Zeig‘ mir einen Gegenstand und meine App sagt dir, welche Qualit√§t er hat

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 21. März 2017

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts f√ľr Fabrikbetrieb und automatisierung haben eine App entwickelt, mit der Verbraucher zuk√ľnftig ohne weitere Hilfsmittel in Objekte hineinschauen und deren Qualit√§t pr√ľfen k√∂nnen.

Ist der als „Bio“ deklarierte Apfel tats√§chlich ungespritzt? Und wurde der als „unfallfrei“ offerierte Gebrauchtwagen nicht doch nach einem Zusammensto√ü √ľberlackiert? Im Alltag gibt es viele Situationen, in denen Verbraucher sich bislang auf Aussagen verlassen mussten, die sie nicht direkt √ľberpr√ľfen konnten. Mit der aktuell am Fraunhofer-Institut f√ľr Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) Magdeburg entstehenden App „HawkSpex¬ģ mobile“ k√∂nnte sich dies in Zukunft √§ndern.

„Mit unserer App haben wir ein Analysetool f√ľr eine Vielzahl an Inhaltsstoffen entwickelt, das auf jedem modernen Smartphone l√§uft und ohne Zubeh√∂r auskommt“, erl√§utert Prof. Udo Seiffert, Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer IFF. „Das Besondere an unserer App: Der Anwender braucht f√ľr die Messung nichts weiter als die Kamera, die ohnehin in seinem Smartphone integriert ist.“ Um ein Objekt zu pr√ľfen, m√ľssen Anwender lediglich die App √∂ffnen, das Smartphone auf das zu pr√ľfende Objekt richten und erhalten dann die gew√ľnschten Informationen (Ist der Apfel tats√§chlich pestizid- und der Gebrauchtwagen unfallfrei?).

Zwar existieren bereits Systeme mit √§hnlicher Funktion, allerdings ben√∂tigen sie eine Hyperspektralkamera. Diese Spezialkamera justiert jeweils verschiedenfarbiges Licht und analysiert, wie viel Licht der entsprechenden Farbe das Objekt zur√ľckwirft. Es entsteht ein umfassender spektraler Fingerabdruck des Gegenstands, aus dem die Wissenschaftler mit Hilfe eines mathematischen Modells beliebige Informationen √ľber das Objekt (zum Beispiel dessen Inhaltsstoffe) auslesen k√∂nnen. „Da im Smartphone keine Hyperspektralkamera integriert ist, haben wir dieses Prinzip einfach umgedreht“, erkl√§rt Prof. Seiffert. „Wir haben mit der Kamera einen breitbandigen dreikanaligen Sensor ‚Äď also einen, der alle Wellenl√§ngen misst ‚Äď und beleuchten den Gegenstand mit Licht unterschiedlicher Farbe.“ Hinter der App verbergen sich intelligente Auswahlalgorithmen, die trotz der eingeschr√§nkten Rechenleistung des Smartphones die Schw√§chen von Handykamera und Display kompensieren.

Gut Ding will Weile haben. Auf dem Weg zur allgemein verf√ľgbaren App haben die Wissenschaftler bereits einen wichtigen Meilenstein erreicht und die erste Laborversion zum Patent angemeldet. Bevor die App auch f√ľr private Nutzer verf√ľgbar ist, hei√üt es nun, verschiede Anwendungen zu entwickeln. Denn das System muss zun√§chst √ľber Vergleichsmessungen angelernt werden. Etwa Ende des Jahres k√∂nnte „HawkSpex¬ģ mobile“ dann auf den Markt kommen, hofft Prof. Seiffert. Dann hat die App zwar immer noch nicht ihr volles Leistungspotential ausgesch√∂pft, sie w√§re aber soweit, dass engagierte Nutzer bei der Weiterentwicklung des Systems helfen k√∂nnten. Dies geschieht, indem sie beliebige Objekte, beispielsweise behandeltes und unbehandeltes Gem√ľse, mit der App vermessen und die Ergebnisse an das Fraunhofer IFF senden.

√úbrigens sind nicht f√ľr alle Funktionen der App Vergleichsmessungen notwendig. Soll lediglich die Verteilung von Stoffen und Materialien gemessen (beispielsweise unterschiedliche Farbnuancen im Autolack, die auf eine Nachlackierung hinweisen), werden keine Bezugswerte ben√∂tigt.

Im kommerziellen Bereich k√∂nnte die App zuk√ľnftig zur Qualit√§tskontrolle von Lebensmitteln, der Untersuchung der Wirksamkeit von Kosmetika und Bestimmung beispielsweise von D√ľngemengen in der Landwirtschaft von Interesse sein.

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verfasst von am 21. März 2017 um 07:33

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