Essst√∂rungen ‚Äď √ľber 50-J√§hrige als Betroffene verkannt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 5. Juli 2012

Stereotype könnten Erkennen verhindern

Essst√∂rungen beschr√§nken sich keineswegs auf junge Frauen. Darauf deutet eine amerikanische Gender- und K√∂rperbild-Studie hin, die von einem Team um Cynthia Bulik, Leiterin des Essst√∂rungs-Programms der Universit√§t von North Carolina, unternommen wurde. An der Studie nahmen √ľber 1800 US-amerikanische Frauen teil, von denen die meisten Anfang 50 waren.

Unter den Frauen befanden sich 27 Prozent, die als adip√∂s eingestuft wurden, 29 Prozent, die √ľbergewichtig waren und 42 Prozent, deren Gewicht im Normalbereich lag. Die verbleibenden zwei Prozent wurden als untergewichtig kategorisiert.

Auswärts essen
© Skånska Matupplevelser

Ungef√§hr acht Prozent der Frauen gaben an, in den letzten f√ľnf Jahren absichtlich ein Erbrechen herbeigef√ľhrt zu haben. Dreieinhalb Prozent berichteten von Binge Eating im vergangenen Monat. √úber ein Drittel der Frauen gaben an, zumindest die H√§lfte der letzten f√ľnf Jahre mit Di√§ten zugebracht zu haben und 41 Prozent berichteten, ihr K√∂rpergewicht bzw. ihre -gestalt t√§glich gepr√ľft zu haben. Mindestens zweimal pro Woche unterzogen sich 40 Prozent der Teilnehmerinnen einer Gewichtskontrolle. Und √ľber 60 Prozent teilten mit, durch ihr Gewicht oder ihre Gestalt nachteilige Auswirkungen auf ihr Leben zu erfahren, in ihrer Selbstwahrnehmung beeinflusst zu werden oder sich t√§glich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

„Unsere ’70 ist das neue 50′-Gesellschaft k√∂nnte Frauen bez√ľglich ihres Aussehens unter zus√§tzlichen Druck setzen, wodurch sich ein gest√∂rtes Essverhalten noch bis ins h√∂here Lebensalter fortsetzt“, vermutet Bulik. Gesellschaftlich „zurechtgelegte“ Ideale f√ľhrten auch in diesem Alter zu Unzufriedenheit. Gesundheitliche Einbu√üen w√ľrden bei dem Bestreben, abzunehmen, in Kauf genommen. So griffen einige der Frauen, die bei der Studie mitmachten, zu Di√§t-Pillen (siebeneinhalb Prozent), Diuretika (zweieinhalb Prozent), Abf√ľhrmitteln (zwei Prozent) oder brachten sich zum Erbrechen (ein Prozent), um Gewicht zu verlieren.

BMI-Rechner

Dabei h√§tten Essst√∂rungen gerade mit zunehmenden Alter fatale Folgen, meint Bulik, da die Belastbarkeit des K√∂rpers mit den Jahren sinke. Essst√∂rungen √§lterer Frauen k√∂nnten deshalb zu noch schwerwiegenderen medizinischen Komplikationen f√ľhren, als es bei j√ľngeren Frauen der Fall sei. „Es handelt sich dabei nicht um vor√ľbergehende Phasen, es sind ernste und m√∂glicherweise lebensbedrohliche St√∂rungen, die nach einer Behandlung verlangen“, sagt Bulik. Wie Frauen dieser Altersklasse angemessen geholfen werden k√∂nne, m√ľsse erst noch erarbeitet werden, so Bulik.

Anzeichen f√ľr eine Essst√∂rung k√∂nnen unter anderem sein:

  • eine √ľberst√ľrzte Gewichtsabnahme oder ein niedriges Gewicht,
  • R√ľckzug von der Familie, dem Partner und den Freunden,
  • Hinweise auf Binge Eating oder Abf√ľhren,
  • ein √§u√üerst niedriges Selbstbewusstsein und eine sehr geringe K√∂rperwertsch√§tzung,
  • der Verzicht aufs Essen bei gemeinsamen Mahlzeiten oder auch
  • das Vermeiden von Ereignissen, die mit der Einnahme von Essen verbunden sind.

Mehr zum Thema Essstörungen erfahren Sie hier.

Quelle
MedlinePlus: Eating Disorders Hitting Women Over 50, Study Finds

verfasst von am 5. Juli 2012 um 06:56

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