Adipöse Kinder schmecken anders

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 29. November 2012

Geschmackswahrnehmung und √úbergewicht

Kinder und Jugendliche mit Adipositas nehmen den Geschmack von Lebensmitteln anders wahr als normalgewichtige Gleichaltrige. Vielleicht ist dies mit eine Erkl√§rung f√ľr die Hartn√§ckigkeit von √úbergewicht bereits in jungen Jahren.

Man unterscheidet f√ľnf Grundrichtungen des Geschmacks: S√ľ√ü, sauer, bitter, salzig und umami. In fr√ľheren Studien wurde beobachtet, dass Geschmackserfahrungen in jungen Jahren und die Akzeptanz verschiedener Geschmacksrichtungen einen wichtigen Einfluss auf das Ern√§hrungsverhalten von Menschen haben. Es gibt auch Hinweise, dass sich das Geschmacksempfinden von Menschen mit Adipositas von dem normalgewichtiger Menschen unterscheidet. Um diese Annahme zu √ľberpr√ľfen, konzipierten Wissenschaftler der Universit√§ten von Berlin und Dresden eine Studie zur Untersuchung des Geschmackssinns von Kindern und Jugendlichen. An der Studie nahmen 99 Kinder und Jugendliche mit Adipositas und 94 normalgewichtige Gleichaltrige im Alter von 6-18 Jahren teil. In zwei Versuchsdurchg√§ngen sollten die Probanden verschiedene Geschmacksrichtungen auf Teststreifen erkennen und nach Intensit√§t sortieren.

© mamye 1983

Adip√∂se Kinder scheinen 's√ľ√ü' weniger zu schmecken.

Generell zeigte sich, dass die Geschmacksrichtungen s√ľ√ü und salzig am h√§ufigsten richtig zugeordnet wurden, wobei manche Teilnehmer allerdings wiederholt salzig mit bitter und umami verwechselten. M√§dchen und √§ltere Teilnehmer erzielten vergleichsweise h√∂here Werte bei ihrem Geschmacksempfinden, w√§hrend die ethnische Zugeh√∂rigkeit der Probanden keine Rolle spielte. Kinder und Jugendliche mit Adipositas schnitten bei den Tests signifikant schlechter ab als die Vergleichsgruppe mit Normalgewicht. In der Geschmacksrichtung s√ľ√ü zeigte sich au√üerdem, dass die Probanden mit Adipositas den S√ľ√ügeschmack bei gleicher Konzentration weniger s√ľ√ü wahrnahmen als die Teilnehmer mit Normalgewicht.

Bislang ist wenig √ľber die Faktoren bekannt, die das Geschmacksempfinden pr√§gen. Es wird davon ausgegangen, dass ein Wechselspiel aus genetischen, hormonellen und erlernten Faktoren letztendlich bestimmt, wie gut verschiedene Geschmacksrichtungen wahrgenommen werden.

Unter dem Strich sehen sich die Autoren in ihrer Annahme best√§tigt, dass der Geschmackssinn von Kindern und Jugendlichen variiert, abh√§ngig davon, ob diese normalgewichtig oder stark √ľbergewichtig sind. Mit zunehmendem Alter verbessert sich bei Kindern und Jugendlichen normalerweise der Geschmackssinn. Die Beobachtung, dass dies bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas nicht der Fall ist, l√§sst darauf schlie√üen, dass starkes √úbergewicht und das Geschmacksempfinden interagieren.

BMI-Rechner

Die bisherigen Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Geschmackssinn viel empfindlicher ist f√ľr Ver√§nderungen als bisher angenommen. Bislang fehlen allerdings Langzeitstudien, um zu verstehen, wie die beobachteten Unterschiede zustande kommen. Weitere Forschungsergebnisse in diesem Bereich sollen zur Vorbeugung von √úbergewicht beitragen.

Quelle:
J. Overberg, T. Hummer, H. Krude, S. Wiegand (2012): Differences in taste sensitivity between obese and non-obese children and adolescents. Arch Dis Child, Onlinevorabveröffentlichung.

verfasst von am 29. November 2012 um 07:22

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