Durch Sport das Herz stärken – aber richtig!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 22. September 2015

Mäßige, aber regelmäßige körperliche Aktivität kann Herzversagen (Herzinsuffizienz) verzögern. Dies berichten aktuell Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Instituts. Wer von der positiven Wirkung des Sports profitieren möchte, sollte allerdings nicht übertreiben. Denn zu viel Sport schadet dem Herzen ebenfalls.

älteres Paar beim Radfahren ü.a SCA Svenska Cellulosa Aktiebolaget

An der fortlaufenden Studie des Karolinska-Instituts nahmen insgesamt 33.012 Männer teil. Zu Beginn der Studie im Jahr 1998 waren die Teilnehmer im Mittel 60 Jahre alt. Im Fokus der Befragung stand die körperliche Aktivität der Teilnehmer aktuell sowie im Alter von 30 Jahren. Sie beantworteten Fragen, wie viel Zeit sie täglich mit Gehen/Radfahren, Sporttreiben, Berufstätigkeit, körperlicher Arbeit/Hausarbeit, sitzenden Tätigkeiten (zum Beispiel Fernsehen) und Schlafen verbrachten. Aus diesen Angaben berechneten die Wissenschaftler metabolische Äquivalente (MET), um das Gesamtmaß der körperlichen Aktivität der Teilnehmer abschätzen zu können. Der mittlere MET-Wert aller Probanden lag bei 41-MET-Stunden täglich. 1 MET entspricht einem Kalorienverbrauch von 1 Kalorie pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.

In den folgenden 14 Jahren wurde für jeden Probanden gegebenenfalls jeweils der erste Fall einer Herzinsuffizienz anhand von Daten des schwedischen Patientenregisters und des Todesursachenregisters dokumentiert. Hierdurch war es möglich, die Daten zur körperlichen Aktivität der Teilnehmer mit dem Risiko für die Entstehung einer Herzinsuffizienz in Beziehung zu setzen. Bei 3.609 Männern (knapp 11 Prozent) wurde zwischen 1998 und 2012 erstmals eine Herzinsuffizienz diagnostiziert. Der Zusammenhang zwischen der körperlichen Aktivität der Probanden und der Erkrankungsrate verlief u-förmig: Verglichen mit Männern mit mittlerer körperlicher Aktivität hatten die körperlich inaktiven Männer (MET von 38 Stunden/Tag) ein um gut zwei Drittel erhöhtes Erkrankungsrisiko. Aber auch in den besonders aktiven Probandengruppen stieg das Erkrankungsrisiko an. Die höchste Risikoerhöhung mit knapp einem Drittel wurde hier für extrem körperlich aktive Männer (MET von 57 Stunden/Tag) ermittelt.

Neben dem Ausmaß scheint auch die Art der körperlichen Aktivität für die Reduktion des Herzinsuffizienz-Risikos von Bedeutung zu sein. Hier zeigte sich, dass insbesondere tägliches, 20-minütiges Radfahren oder Gehen das Erkrankungsrisiko um ein Fünftel senken konnte. Männer, die mindestens eine Stunde pro Woche Sport trieben, hatten eine um 14 Prozent verminderte Erkrankungsrate. Interessanterweise wirkte sich weder das Ausmaß der beruflich bedingten körperlichen Aktivität noch das der Hausarbeit auf das Auftreten einer Herzinsuffizienz aus.

Wurde zusätzlich das Bewegungsverhalten der Teilnehmer im Alter von 30 Jahren berücksichtigt, zeigte sich, dass Teilnehmer, die zwar früher körperlich aktiv waren, mit zunehmendem Alter aber eher zu den Bewegungsmuffeln zählten, nicht von der schützenden Wirkung des Sports aus früheren Jahren profitierten.

Dass mäßige körperliche Aktivität die Entstehung einer Herzinsuffizienz verzögern kann, ist bereits aus früheren Studien bekannt und wird auf günstige Wirkungen in Bezug auf Blutdruck, Lipidwerte, den BMI (Körpermasseindex) sowie die Hemmung entzündlicher Prozesse zurückgeführt. Demgegenüber widerspricht der negative Effekte eines sehr hohen Aktivitätsniveaus den meisten bisherigen Studienergebnissen. Über die zugrunde liegenden Mechanismen wird bislang noch spekuliert. Denkbar ist beispielsweise, dass der starke Anstieg der Pumpleistung des Herzens bei hoher körperlicher Aktivität die Herzmuskulatur schädigt. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Lebensstilfaktoren der extrem Aktiven ein erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko mit sich bringen.

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verfasst von am 22. September 2015 um 06:57

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