Glykämischer Index

Auch: GI, Glyx, glycemic index

Die Wirkung der Kohlenhydrate auf den Blutzucker wird mit dem Glyk√§mischen Index (GI) ausgedr√ľckt. Er gibt an, inwieweit ein kohlenhydratreiches Lebensmittel den Blutzucker √ľber den Normalwert anhebt.

Um den glykämischen Index zu ermitteln, wird die Fläche unter einer Blutzuckerkurve (area under the curve - AUC) nach dem Verzehr eines kohlenhydratreichen Lebensmittels mit der AUC eines Referenzlebensmittel (Glucose, Weißbrot) ins Verhältnis gesetzt (siehe Abbildung).

AUC Glykämischer Index

Abb.: GI-Vergleich von Glucose mit einem Testlebensmittel

Dabei wird jeweils die gleiche Menge an Kohlenhydraten aufgenommen. Beispielsweise werden 50 g Kohlenhydrate aus Spaghetti (= ca. 70 g Spaghetti, Trockengewicht) und 50 g Kohlenhydrate aus Traubenzucker verzehrt und der Blutzuckerspiegel gemessen. Der Glykämische Index von Glucose wird dabei auf den Wert 100 gesetzt.

Zur Berechnung wird folgende Formel herangezogen:

Formel f√ľr den Glyk√§mischen Index

Der glyk√§mische Index unterliegt verschiedenen Faktoren. Hierzu z√§hlen die Zusammensetzung eines Lebensmittels (Vorhandensein von Fett, Proteinen, Ballaststoffen etc.), der Verarbeitungsgrad oder auch die k√ľchentechnische Zubereitung. Je geringer der Verarbeitungsgrad und je gr√∂√üer der Anteil an komplexen Kohlenhydraten (Polysacchariden) und Ballaststoffen ist, desto niedriger ist der Glyk√§mische Index und desto flacher verl√§uft die Blutzuckerkurve nach dem Essen. Fett- oder proteinreiche Lebensmittel verringern den Glyk√§mischen Index ebenfalls.

Die Höhe des GI wird allgemein in 3 Kategorien unterteilt und bewertet:

GI Bewertung
>70 hoher Glykämischer Index
50 - 70 mittlerer Glykämischer Index
< 50 niedriger Glykämischer Index

Das Konzept des glykämischen Index wird besonders zur Therapie von Diabetes mellitus eingesetzt. Es wird dabei empfohlen, vor allem niedrigglykämische Lebensmittel zu essen.

Jedoch besitzt dieser Index auch einen Nachteil, denn neben der Art der Kohlenhydrate hat die aufgenommene Menge ebenfalls einen Einfluss auf den Blutzuckeranstieg. Beim Glyk√§mischen Index wird lediglich die Blutzuckerwirkung anhand der Art der aufgenommenen Kohlenhydratquelle bei einer bestimmten Aufnahmemenge bewertet. Einige Lebensmittel werden nach dem GI-Prinzip als schlecht bewertet, obwohl sie bei normalen Portionsmengen den Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigen lassen. Zu diesem Zweck wurde das Konzept der glyk√§mischen Last (GL) eingef√ľhrt.

Eine √úbersicht √ľber den Glyk√§mischen Index verschiedener Lebensmittel finden Sie in der nachfolgenden Tabelle:

Lebensmittel Glykämischer Index
Maltose (Malzzucker) 110
Glucose (Traubenzucker) 110
Saccharose (Haushaltszucker) 59
Fr√ľhst√ľcksflocken
Cornflakes 81 +/- 3
Porridge mit Instant-Haferflocken 66 +/-1
Porridge (Haferflocken gekocht in Wasser) 58 +/-4
M√ľsli (Wheetabix, Frankreich) 55 +/-10
Haferflocken, kernig 40
Brot/Teigwaren/Getreide
Hirse (gekocht) 71 +/-10
Weizenvollkornbrot 71 +/-1
Weißbrot (Weizen) 70
Roggenvollkornbrot 58 +/-6
Langkorn-Reis (gekocht) 56 +/-2
Brauner-Reis (gekocht) 55 +/-5
Spaghetti (weiß, 10-15min. gekocht) 44 +/-3
Weizen (gekocht) 41 +/-3
Vollkornspaghetti 37 +/-5
Obst
Wassermelone 72 +/-13
Ananas 59 +/-8
Kiwi 53 +/-6
Banane 52 +/-4
Weintrauben 46 +/-3
Orange 42 +/-3
Pfirsich 42 +/-13
Apfel 38 +/-2
Birne 38 +/-2
Gem√ľse
Kartoffelbrei (instant) 72 +/-13
Kartoffeln (gekocht) 56-101
Kartoffeln (gebacken) 85 +/-12
Zuckermais (gekocht) 54 +/-4
Kidneybohnen 52
Gr√ľne Erbsen (TK, gekocht) 48 +/-5
Karotten (roh und gekocht) 47 +/-16
Gr√ľne Linsen (gekocht) 30 +/-4
Milch(-produkte)
Pudding 44 +/-4
Joghurtdrink (fettreduziert, Passionsfrucht) 38 +/-4
Kakao (aus fettarmer Milch) 34 +/-4
Milch, entrahmt 32 +/-5
Vollmilch 27 +/-4

Tab.: Glykämischer Index ausgewählter Lebensmittel (Foster-Powell, K.; Holt, S. H. A.; Brand-Miller, J. C.: International table of glycemic index and glycemic load values: 2002. Am. J. Clin. Nutr. 76: 5-56)

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