Magen-Darm-Erkrankungen - Magengeschw√ľr

Definition

Unter einem Magengeschw√ľr versteht man gutartige Defekte der Magenwand, bei denen neben der Magenschleimhaut auch tiefere Wandschichten betroffen sind. Voraussetzung f√ľr die Entwicklung ist - im Gegensatz zum Magenkarzinom - die Anwesenheit von Magens√§ure und dem eiwei√üspaltenden Enzym Pepsin.

Ist das Geschw√ľr im Magen lokalisiert, spricht man von Ulcus ventriculi. Als Ulcus duodeni bezeichnet man hingegen Geschw√ľre des Zw√∂lffingerdarms, die etwa 5mal h√§ufiger vorkommen als Magengeschw√ľre, und an denen M√§nner wiederum 4mal h√§ufiger leiden als Frauen.

Ursachen

Wie bei der Gastritis liegt die grundlegende Ursache des Magen- bzw. Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľrs in einem Missverh√§ltnis zwischen schleimhaut-sch√ľtzenden und -zerst√∂renden Faktoren. Der negative Einfluss einer Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori gilt bei Geschw√ľren des Zw√∂lffingerdarms als gesichert, bei Magengeschw√ľren als sehr wahrscheinlich. Da jedoch nur ein geringer Anteil der Personen, die diesen Keim in sich tragen, ein Geschw√ľr entwickeln, m√ľssen weitere Ursachen in Betracht gezogen werden.

Alkohol

Obwohl alkoholische Getr√§nke die S√§ure- und Pepsinsekretion im Magen f√∂rdern, wirken sie sich nicht negativ auf das Krankheitsbild aus. In bislang keiner epidemiologischen Studie konnte ein Einfluss von Alkohol auf Entstehung, Verlauf, Abheilung und R√ľckfallrate von Geschw√ľren im Magen-Darm-Trakt nachgewiesen werden.

Kaffee

Beim Kaffee ist es nicht allein das Koffein, sondern vor allem andere beim R√∂stprozess entstehende Substanzen, die die S√§ureproduktion f√∂rdern. Dies wird gest√ľtzt durch die Tatsache, dass nur bei hohem Kaffeekonsum - nicht bei anderen koffeinhaltigen Getr√§nken - eine h√∂here Magengeschw√ľrh√§ufigkeit festgestellt werden konnte.

In welchem Ausmaß Kaffee die Krankheitsentstehung fördert bzw. die Abheilung verzögert, ist noch unklar. Bei Betroffenen verstärkt Kaffee häufig die Symptomatik, weshalb viele Patienten mit Magenproblemen ihren Kaffeegenuss einschränken.

Gew√ľrze

Ein sch√§digender Effekt von Gew√ľrzen konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Entscheidend f√ľr deren Verwendung ist die individuelle Vertr√§glichkeit. Gew√ľrze, die des √∂fteren Probleme bereiten, sind Pfeffer, Paprika, Knoblauch, Meerrettich und scharfer Senf.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Eine hohe Zufuhr von mehrfach unges√§ttigten Fetts√§uren (z.B. Linols√§ure), die vor allem in bestimmten Pflanzen√∂len enthalten sind, scheint sich g√ľnstig auf das Krankheitsbild auszuwirken. Aus ihnen werden im K√∂rper bestimmte Prostaglandine (PGE1, PGE2) gebildet, die die Durchblutung der Schleimhaut und damit deren Widerstandskraft f√∂rdern. Ulkuskranke weisen im Durchschnitt niedrigere Linols√§ure-Konzentrationen im Unterhautfettgewebe auf als Gesunde.

