Zuckersteuer: Sollte Deutschland dem britischen Beispiel folgen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 16. April 2020

Ma√ünahmen zur Reduzierung des Zuckergehalts in Softdrinks und insbesondere die Einf√ľhrung einer Zuckersteuer f√ľhrten zu einem erfreulichen R√ľckgang der Zuckeraufnahme in Gro√übritannien. Selbst die Herstellerfirmen beurteilen die Zuckerabgabe nach anf√§nglichen Bedenken positiv. Zur gleichen Zeit droht in Deutschland die Nationale Diabetesstrategie unter anderem am Thema Zuckerreduktion zu scheitern.

Laut einer Studie der Universit√§t Oxford, deren Ergebnisse aktuell in der Fachzeitschrift BMC Medicine publiziert wurden, ist die durchschnittliche Aufnahme von Zucker durch Softdrinks in Gro√übritannien zwischen 2015 und 2018 um 30 Prozent beziehungsweise 4,6 Gramm pro Person und Tag zur√ľckgegangen. Dies ist sowohl auf eine ver√§nderte Rezeptur von Softdrinks in Gro√übritannien als auch auf √Ąnderungen im Kaufverhalten von Konsumenten zur√ľckzuf√ľhren. Zwischen 2015 und 2018 nahm der Zuckergehalt von Softdrinks um 1,5 Gramm pro 100 Milliliter (von 4,4 auf 2,9 Gramm/100 Milliliter) ab. Zugleich halbierte sich der Absatz von Softdrinks mit hohem Zuckergehalt (√ľber 5 Gramm/100 Milliliter), w√§hrend der Absatz von Getr√§nken ohne Zucker oder mit niedrigerem Zuckergehalt um 40 Prozent anstieg.

Die positive Entwicklung in Gro√übritannien wurde insbesondere durch die Ank√ľndigung und das Inkrafttreten der Zuckersteuer auf Softdrinks mit hohem Zuckergehalt erm√∂glicht. Seit April 2018 werden Softdrinks mit einem Zuckergehalt von √ľber 5 Gramm/100 Milliliter mit 21 Cent besteuert, bei Produkten, die 8 Gramm Zucker/100 Milliliter √ľbersteigen, fallen sogar 33 Cent an.

√Ąhnlich wie derzeit in Deutschland waren die Getr√§nkehersteller in Gro√übritannien zun√§chst von der Einf√ľhrung der Zuckersteuer alles andere als begeistert. Mittlerweile scheinen sich ihre Bedenken allerdings verfl√ľchtigt zu haben. Bei einer Umfrage auf dem Kongress der Britischen Softdrinkgesellschaft im Mai 2019 beurteilten 60 Prozent der Firmenvertreter die Effekte der Zuckersteuer positiv, 30 Prozent meinten, die Steuer h√§tte vernachl√§ssigbare Auswirkungen auf ihre Firma gehabt und lediglich 10 Prozent sahen negative Effekte.

Um zuk√ľnftigen Bedenken in Bezug auf Zucker zu begegnen, gab ein Drittel der Befragten an, mehr auf nat√ľrliche S√ľ√üstoffe zu setzen, ein Viertel wollte eher am Geschmack der S√ľ√üstoffe arbeiten und fast jeder sechste Befragte sprach sich f√ľr eine Erweiterung der Zuckersteuer aus.

„Eine Reduktion von Zucker in Lebensmitteln zu erreichen, ist m√∂glich“, kommentiert Prof. Monika Kellerer, Pr√§sidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Wenn sogar die Hersteller am Ende von einer Zuckerreduktion profitieren, gibt es keinen Grund mehr, dieses Ziel nicht auch f√ľr Deutschland verbindlich festzuschreiben.“ Kellerer setzt sich au√üerdem f√ľr ein Verbot von Werbung f√ľr ungesunde Lebensmittel, die speziell an Kinder gerichtet ist, ein. Derzeit drohe die Nationale Diabetesstrategie an eben diesen Themen zu zerbrechen, so Kellerer weiter.

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verfasst von am 16. April 2020 um 06:10

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