Zuviel des Guten: Proteinreiche Säuglingsnahrung fördert Übergewicht

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 30. September 2014

Möglicherweise werden schon in der frühen Kindheit Weichen für späteres Übergewicht gestellt. So waren vormals gestillte Kinder in Studien später seltener übergewichtig als Kinder, die Säuglingsnahrung aus der Flasche erhalten hatten. Der anfängliche Verdacht, dass der Eiweißgehalt der Säuglingsmilch Einfluss auf das Körpergewicht hat, wurde nun in der CHOP-Studie bestätigt.

Wissenschaftler von CHOP, dem European Childhood Obesity Project, untersuchen den langfristigen Einfluss der frühkindlichen Eiweißzufuhr auf seine körperliche Entwicklung und die Entstehung von Übergewicht. Hierfür wurden zwischen Oktober 2002 und Juni 2004 Eltern von 1678 bis zu zwei Monate alten Säuglingen aus Deutschland, Belgien, Polen, Italien und Spanien zur Studienteilnahme gewonnen. Alle Kinder, die nach zwei Monaten nicht mehr gestillt wurden, wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Die eine Gruppe erhielt eine industriell hergestellte Säuglingsmilch mit niedrigem Eiweißgehalt (Säuglingsanfangsnahrung: 1,8 g/100 Kalorien, Folgemilch: 2,2g/100 Kalorien), was der Zusammensetzung von Muttermilch entspricht. Die Kinder der anderen Gruppe erhielten eine Formelmilch mit einem höheren Eiweißgehalt (Säuglingsanfangsnahrung: 2,9 g/100 Kalorien, Folgemilch: 4,4 g/100 Kalorien), die aber auch zugelassen und im Handel erhältlich ist. Alle Kinder wurden nach 3,6,12,18 und 24 Monaten nach standardisierten Methoden untersucht, die Nahrungsaufnahme wurde mit Hilfe von 16 Ernährungsprotokollen dokumentiert.

Die Auswertungen der ersten Studienphase (bis zu einem Alter von zwei Jahren) ergaben, dass die Kinder der Hochproteingruppe während der Fläschchenzeit 1,6 Mal mehr Eiweiß zu sich nahmen als die Kinder der Niedrigproteingruppe, während die Energieaufnahme in beiden Gruppen in etwa gleich hoch war, Mit zunehmendem Alter und der Einführung von Beikost verringerte sich der Unterschied in der Eiweißaufnahme. Im zweiten Jahr nahmen die Kinder beider Gruppen vergleichbare Mengen an Eiweiß zu sich.

Dennoch waren die Kinder nach diesen zwei Jahren nicht auf demselben Stand. Denn die Unterschiede in ihrem Gewicht-pro-Länge und dem Body-Mass-Index (BMI), die sich bereits im Alter von einem halben Jahr abgezeichnet hatten, hatten sich bei den Zweijährigen verfestigt: Während die Kinder aus der Niedrigproteingruppe in ihren Körpermaßen vergleichbar waren mit den gestillten Kindern, hatten die Kinder aus der Hochproteingruppe ein signifikant höheres Gewicht-pro-Länge und einen höheren BMI.

rennende KinderAktuell untersuchten die Wissenschaftler nun, wie sich die Kinder bis zum Alter von sechs Jahren weiter entwickelt haben. Sie stellten fest, dass die Kinder aus der Hochproteingruppe immer noch einen signifikant höheren BMI (durchschnittlich 0,5 Einheiten) und ein 0,67 kg höheres Gewicht hatten. Darüber hinaus war ihr Risiko, fettleibig zu werden, um das 2,4-fache erhöht. Die Kinder aus der Niedrigproteingruppe blieben dagegen weiterhin vergleichbar in ihren Körpermaßen mit den vormals gestillten Kindern.

Die Wissenschaftler vermuten, dass ein hoher Proteingehalt in Säuglingsnahrung insulinähnliche Wachstumsfaktoren stimuliert und damit eine frühe Gewichtszunahme begünstigt. Auch wenn Säuglingsmilchnahrung laut Diätverordnung mehr Protein enthalten dürfe als Muttermilch, sollte darauf im Interesse der Übergewichtsprävention verzichtet werden. Außerdem sollte bei Kindern im ersten Lebensjahr Kuhmilch aufgrund ihres hohen Proteingehalts nur für die Zubereitung von Beikost verwendet werden und nicht als Getränk.

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verfasst von am 30. September 2014 um 13:53

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