Weitere Ursachen

  • genetische Veranlagung
  • Medikamente (Nicht-steroidale Antirheumatika)
  • psychische Faktoren (depressive Grundhaltung, Stress)
  • hoher Kochsalzkonsum
  • √ľberschie√üende S√§uresekretion (bei Ulcus duodeni)
  • St√∂rung der Magen-Darm-Peristaltik, dadurch R√ľckfluss von Gallenfl√ľssigkeit
  • verminderte Aussch√ľttung von neutralisierendem Bicarbonat
  • Nikotin (durch Steigerung der n√§chtlichen S√§uresekretion)

Symptome

Beim Magen- bzw. Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľr liegen zum Teil keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden vor. In der folgenden Aufz√§hlung finden sich Symptome, die h√§ufig beobachtet werden.

  • Oberbauchschmerzen
  • Blutungen (unsichtbar oder als schwarzer Stuhl)
  • Appetitlosigkeit
  • Nahrungsmittelunvertr√§glichkeit
  • Erbrechen (als Zeichen einer Abflussst√∂rung oder einer ausgepr√§gten Narbenbildung)
  • in den R√ľcken ausstrahlender Schmerz als Zeichen eines Geschw√ľrdurchbruchs (siehe unten)

Der Einfluss der Nahrungsaufnahme ist sehr unterschiedlich. Während beim einen Teil der Patienten die Symptomatik verstärkt wird, wirkt sich die Aufnahme von Lebensmitteln bei anderen schmerzlindernd aus.

Risiken / Komplikationen

  • Blutungen aus dem Geschw√ľr, dadurch eventuell Blutarmut
  • Durchbruch eines Geschw√ľrs durch die Magenwand (Perforation) in die freie Bauchh√∂hle
  • Durchbruch eines Geschw√ľrs in ein benachbartes Organ (Penetration), z.B. in die Bauchspeicheldr√ľse
  • Narbenbildung, dadurch eventuell Verengungen, Passagest√∂rungen und St√∂rungen der Peristaltik

Ernährungstherapie

Leichte Vollkost

Die Ernährungstherapie entspricht im wesentlichen einer leichten Vollkost. Das bedeutet, dass der Patient alles essen kann, was er individuell verträgt.

Entgegen fr√ľherer Meinung wird bei Magen- und Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľren heute keine ballaststoffarme Ern√§hrung verordnet, da gezeigt werden konnte, dass diese Schonkosten bzw. Ulkusdi√§ten wirkungslos sind.

Eine hohe Ballaststoffzufuhr (Vollkornprodukte, Kartoffeln, Gem√ľse) ist sogar erw√ľnscht! Zwar kann dadurch die Heilung eines Geschw√ľrs nicht verbessert werden, R√ľckf√§lle (Rezidive) treten jedoch unter ballaststoffreicher Kost seltener auf. Dies beruht wahrscheinlich auf der Bindung von Gallens√§uren.

Scharfe Speisen und Gew√ľrze sollten bei neu entdeckten Geschw√ľren gemieden werden, ebenso ein √ľberm√§√üiger Kaffeekonsum. Als Richtlinie gelten maximal zwei Tassen Kaffee (auch entkoffeinierter) pro Tag. Individuelle (Un-) Vertr√§glichkeiten sind zu ber√ľcksichtigen.

Obwohl ein positiver Effekt von mehrfach unges√§ttigten Fetts√§uren angenommen wird, gibt es keine besonderen Empfehlungen f√ľr die Fetts√§urezufuhr, sie entsprechen denen einer gesunden vollwertigen Ern√§hrung.

Bei der Gabe von sogenannten H2-Rezeptor-Antagonisten sollte auf eine Sp√§tmahlzeit verzichtet werden. Dies w√ľrde die S√§ureproduktion in der Nacht erh√∂hen, den pH-Wert des Magens senken und damit die Heilung des Geschw√ľrs verz√∂gern.

Weitere Maßnahmen

Durch die Gabe von H2-Rezeptor-Antagonisten in Kombination mit Antibiotika kann der Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori entgegengewirkt und das erneute Auftreten der Erkrankung verhindert werden.

  • Aufgabe des Rauchens
  • Abbau von Stress