Darmkeime k√∂nnen Lust auf S√ľ√ües hemmen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 10. Mai 2016

Wissenschaftler des Medical College of Georgia an der Augusta-Universit√§t haben nachgewiesen, dass bestimmte Bestandteile von E. coli-Bakterien die Lust auf S√ľ√ües bremsen. Auch wenn noch viele Fragen zu kl√§ren sind, k√∂nnten ihre Erkenntnisse langfristig bei der Bek√§mpfung von √úbergewicht helfen.

Der Darm eines Erwachsenen ist von einer unvorstellbar hohen Anzahl von Mikroben (10 bis 100 Billionen) besiedelt. In ihrer Gesamtheit bilden sie ein eigenes √Ėkosystem, die Darmflora. Die Bedeutung der Darmflora f√ľr unsere Gesundheit wird h√§ufig untersch√§tzt. Mittlerweile ist beispielsweise bekannt, dass sie vor Autoimmunerkrankungen und Asthma sch√ľtzen kann, an der Immunabwehr beteiligt ist und auch die Entstehung von √úbergewicht beg√ľnstigt. Es besteht der Verdacht, dass Darmmikroben Essensvorlieben beeinflussen k√∂nnen, ein konkreter Beleg fehlte allerdings bislang.

Wissenschaftler um Dr. Lynnette McCluskey vom Institut f√ľr Neurowissenschaft und Regenerative Medizin am Medical College of Georgia haben nun in einer experimentellen Studie an M√§usen den Einfluss von Lipopolysacchariden (LPS) auf das Geschmacksempfinden und insbesondere den S√ľ√ühunger untersucht. Diese LPS wurden aus den Zellw√§nden von E. coli-Bakterien gewonnen. Auch wenn einige E. coli-Bakterienst√§mme krank machen k√∂nnen, ist das Bakterium ein normaler Bestandteil der menschlichen Darmflora und an der Verdauung beteiligt. Die f√ľr die Studie verwendeten LPS sind ebenfalls unsch√§dlich und wurden bereits in Impfstoffen eingesetzt. Die Untersuchung ihres Einflusses auf den Geschmackssinn ist allerdings innovativ.

Bereits 15 Stunden nach der LPS-Gabe konnten die Wissenschaftler eine erh√∂hte Leptin-Konzentrationen im Blut der M√§use nachweisen. Leptin wird haupts√§chlich von den Zellen des Fettgewebes gebildet und ist als sogenannten S√§ttigungshormon bei der Regulation des Appetits von Bedeutung. Innerhalb der darauffolgenden Woche nahm die Anzahl der Geschmacksrezeptoren f√ľr S√ľ√ües auf der Zunge der Tiere ab, w√§hrend die Rezeptordichte f√ľr andere Geschmacksrichtungen konstant blieb. Dementsprechend zeigten die Tiere auch weniger Lust auf S√ľ√ües. „Die LPS scheinen eine Aussch√ľttung des S√§ttigungshormons effektiv zu f√∂rdern und damit vor allem den Appetit auf S√ľ√ües zu z√ľgeln„, fasst Dr. McCluskey ihre Studienergebnisse zusammen. „Die Ergebnisse belegen, dass schon eine minimale Ver√§nderung in der bakteriellen Umgebung im Darm entscheidende Konsequenzen f√ľr den Geschmack hat.

Bevor die Erkenntnisse der Wissenschaftler beispielsweise in der Adipositastherapie Anwendung finden k√∂nnen, sind noch viele Fragen zu kl√§ren, allen voran die Frage nach dem zugrunde liegenden Mechanismus, also wie LPS die Leptinkonzentration beeinflussen. Unklar ist ferner, weshalb der Appetit auf S√ľ√ües erst nach einer Woche erlischt und bereits eine Woche sp√§ter wieder zunimmt. In absehbarerer Zeit m√∂chten die Wissenschaftler au√üerdem untersuchen, wie sich eine geringer dosierte t√§gliche LPS-Gabe auf den Organismus auswirkt, was mehr der therapeutischen Praxis entspricht.

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verfasst von am 10. Mai 2016 um 11:53

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