Carotinoidaufnahme aus Orangensaft besser als aus frischen Orangen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 24. März 2016

H√§tten Sie es gewusst? In puncto Carotinoid-Aufnahme ist Orangensaft dem frischen Obst deutlich √ľberlegen. Dies ergab eine Studie von Wissenschaftlern der Universit√§ten Hohenheim und Ulm, die vor kurzem in der Fachzeitschrift „Molecular Nutrition and Food Research“ ver√∂ffentlicht wurde.

Orangen gelten als gute Quelle f√ľr Vitamin C, Carotinoide (Provitamin A) und Flavonoide. Diese Antioxidantien sch√ľtzen den K√∂rper vor oxidativem Stress und sollen das Risiko f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebserkrankungen reduzieren. Im Unterschied zu frischen Orangen wird Orangensaft eher als Genussmittel angesehen und gelegentlich wegen seines hohen Zuckergehalts kritisiert.

Vor einem Jahr ver√∂ffentlichten Wissenschaftler der Universit√§ten Stuttgart und Ulm die Ergebnisse einer in vitro-Studie. Diese gaben Anlass zu der Vermutung, dass Carotinoide aus Orangensaft besser aufgenommen werden k√∂nnen als aus frischen Orangen. Um diese Hypothese zu pr√ľfen, initiierten die Wissenschaftler eine Humanstudie. F√ľr die Studie unterzog sich ein ‚Äď zugegebenerma√üen ziemlich kleines ‚Äď Kollektiv aus 12 Probanden zwei verschiedenen Studienphasen, die jeweils von einer zweiw√∂chigen „Auswaschphase“ eingeleitet wurde. W√§hrend der Auswaschphase mussten alle Probanden vollst√§ndig auf carotinoidhaltige rote und gr√ľne Lebensmittel (beispielsweise Tomaten, Karotten und Spinat) verzichten, um eine Verf√§lschung des darauffolgenden Experiments zu vermeiden. Nach dem Zufallsprinzip erhielten die Probanden dann ein standardisiertes Fr√ľhst√ľck, das durch Orangen oder pasteurisierten Orangensaft erg√§nzt wurde, wobei die frischen Fr√ľchte und der Saft jeweils dieselbe Menge (744 ¬Ķg) des Carotinoids ő≤-Cryptoxantin enthielten. Zwei Wochen sp√§ter erhielten die Probanden dann anstelle der Orangen Orangensaft oder umgekehrt. Im Anschluss an jedes Fr√ľhst√ľck wurde allen Probanden wiederholt Blut abgenommen und daraus die Carotinoid-Aufnahme bestimmt.

In der Humanstudie hat sich unsere Hypothese aus der ersten Studie voll best√§tigt„, beschreibt der Doktorand und Erstautor der aktuellen Studie Julian Aschoff vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universit√§t Hohenheim. „Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungef√§hr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handels√ľblichen Orange.“ Dies galt f√ľr ő≤-Cryptoxantin, aber auch die Absorption der anderen Carotinoide Lutein, Zeaxanthin und Zeinoxanthin war nach der Orangensaftaufnahme vergleichswei√üe gr√∂√üer. Allerdings war f√ľr diese Carotiniod-Verbindungen der Ausgangsgehalt in Orangen und Orangensaft nicht angepasst worden.

Eine m√∂gliche Erkl√§rung f√ľr diesen deutlichen Unterschied besteht in der Herstellung des Orangensafts, wie der Inhaber des Lehrstuhls, Professor Reinhold Carle, erl√§utert: „Bei der Herstellung des Orangensaftes werden Ballaststoffe wie Pektin oder auch Cellulose teilweise abgetrennt.“ Diese Stoffe hemmen normalerweise die Carotinoid-Absorption w√§hrend der Verdauung. „In der Orange sind mehr unverdauliche Ballaststoffe enthalten als im Saft, weshalb die Aufnahme der Carotinoide aus der Frucht stark vermindert ist„, so Carle weiter. Relevant sei au√üerdem die unterschiedliche Konsistenz von Orangensaft und frischen Orangen. „Beim Zerkauen einer Orange wird die Frucht nie komplett zerkleinert„, f√ľhrt Aschoff aus. „Viele Zellen bleiben so intakt und schlie√üen die Carotinoide ein. Das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.

Nach Ansicht der Wissenschaftler kann Orangensaft daher „in Ma√üen konsumiert, also ein Glas mit 200 ml pro Tag, … zu einer gesunden Ern√§hrung beitragen und uns mit den N√§hrstoffen versorgen, die unser K√∂rper ben√∂tigt.

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verfasst von am 24. März 2016 um 08:01

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