeit = Erkältungszeit: Was hilft wirklich? Teil 1

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 6. Dezember 2016

Teil 1: Medikamente

Alle Jahre wieder… Durch die k√§lteren Temperaturen, gepaart mit Wetterumschw√ľngen und Schmuddelwetter, haben Erk√§ltungsviren h√§ufig leichtes Spiel. Dementsprechend gro√ü ist auch der Markt an konventionellen und alternativen Pr√§paraten zur Behandlung von Erk√§ltungen. Was hilft wirklich?

Erwachsene k√§mpfen etwa zwei- bis viermal pro Jahr mit Erk√§ltungen, Kinder sogar sechs- bis achtmal. Damit z√§hlen Erk√§ltungen beziehungsweise „akute Atemwegsinfektionen“ zu den Hauptgr√ľnden f√ľr einen Arztbesuch. Meist wird die Erkrankung durch Viren verursacht, kann aber aufgrund der vielf√§ltigen Viren nur symptomatisch behandelt werden.

Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Prof. Dr. Markus Rose von der Universit√§t Frankfurt/Main haben sich wie viele andere auch die Frage gestellt, welche konventionellen und alternativmedizinischen Therapien tats√§chlich bei Erk√§ltungen helfen. Zur Beantwortung dieser Frage auf wissenschaftlicher Basis haben die beiden mit Akribie drei gro√üe wissenschaftliche Datenbanken (Medline, eMbase, Cochrane) nach Artikeln zu den Schl√ľsselw√∂rtern „Erk√§ltung“, „akute Atemwegsinfektion“ und „Therapie“ aus den Jahren 1985 bis 2015 durchforstet. Die aufbereiteten Ergebnisse wurden in der deutschen Fachzeitschrift „Der Pneumologe“ publiziert.

Nasensprays

  • Oral schleimhautabschwellende Nasensprays (Dekongestiva), konnten in Studien eher bescheidene Effekte auf nasale Symptome f√ľr sich verbuchen. Nachweise von positiven Wirkungen bei Kindern stehen noch aus. Allerdings sind bei einer √úberdosierung dieser Nasensprays bei Kindern bereits schwere unerw√ľnschte Wirkungen belegt.
  • Sogenannte topische Anticholinergika bessern laut einer fr√ľher publizierten √úbersichtsarbeit zwar den Schnupfen, haben aber keinen Einfluss auf die Verstopfung der Nase.
  • Auch wenn die Datenlage zur Wirkung von intranasalen Kortikoiden schwach ist, scheinen Kortikoidsprays die Erk√§ltungsdauer nicht zu verk√ľrzen. Dagegen besteht eine erh√∂hte Gefahr f√ľr eine sekund√§re bakterielle Infektion nach ihrer Anwendung.

Medikamente zur Einnahme

  • Die unter anderem bei Allergien eingesetzten Antihistaminika haben nur in Kombination mit Dekongestiva oder/und Schmerzmitteln (Analgetika) „einen gewissen Nutzen“ bei Erk√§ltungen von √§lteren Kindern (ab f√ľnf Jahren) oder Erwachsenen. Allerdings sollten auch in diesem Fall der m√∂gliche Nutzen kritisch gegen potentielle Nebenwirkungen abgewogen werden.
  • Hustenstiller (Antitussiva): Medikamente mit den Wirkstoffen Codein, Dihydrocodein, Dextromethorphan, Noscapin und Pentoxyverin unterdr√ľcken den Hustenreiz. Da das Husten allerdings ein wichtiger Schutzreflex des K√∂rpers ist, sollten diese Medikamente nur bei einem trockenen Reizhusten angewendet werden, der nicht durch Hausmittel gelindert werden kann. Codein-haltige Antitussiva sind nicht f√ľr Kinder unter 12 Jahren geeignet.
  • Schleiml√∂sende Medikamente (Sekretolytika, Mykolytika) sollen bei einer erk√§ltungsbedingten Bronchitis den Schleim verfl√ľssigen und damit das Abhusten erleichtern. Die Einnahme von Medikamenten mit Acetylcystein kann zu einem erh√∂hten Volumen von Bronchialsekret f√ľhren, das unter anderem kleine Kinder schlecht abhusten k√∂nnen. Efeupr√§parate sind diesbez√ľglich unbedenklich. Medikamente dieser Wirkstoffgruppe sollten dennoch S√§uglingen und Kleinkindern nur nach strenger Indikationsstellung gegeben werden. Viel besser und vor allem nebenwirkungsfrei sind dagegen reichliches Trinken und eine gute Befeuchtung der Atemwege.
  • Die Schmerzmittel NSAR und Paracetamol bessern zwar erk√§ltungsbedingte Schmerzen, haben aber keine Wirkung auf die Atemwegsbeschwerden. Bei Kindern scheint Ibuprofen st√§rker fiebersenkend zu wirken als Paracetamol.
  • Nur etwa jeder zwanzigsten Erk√§ltung liegt eine bakterielle Infektion zugrunde. Nur in diesem Fall sind Antibiotika indiziert. Die Einnahme von Antibiotika sollte nur nach √§rztlicher Verordnung erfolgen, zumal Antibiotika teilweise erhebliche Nebenwirkungen haben und die unkritische Anwendung Resistenzentwicklungen gegen Antibiotika f√∂rdert.

Sonstige Medikamente

  • √Ątherische Einreibemittel: Wirkkomponenten wie Kampfer, Menthol und Eukalyptus√∂l wirken sich zwar nicht positiv auf Husten oder Schnupfen aus, lassen Kinder und Eltern aber besser schlafen. Eltern sollten in diesem Zusammenhang allerdings dar√ľber aufgekl√§rt werden, dass Tropfen und Einreibemittel auf Basis √§therischer √Ėle die Atemwege reizen und im Extremfall zur Verkrampfung der atemwegsumspannenden Muskulatur (Bronchospasmus) f√ľhren k√∂nnen.

Von welchen alternativmedizinischen Therapieansätzen eine Linderung der Erkältungssymptome zu erwarten ist und von welchen eher nicht, erfahren Sie im zweiten Teil unseres Artikels.

verfasst von am 6. Dezember 2016 um 13:41

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben