Das „ISO-Syndrom“

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 4. August 2011

In Deutschland sind ca. zwei Millionen Kinder √ľbergewichtig oder adip√∂s. Sch√§tzungsweise 300.000 Kinder schw√§nzen regelm√§√üig die Schule, darunter wahrscheinlich vermehrt √ľbergewichtige und fettleibige, von denen au√üerdem viele Medien-s√ľchtig zu sein scheinen (1).

gameboy
© preetamrai

Medienabh√§ngigkeit, Schulschw√§nzen und Fettsucht werden in der aktuellen Literatur kurz als ISO (Internetabh√§ngigkeit, Schulvermeidungsverhalten und Obesitas) zusammengefasst. Was ist zuerst da? Sind Kinder zuerst fettleibig, werden deshalb geh√§nselt, bleiben daraufhin der Schule fern und fl√ľchten sich fortan zu Hause in visuelle Medien? Oder sind da zuerst das √ľberm√§√üige, manchmal s√ľchtige Spielen (Gameboy, Spielkonsole, Computerspiele und Internet) und der stumpf machende Fernseh-Dauerlauf, die einen zeitraubenden Schulbesuch √ľberfl√ľssig machen, s√§mtliche Freizeit schlucken und √ľber sitzende Dauerwachheit in Fettsucht und emotionalen und gesundheitlichen St√∂rungen enden? Die verh√§ngnisvollen Drei: Internetabh√§ngigkeit, Schulvermeidungsverhalten und Obesitas (Fettsucht) k√∂nnen ihren Beginn wahrscheinlich an jedem dieser drei Punkte nehmen.

Wie sieht der Alltag von Kindern mit „ISO-Syndrom“ aus? Das Essen – unregelm√§√üig, schnell und egal zu welcher Uhrzeit. Das Schlafen ‚Äď wann es gerade passt, aber nur nicht zu lange. Untergetaucht in der Welt der Computerspiele, oft zus√§tzlich einer permanenten Berieselung durch den Fernseher ausgesetzt, haben viele den Anschluss an den Schulstoff ebenso verloren wie jegliches Interesse jenseits des st√§ndigen Spielens und des Einverleibens von energiereichem Essen.

Die Folgen sind absehbar: Mit mangelhaftem oder fehlendem Abschluss verschlechtern sich die beruflichen Chancen ebenso wie der Eintritt in die Arbeitswelt. Soziale Ausgrenzung, Isolation und Depression drohen. Und eine bestehende Fettsucht beg√ľnstigt einen Diabetes, f√ľhrt zu Krankheiten wie Fettleber und Bluthochdruck.

In jungen Jahren bestehen gute Chancen dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Programme, die in diesem Bereich angeboten werden, sind z. B. Obeldicks und Babaluga. Allerdings fruchten diese nur, wenn die Kinder f√ľr eine Intervention offen und die entsprechenden Angebote f√ľr die Eltern finanzierbar sind. Letzteres ist leider nicht immer der Fall, da eine finanzielle Unterst√ľtzung der Kassen erst bei extremer Adipositas greift.

(1) Nach Eder schw√§nzte ca. ein Drittel von 46 dazu am Adipositas-Rehazentrum INSULA untersuchten adip√∂sen Patienten die Schule, knapp die H√§lfte war mediens√ľchtig.

Quellen einblenden

  • Siegfried W, Eder A: Fatale Trias bei Jugendlichen: ISO-Syndrom. Report der Deutschen Diabetes Stiftung; 2011;13(1):1-3
  • Interview mit Prof. Dr. Reinehr zum Thema ISO-Syndrom. Report der Deutschen Diabetes Stiftung; 2011;13(1): 2

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verfasst von am 4. August 2011 um 06:22

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