Zöliakie: Glutenfreie Diät schlägt nicht bei jedem Kind an

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Selbst nach einem Jahr glutenfreier Ernährung hatte sich die Darmschleimhaut von 19 Prozent der betroffenen Kinder nicht regeneriert. Da dies bei der routinemäßigen Kontrolle der Transglutaminase-Antikörper nicht zu erkennen ist, fordern Wissenschaftler eine Überarbeitung der aktuellen Behandlungs- und Monitoringkriterien.

Verdauungsbeschwerden wie Durchf√§lle, Bl√§hungen oder ein Wechsel der Stuhlgewohnheiten, Verhaltensver√§nderungen, M√ľdigkeit, Schlaflosigkeit, Eisenmangel und Entwicklungsst√∂rungen k√∂nnen Anzeichen einer Z√∂liakie sein. Die Symptome treten meist erstmals zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf. Ursache ist eine charakteristische Zerst√∂rung der Schleimhaut des D√ľnndarms, die durch das Getreideeiwei√ü „Gluten“ hervorgerufen wird. Dementsprechend besteht der Kern der Z√∂liakietherapie derzeit in einer lebenslangen glutenfreien Ern√§hrung (Verzicht aufProdukte aus Weizen, Dinkel, Gr√ľnkern, Roggen, Gerste, Triticale, Kamut, Emmer und Einkorn).

Normalerweise sollte sich die Darmschleimhaut bei einer Zöliakie durch eine konsequente, glutenfreie Diät regenerieren und dementsprechend sollten auch die Verdauungsbeschwerden verschwinden. Dies scheint allerdings nicht immer der Fall zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Wissenschaftler um Dr. Maureen Leonard vom Massachusetts-Kinderkrankenhaus in Boston analysierten die Krankenakten von insgesamt 103 Kindern und Jugendlichen, die an einer Zöliakie erkrankt waren und sich seit durchschnittlich 2,4 Jahren glutenfrei ernährten. Obwohl neun von zehn Kindern dieser Gruppe sich vorbildlich an die Ernährungstherapie hielten, hatten viele Kinder ein Jahr nach der Diagnose erneut Verdauungsbeschwerden oder auffällige Labortestergebnisse. Aus diesem Grund wurde bei allen Kindern mindestens eine weitere endoskopische Biopsie veranlasst.

Die Auswertung der erneuten Biopsien ergab, dass nahezu jedes f√ľnfte Kind (19 Prozent) weiterhin eine besch√§digte Darmschleimhaut (persistente glutensensitive Enteropathie) hatte. Allerdings lie√ü sich die Enteropathie nicht anhand von Z√∂liakiesymptomen oder routinem√§√üig bestimmten Transglutaminase-Antik√∂rper-Werten vorhersagen. Zum Zeitpunkt der zweiten Biopsie hatten lediglich 43 Prozent der Kinder mit einer persistenten Enteropathie erh√∂hte Transglutaminase-Antik√∂rper-Werte, aber auch 32 Prozent der Kinder ohne akute Darmsch√§den wiesen erh√∂hte Werte auf. Demnach scheint die Bestimmung der Transglutaminase-Antik√∂rper-Konzentration im Z√∂liakiemonitoring kein zuverl√§ssiger Indikator f√ľr Gewebsl√§sionen zu sein.

Die Folgen dieser persistenten Enteropathie trotz glutenfreier Di√§t sind bislang unbekannt. Dr. Leonard und ihre Kollegen mutma√üen in ihrem Artikel, der aktuell in der Fachzeitschrift Pediatric Gastroenterology and Nutrition ver√∂ffentlicht wurde, dass „p√§diatrische Patienten mit einer Z√∂liakie und persistenter Enteropathie f√ľr zuk√ľnftige Komplikationen und suboptimales Wachstum pr√§disponiert sein k√∂nnten“.

In den aktuellen Behandlungsleitlinien wird bei einer Z√∂liakie keine erneute Biopsie zur Beobachtung des Therapieerfolgs empfohlen. Eine Biopsie ist aber laut Dr. Leonard und ihren Kollegen die einzige M√∂glichkeit, die Beseitigung der Gewebssch√§den festzustellen. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur f√ľr die Best√§tigung der Z√∂liakiediagnose eine Endoskopie ben√∂tigt wird, sondern auch eine erneute Biopsie in Betracht gezogen werden sollte, um die Remission zu bewerten“, fahren die Autoren fort. Allerdings werden weitere Studien ben√∂tigt, die die aktuellen Kenntnisse best√§tigen und erweitern, Ursachen aufdecken, weshalb eine glutenfreie Di√§t nicht immer anschl√§gt, und erg√§nzende Therapiem√∂glichkeiten aufzeigen.

Quellen einblenden

 

verfasst von am 28. Dezember 2016 um 10:51

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben