Dem Körperfett auf der Spur

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 15. März 2012

Es ist hilfreich, seinen Körperfettanteil zu kennen, wenn man sein Gewicht reduzieren möchte oder auch um sein Erkrankungsrisiko abzuschätzen. Anstelle den Körperfettgehalt aufwendig zu messen (Goldstandard ist eine Magnetresonanztomographiemessung), lässt sich dieser Wert auch näherungsweise aus Körpergewicht oder bestimmten Körpermaßen abschätzen. Wie genau sind diese Hilfsgrößen? Und welche ist die beste?

Maßband
© HeavyWeightGeek

Neue Besen kehren gut. Und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass die neue Gleichung zur Bestimmung des K√∂rperfettanteils, die amerikanische Wissenschaftler letztes Jahr der √Ėffentlichkeit vorstellten, rasch breite Anwendung im Gesundheitswesen fand. Durch das Einsetzen von H√ľftumfang und K√∂rpergr√∂√üe in eine Gleichung kann der prozentuale K√∂rperfettanteil einfach, preiswert und genau abgesch√§tzt werden, so das Versprechen der Wissenschaftler. Diesen sog. Body-Adiposity-Index (BAI) kann jeder selbst ausrechnen:

BAI bzw. prozentualer K√∂rperfettanteil = H√ľftumfang in cm/(K√∂rpergr√∂√üe in m)1,5‚Äď18

Doch wie aussagekr√§ftig ist der BAI im Vergleich zu den bisher verwendeten N√§herungsma√üen BMI, Taillen- oder H√ľftumfang? Mit dieser Frage besch√§ftigten sich Forscher um Matthias Schulze vom Deutschen Institut f√ľr Ern√§hrungsforschung Potsdam-Rehbr√ľcke und Norbert Stefan von der Medizinischen Klinik IV der Universit√§t T√ľbingen. In einem ersten Schritt verglichen sie die K√∂rperma√üe von 138 m√§nnlichen und 222 weiblichen Probanden des „T√ľbinger Lebensstil-Interventions-Programms“ (TULIP) mit Ergebnissen von Magnetresonanztomographiemessungen. Mit dieser Methode l√§sst sich der K√∂rperfettanteil sehr genau bestimmen. Es zeigte sich, dass der neu entwickelte BAI weniger pr√§zise war als der weithin bekannte Body-Mass-Index (BMI). Insbesondere bei M√§nnern war eine Sch√§tzung des K√∂rperfettanteils unter Verwendung des BAI ungenau. Die h√∂chste Aussagekraft hatte bei diesen der gemessene Taillenumfang, bei Frauen der H√ľftumfang.

Der individuelle K√∂rperfettanteil wird h√§ufig zur Ermittlung bestimmter Erkrankungsrisiken beispielsweise f√ľr Diabetes mellitus Typ 2 verwendet. Deshalb gingen die Forscher in ihrer n√§chsten Auswertung der Frage nach, inwieweit das Diabetesrisiko mit Hilfe der verschiedenen K√∂rperma√üe abgesch√§tzt werden kann. Hierf√ľr wurden bereits vorhandene Daten von 9.729 M√§nnern und 15.438 Frauen aus dem Potsdamer Zweig der EPIC-Studie („European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“) und 5.573 m√§nnlichen und 5.628 weiblichen Teilnehmern aus der KORA-Studie („Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“) erneut ausgewertet. Auch in dieser Auswertung war der BAI in seiner Aussagekraft dem BMI unterlegen. Spitzenreiter bei der Diabetes-Risiko-Einsch√§tzung war der gemessene Taillenumfang.

Zur n√§herungsweisen Bestimmung des K√∂rperfettanteils sollte daher besser der Taillenumfang bei M√§nnern oder der H√ľftumfang bei Frauen verwendet werden. Der gemessene Taillenumfang kann au√üerdem zur Bestimmung des Diabetesrisikos eingesetzt werden.

Quelle:
M. B. Schulze, B. Thorand, A. Fritsche, H. U. H√§ring, F. Schick, A. Zierer, W. Rathmann, K. Kr√ľger, A. Peters, H. Boeing, N. Stefan (2012): Body adiposity index, body fat content and incidence of type 2 diabetes. Diabetologia 2012, Online-Vorabver√∂ffentlichung.

verfasst von am 15. März 2012 um 07:30

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