Bei Störungen im Zuckerstoffwechsel besser kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 2. Mai 2017

Der Verzehr von st√§rke- und zuckerreichen Lebensmitteln wirkt sich bei M√§nnern mit einer Zuckerstoffwechselst√∂rung abends besonders ung√ľnstig auf die Regulation des Blutzuckerspiegels aus. Wissenschaftler des Deutschen Instituts f√ľr Ern√§hrungsforschung empfehlen ihnen daher, kohlenhydratreiche Lebensmittel in der ersten Tagesh√§lfte zu verzehren.

Seit l√§ngerem ist bekannt, dass der Zuckerstoffwechsel einer Tagesrhythmik unterliegt. Aus neueren Studien an Nagern geht hervor, dass diese innere Uhr daf√ľr verantwortlich ist, wie der Stoffwechsel auf die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fetten reagiert. Demnach gibt es bestimmte Zeitfenster, die f√ľr den Verzehr von kohlenhydrat- beziehungsweise fettreichen Mahlzeiten unter physiologischen Aspekten besser geeignet sind als andere. Wie genau die Ern√§hrungsweise von Menschen und die tagesrhythmische Regulation des Zuckerstoffwechsels zusammenspielen, wurde bislang allerdings nicht hinreichend untersucht.

Daher haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts f√ľr Ern√§hrungsforschung (DIfE) eine Ern√§hrungsstudie durchgef√ľhrt, an der insgesamt 29 M√§nner im Alter von durchschnittlich 46 Jahren teilnahmen. Zu Beginn der Studie stellten die Wissenschaftler anhand von Messungen des N√ľchtern-Blutzuckerwerts und der Blutzuckerwerte im Zuckerbelastungstest (Glukosetoleranztest) fest, dass 11 der 29 Probanden (38 Prozent) eine Zuckerstoffwechselst√∂rung hatten. Der mittlere Body-Mass-Index (K√∂rpermasseindex, kurz BMI) in H√∂he von 29 kg/m2 lag im Bereich „√úbergewicht“, unterschied sich allerdings nicht zwischen Probanden mit und ohne Zuckerstoffwechselst√∂rung.

In der aktuellen Studie sollten alle Probanden jeweils f√ľr vier Wochen zwei verschiedene Di√§tregime (A und B) einhalten. W√§hrend der Gesamtenergiegehalt sowie die Relation zwischen Kohlenhydraten, Eiwei√ü und Fett zwischen beiden Di√§ten identisch war, unterschieden sich beide Kostformen in der Tageszeit, zu der die Teilnehmer vorwiegend Fett beziehungsweise Kohlenhydrate verzehren sollten. Bei Di√§t A ern√§hrten sich die Probanden von morgens bis 13:30 Uhr kohlenhydratreich und zwischen 16:30 und 22:00 Uhr fettreich. Di√§tplan B sah dagegen zun√§chst eine fettbetonte und anschlie√üend eine kohlenhydratbetonte Ern√§hrungsweise vor. Am Ende jeder Ern√§hrungsphase f√ľhrten die Wissenschaftler verschiedene Stoffwechseltests durch.

‚ÄěWie unsere Studie zeigt, ist es zumindest f√ľr M√§nner mit einer Zuckerstoffwechselst√∂rung relevant, zu welcher Tageszeit sie eine kohlenhydratreiche Mahlzeit verzehren“, erl√§utert Dr. Katharina Kessler, Erstautorin der k√ľrzlich publizierten Studie. „Verglichen wir die nach den beiden Di√§ten gemessenen Blutzuckerwerte, so lagen ihre Blutzuckerspiegel nach Di√§t B um durchschnittlich 7,9 Prozent h√∂her als nach Di√§t A, bei der die Teilnehmer abends fettbetont a√üen. Interessanterweise konnten wir diesen Effekt bei den gesunden M√§nnern nicht beobachten, obwohl wir generell sowohl bei den gesunden als auch den vorbelasteten Personen eine Abnahme der Glukosetoleranz im Tagesverlauf feststellten. Diese fiel bei Letzteren allerdings deutlich st√§rker aus‚Äú, r√§umt Ke√üler ein.

Die Wissenschaftler stellten ferner fest, dass in der Gruppe der M√§nner mit einer Zuckerstoffwechselst√∂rung die Blutkonzentrationen der Darmhormone Glucagon-like peptide-1 (GLP-1) und Peptid YY (PYY) parallel zur ausgepr√§gten nachmitt√§glichen Abnahme der Glukosetoleranz sanken, und zwar deutlich st√§rker als bei den stoffwechselgesunden Probanden. GLP-1 ist an der Regulation des Blutzuckerspiegels beteiligt, w√§hrend die Funktion von Peptid YY in der Regulation des K√∂rpergewichts liegt. ‚ÄěDie zirkadiane Rhythmik der Hormonaussch√ľttung beeinflusst also, wie wir auf Kohlenhydrate reagieren‚Äú, folgert Endokrinologe Prof. Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Klinische Ern√§hrung am DIfE.

Daher empfehlen weitere an der Studie beteiligte Wissenschaftlerinnen den Personen, die bereits unter einer Zuckerstoffwechselst√∂rung leiden, sich nach ihrer inneren Uhr zu richten und abends kohlenhydratreiche Mahlzeiten zu meiden. Ob die Ergebnisse der aktuellen Studie auch auf Frauen mit St√∂rungen im Blutzuckerstoffwechsel √ľbertragbar sind, wurde indessen nicht berichtet.

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verfasst von am 2. Mai 2017 um 10:24

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Ein Kommentar zu “Bei St√∂rungen im Zuckerstoffwechsel besser kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden”

  1. Kim sagt:

    Sehr interessante Einblicke und zudem hochinteressante Studien hierzu… ich pers√∂hnlich esse schon seit Anfang des Jahres keine Kohlenhydrate mehr zum Abendessen.

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