An apple a day…

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 12. Mai 2015

… hält den Arzt wohl doch nicht auf Abstand. Denn entgegen der im angloamerikanischen Sprachraum wohlbekannten Weisheit „An apple a day keeps the doctor away“ unterscheidet sich die Anzahl von Arztbesuchen zwischen Apfelfreunden und Apfelvermeidern nicht signifikant. Stattdessen wurde allerdings eine andere Assoziation entdeckt.

An apple a day…“ – als dieses Sprichwort wohl im 19. Jahrhundert entstand, war ein Arztbesuch Anlass für schlimme Befürchtungen. Wenn möglich, wurde eine Begegnung mit dem Arzt (auch aus finanziellen Gründen) vermieden. Der Reim sollte nicht zu eng interpretiert werden, der genannte Apfel steht hier eher stellvertretend für eine allgemein gesunde Ernährungsweise.

Inzwischen ist bekannt, dass der Apfel an sich aufgrund seines Gehalts an Ballaststoffen, Vitaminen und Antioxidantien ein ernährungsphysiologisch wertvolles Lebensmittel ist und so bekommt das Sprichwort von damals heute einen ganz anderen Sinn. Vielleicht haben Apfelfreunde ja tatsächlich weniger Arztbesuche? Mithilfe von Daten aus dem großen US-amerikanischen Gesundheits- und Ernährungssurvey NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) wurde der Zusammenhang zwischen der Anzahl von Arztbesuchen und dem täglichen Apfelkonsum untersucht.

Nur knapp jeder Zehnte der insgesamt 8.399 Erwachsenen, die in die Analyse eingeschlossen wurden, aß täglich (mindestens) einen Apfel. In den zwölf Monaten vor der Befragung der Probanden waren 39 Prozent der Befragten maximal einmal beim Arzt, bei den Probanden mit geringerem Apfelkonsum traf dies lediglich auf 34 Prozent zu. Was zunächst einmal wie eine Bestätigung des alten Sprichworts aussah, änderte sich jedoch, wenn weitere soziodemographische und gesundheitsrelevante Einflussfaktoren wie zum Beispiel das Bildungsniveau der Probanden, Zigarettenrauchen, Einkommen oder der Body Mass Index (BMI) berücksichtigt wurden. In der derart bereinigten Analyse bestand kein signifikanter Unterschied mehr zwischen beiden Gruppen.

Als Nächstes analysierten die Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen einem regelmäßigen Apfelkonsum und der Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Hier bestand ein sechsprozentiger Unterschied zwischen den regelmäßigen Apfelessern (48 Prozent) und der Kontrollgruppe (42 Prozent) in Bezug auf diejenigen, die im vergangenen Monat kein verschreibungspflichtiges Medikament eingenommen hatten. Dieser Unterschied blieb auch nach umfassender Adjustierung bestehen. Die Wissenschaftler prüften weiterhin einen Zusammenhang zu Krankenhausaufenthalten und dem Aufsuchen eines Psychologen, wurden hier allerdings nicht fündig.

Und die Moral von der Geschicht’? Ginge es nach den Wissenschaftlern dieser Studie, wäre es zeitgemäß, das altbekannte Sprichwort ein wenig zu modifizieren, und zwar, indem der Arzt durch den Apotheker ersetzt wird: „An apple a day keeps the pharmacist away“ wäre anhand der Ergebnisse der NHANES-Studie sogar wissenschaftlich belegbar.

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verfasst von am 12. Mai 2015 um 06:16

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