Deutschland, wie es isst: Bundesministerium veröffentlicht Ernährungsreport 2018

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 30. Januar 2018

Seit nunmehr drei Jahren befragt die forsa Politik- und Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine repräsentative Stichprobe von Bundesbürgern zu ernährungsrelevanten Themen. Die neuesten Ergebnisse wurden nun im Ernährungsreport 2018 veröffentlicht.

Für den Ernährungsreport 2018 wurden Ende 2017 1.017 Bundesbürger im Alter von mindestens 14 Jahren telefonisch interviewt. Die Themen der Befragung (Essensvorlieben, Verzehrshäufigkeit bestimmter Lebensmittel, Einkaufsmöglichkeiten, Einstellungen zum Kochen, zu Lebensmittelgütesiegeln und Verpackungsangaben, Maßnahmen für eine gesündere Ernährung sowie zur Lebensmittelproduktion) waren vergleichbar mit den Vorjahren 2015 und 2016 und sollen längerfristig Vergleiche über die Zeit ermöglichen. Ohne größere äußere Einflüsse hat dies allerdings zur Folge, dass die Veränderung von Jahr zu Jahr und damit der kurzfristige Erkenntniszuwachs im Ernährungsbereich eher gering ausfällt.

Der Trend zum Verzehr von Mahlzeiten außer Haus hält weiter an. Im Jahr 2017 gaben mehr als zwei von fünf Befragten an, regelmäßig außer Haus zu essen. Beinahe jeder vierte Deutsche kaufte mindestens ein belegtes Brötchen oder einen anderen Snack pro Woche, jeder fünfte Deutsche ging mindestens einmal wöchentlich außer Haus essen und drei von vier Befragten suchten mindestens einmal pro Monat ein Restaurant auf. Dementsprechend sieht Bundesernährungsminister Christian Schmidt Handlungsbedarf bei der Implementierung von Ernährungsstandards: „Wir müssen dafür sorgen, dass noch mehr Einrichtungen die Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einführen“, kommentiert Schmidt anlässlich der Vorstellung des dritten Ernährungsreports.

Weitgehend unverändert ist auch die Zustimmung der Bevölkerung zur Ernährungsbildung in der Schule geblieben. Von zehn Befragten stellten neun (91 Prozent) Ernährungsunterricht an der Schule auf eine Stufe mit Schulfächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch. Wie im Vorjahr fordert Schmidt, Ernährungsbildung fest in den Stundenplänen zu verankern – am besten als eigenes Schulfach. Kritische Stimmen warnen an dieser Stelle allerdings vor zu großer Euphorie, da beispielsweise der frühere Vorstoß von Landwirtschaftsministerin Renate Künast am Veto der Kultusministerkonferenz scheiterte.

Beim Einkauf von Lebensmitteln interessierten sich Verbraucher für die Herkunft, Herstellung und Zusammensetzung von Lebensmitteln. Verglichen mit den Vorjahren achteten immer mehr Menschen insbesondere auf die Deklaration von Stoffen, die möglicherweise Allergien auslösen können. Verbraucher informierten sich allerdings nicht nur direkt beim Einkauf, sondern auch online über Lebensmittel (42 Prozent), besuchten Internetforen mit Produktbewertungen (21 Prozent) oder nutzten soziale Medien als Informationsquelle über Lebensmittel (14 Prozent), letzteres vor allem in der jüngeren Generation. Um den Zugang zu transparenten Informationsangeboten zu erleichtern, wurde im letzten Jahr das Bundeszentrum für Ernährung als „zentrale Einrichtung für eine alltagstaugliche, wissenschaftsbasierte Ernährungskommunikation“ geschaffen.

Mehr als jeder vierte Befragte (78 Prozent) legte Wert auf eine regionale Herkunft von Lebensmitteln. Zugleich nannten aber 64 Prozent den Supermarkt und 35 Prozent den Discounter als bevorzugte Einkaufsstätte, während Einkaufsmöglichkeiten wie Wochenmärkte, Hofläden, Bioläden und Fachgeschäfte mit einem umfangreicheren regionalen Sortiment nur selten bevorzugt aufgesucht wurden. Verbraucher interessierten sich ferner für eine faire und umweltfreundliche Produktionsweise und Gentechnikfreiheit von Lebensmitteln.

Bei den Erwartungen an die Landwirtschaft rangiert das Wohl der Tiere an erster Stelle, noch vor der Qualität der produzierten Produkte, der Entlohnung der Mitarbeiter und einer umweltschonenden Produktionsweise. „Insgesamt hat sich der Trend zu mehr Tierwohl verfestigt“, hebt Schmidt hervor. „Das haben wir in vielen Debatten erlebt.“ Neun von zehn Befragten waren nach eigenen Angaben dazu bereit, für Lebensmittel von Tieren mit besseren Haltungsbedingungen mehr zu bezahlen. Allerdings gab auch mehr als die Hälfte der Befragten an, beim Lebensmitteleinkauf auf preiswerte Lebensmittel zu achten.

Die bundesweite Kampagne „Zu gut für die Tonne“  scheint Wirkung zu zeigen. Mit 86 Prozent sah sich ein Großteil der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher selbst in der Verantwortung, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Erfreulich war hier besonders, dass bereits zwei Drittel bewusster einkauften und mehr als die Hälfte Lebensmittelreste besser nutzten, um Abfall zu vermeiden. „Mein Ziel ist es, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Mit unserer erfolgreichen Initiative sind wir auf einem guten Weg“, freut sich Schmidt.

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verfasst von am 30. Januar 2018 um 07:22

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