Figurkiller Ehe?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 30. Juli 2015

Die Ehe bringt zwar einige Pluspunkte hinsichtlich der Gesundheit der Ehepartner und ihrer Lebenserwartung mit sich, ein geringerer Body-Mass-Index (BMI) gehört allerdings nicht dazu. So lautete das Fazit nach der Auswertung einer groß angelegten, repräsentativen europäischen Studie.

In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung sammelten Wissenschaftler der Universität von Basel und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin Daten aus neun europäischen Ländern, darunter Deutschland und Österreich. Insgesamt 10.226 Männer und Frauen wurden in persönlichen Interviews zu ihrer Einstellung zur Ernährung sowie ihrem tatsächlichen Ernährungs- und Bewegungsverhalten befragt. Von den befragten Personen ließen sich 4.555 Probanden eindeutig einer der folgenden Kategorien zuordnen:

  • „niemals verheiratet und alleine lebend“ oder
  • „verheiratet mit Partner (und Kindern) zusammenlebend“

Das erste Ziel der Wissenschaftler bestand darin, Ursachen für Gewichtsunterschiede bei Männern und Frauen zu identifizieren. Alle Ergebnisse wurden für Unterschiede im sozioökonomischen Status, Alter und der Länderzugehörigkeit korrigiert. Es zeigte sich, dass verheiratete Männer und Frauen im Vergleich zu alleinstehenden Personen einen höheren BMI hatten. Interessanterweise bestand dieser Zusammenhang in allen neun Ländern ohne nennenswerte Unterschiede. Alleinstehende Männer hatten einen BMI-Durchschnittswert von 25,7, bei verheirateten Männern betrug der Wert 26,3. Der BMI unverheirateter Frauen war mit 25,1 ebenfalls niedriger als jener verheirateter Frauen (25,6). Damit lagen die durchschnittlichen BMI-Werte in allen Gruppen im übergewichtigen Bereich (BMI 25-30). Zwar erscheint der BMI-Unterschied zwischen verheirateten und alleinlebenden Menschen mit 0,6 BMI-Einheiten für Männer und 0,5 BMI-Einheiten für Frauen zunächst vernachlässigbar gering zu sein, bei Umrechnung auf das Körpergewicht verbirgt sich dahinter aber immerhin eine Gewichtsdifferenz von durchschnittlich zwei Kilogramm.

Um Ursachen für diesen BMI-Unterschied aufzudecken, suchten die Wissenschaftler im nächsten Analyseschritt nach Unterschieden im Ernährungs- und Bewegungsverhalten zwischen verheirateten und alleinstehenden Probanden. Sie wurden fündig: Verheiratete Männer und Frauen berichteten, bei ihrer Lebensmittelauswahl regionale und unbehandelte Produkte zu bevorzugen und auf Fertigprodukte zu verzichten. Verheiratete Männer achteten zudem auf biologische und fair gehandelte Lebensmittel. „Das lässt darauf schließen, dass die Ernährung durch eine Partnerschaft vor allem für Männer bewusster und damit wahrscheinlich auch gesünder wird“, folgert die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Prof. Dr. Jutta Mata von der Universität Basel. Eine gesündere Ernährungsweise geht jedoch nicht generell mit einem gesünderen Lebensstil einher. Beispielsweise trieben die verheirateten Männer in dieser Studie weniger Sport als alleinstehende Männer. Hinzu kommt der ungünstigere, höhere BMI der verheirateten Männer und Frauen. „Schaut man auf den Body-Mass-Index, sind Paare somit nicht in jeder Hinsicht gesünder, wie bisher angenommen“, betont Mata.

In ihrem kürzlich publizierten Artikel empfehlen Mata und ihre Kollegen daher, bei der Therapie von Adipositas (Fettleibigkeit) unterschiedliche Verhaltensweisen in Bezug auf das Gewicht bei verheirateten beziehungsweise alleinlebenden Menschen zu berücksichtigen.

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verfasst von am 30. Juli 2015 um 06:53

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