Buch-Rezension: „Ohne Milch und ohne Ei“

Autorin: Anna Schnurr, Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 10. März 2016

Wer die Diagnose bekommt, an einer Milcheiwei√ü- und/oder Ei-Allergie zu leiden, steht im Alltag vor einer gro√üen Herausforderung. Abh√§ngig von Symptomen und Schweregrad der Allergie bedeutet dies einen gro√üen Einschnitt in die gewohnte Ern√§hrungsweise der Betroffenen. Beim Einkauf m√ľssen Zutatenlisten studiert und ggf. die Hersteller kontaktiert werden, um genaue Informationen zu erhalten. Bei der Speisenzubereitung ist Experimentierfreude und Ideenreichtum gefragt, um die koch- und k√ľchentechnischen Eigenschaften des Eies (Binden, Emulgieren, Lockern, F√§rben usw.) zu ersetzen und auch ohne Milch und Milchprodukte ein schmackhaftes, gesundes und ausgewogenes Essen zubereiten zu k√∂nnen. Insbesondere wenn Kinder betroffen sind, besteht auf der einen Seite der Wunsch, das Kind so normal wie m√∂glich mit Gleichaltrigen aufwachsen zu lassen und auf der anderen Seite die Angst der Eltern, dass das Kind zum Beispiel bei einem Kindergeburtstag etwas Falsches isst und in eine lebensbedrohliche Situation ger√§t.

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©Klinik Hohenfreudenstadt

Empathisch und aus dem Leben berichtet Beate Schmitt in ihrem Ratgeber „Ohne Milch und ohne Ei“ √ľber ihre Erfahrungen als Mutter eines allergiekranken Kindes. Kurz und verst√§ndlich stellt sie in ihrem Buch die g√§ngigen Diagnosemethoden vor und erl√§utert die Unterschiede zwischen Allergie, Laktoseintoleranz und Pseudoallergie. Im Kapitel „Den Alltag meistern“ gibt sie neben Einkaufs- und Erziehungstipps Empfehlungen, wie betroffene Eltern Kindergarten und Schule gut aufkl√§ren k√∂nnen und wie mit besonderen Situationen, zum Beispiel Einladungen oder einem Schulausflug mit √úbernachtung, umgegangen werden kann. Auch von ihren Erfahrungen im Urlaub und beim Restaurantbesuch k√∂nnen Betroffene profitieren.

Die Frage „Wie soll ich auf Milch und Ei verzichten?“ wird im Kapitel „Kochen und Backen ohne Milch und ohne Ei“ beantwortet. Hier bekommt der Leser neben vielen Anregungen und praktischen Tipps Lust, selbst zu experimentieren und eigene bew√§hrte Rezepte abzuwandeln, dies alles mit dem Ziel, den Alltag mit einer Milcheiwei√ü- und Ei-Allergie so normal wie m√∂glich gestalten zu k√∂nnen.

Rezepte wie „Sp√§tzle ohne Ei“ machen den Leser auf Anhieb neugierig und wurden daher einem spontanen Test unterworfen. Der erste Versuch gelang leicht und war schmackhaft, allerdings waren die „Sp√§tzle“ noch etwas zu wei√ü und etwas zu fest. Im zweiten Versuch wurde zum Lockern nun Mineralwasser eingesetzt, was als Tipp im Kapitel „So klappt die Umstellung“ zu finden ist. Dem Sp√§tzle-Wasser wiederum wurde etwas Kurkuma beigef√ľgt, um die gelbe Farbe des Eidotters nachzuahmen. Die „Sp√§tzle ohne Ei“ wurden dann mit milcheiwei√üfreiem Pilzragout serviert und in der anschlie√üenden Verkostung sehr positiv bewertet. Das Rezept „Sp√§tzle ohne Ei mit Pilzragout“ finden Sie √ľbrigens im DEBInet in der Rubrik „Rezepte f√ľr Interessierte“ zum Nachkochen.

Auch die Rezepte f√ľr Kuhmilchersatz aus Mandeln, Linsen, Kokosflocken und Getreide wurden getestet, dabei konnten die selbstgemachten Alternativen aus Mandeln und Kokosflocken √ľberzeugen. Mit Vorsicht zu genie√üen erscheint uns aber die sogenannte ‚ÄěLinsenmilch‚Äú. H√ľlsenfr√ľchte enthalten nat√ľrliche Giftstoffe (u.a. H√§magglutinine). Sie sollten daher nur in gegartem Zustand verzehrt werden.

W√§hrend Fleisch und Fisch unbehandelt milch- und eifrei sind, besteht die gr√∂√üte Herausforderung f√ľr Betroffene darin, gute Rezepte und Alternativen f√ľr Brot, Kuchen und Backwaren zu finden. Wer sich an das deutsche Kinderlied „Backe backe Kuchen,…“ erinnert, der wei√ü, dass hier gute Ratschl√§ge gebraucht werden. So ist es auch nur folgerichtig, dass die Rezeptsammlung mit insgesamt 95 Rezepten alleine 26 Rezepte f√ľr die Weihnachtsb√§ckerei bereith√§lt, hinzu kommen 19 Rezepte f√ľr Kuchen und Geb√§ck und weitere 10 f√ľr Brot und Br√∂tchen.

Fazit:
Das Buch „Ohne Milch und ohne Ei“ ist insbesondere f√ľr diejenigen geeignet, die aus gesundheitlichen Gr√ľnden auf Milch und Ei verzichten m√ľssen. Es dient als praktischer Ratgeber, der neben hilfreichen Tipps und Anregungen betroffenen Familien Sicherheit gibt und zeigt, dass der Alltag mit einer Milcheiwei√ü- und Ei-Allergie gut bew√§ltigt werden kann.

Menschen mit einer Laktoseintoleranz sollten die Ratschl√§ge differenziert betrachten, schlie√ülich haben sie die M√∂glichkeit, auf laktosefreie (nicht milcheiwei√üfreie!) Milch und Milchprodukte zur√ľckzugreifen, die als wertvolle Eiwei√ü- und Calciumlieferanten nicht au√üer Acht gelassen werden sollten, und sie m√ľssen nicht zwingend auf die koch- und k√ľchentechnischen Eigenschaften eines H√ľhnereis verzichten.

Das Buch „Ohne Milch und ohne Ei“ von Beate Schmitt erschien 2015 im pala-verlag, 160 Seiten, Hardcover, und kostet 14,00 Euro. ISBN: 978-3-89566-347-5

verfasst von am 10. März 2016 um 07:26

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