Frankreich will Palmöl verstärkt besteuern

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 22. November 2012

Profitieren soll der Sozialversicherungshaushalt

D√§nemark ist dabei sie aufzugeben, Frankreich will sie einf√ľhren: eine Fettsteuer. Davon betroffen sein sollen Lebensmittel, die Palmfett, Palmkern√∂l und Kokosfett enthalten, prominenter Vertreter: der Schokoladenaufstrich Nutella.

Nutella
© garycycles6

Nutella soll in Frankreich teurer werden.

Nachteilige Folgen f√ľr Gesundheit und Umwelt sprechen laut Bef√ľrwortern dieser Ma√ünahme daf√ľr, den industriellen Einsatz zur√ľckzuschrauben. Durch erh√∂hte Steuern hofft der franz√∂sische Sozialausschuss, die Industrie zu entsprechenden Ma√ünahmen zu bewegen. Als Signal f√ľr die Nahrungsmittelindustrie versteht der Autor des √Ąnderungsantrags, Yves Daudigny, sozialistischer Senator des D√©partement Aisne und Berichterstatter des Sozialausschusses, die Besteuerung. Die Verbraucher wolle man nicht treffen. Die Lebensmittelhersteller sollten ihre Rezepturen so √ľberarbeiten, dass sie die menschliche Gesundheit st√§rker ber√ľcksichtigen, betont er.

Palmfett kann vergleichsweise billig gewonnen werden und hat gute technologische Eigenschaften. Es ist bei Raumtemperatur fest, was sich g√ľnstig auf Haltbarkeit und Struktur auswirkt. Ungef√§hr ein Drittel der in Frankreich konsumierten Lebensmittel enth√§lt das Fett. Darunter fallen Geb√§ck, Kartoffelchips und Schokoriegel. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt bei etwa zwei Kilogramm Palmfett pro Jahr. Palmfett und ebenso Palmkern√∂l sowie Kokosfett gelten zwar im Vergleich zu Oliven√∂l als unges√ľnder, wurden bisher aber nur halb so stark besteuert wie dieses.

Der Ausschuss f√ľr Sozialangelegenheiten des Senats nahm am 7. November 2012 den √Ąnderungsantrag, auch als „Nutella-Zusatz“ bezeichnet, an. Die Steuererh√∂hung auf Palmfett, Palmkern√∂l und Kokosfett betr√§gt 300 Prozent des derzeitigen Satzes. Damit steigt der Preis von etwa 100 Euro auf 400 Euro pro Tonne an. Die Mehreinnahmen von gesch√§tzt 40 Millionen Euro sollen dem Sozialversicherungshaushalt zuflie√üen.

Nutellabrot
© Symic

Der Schokoladenaufstrich Nutella enthält reichlich Palmöl.

Fr√©d√©ric Thil, Generaldirektor von Ferrero Frankreich, spricht in diesem Zusammenhang von „katastrophalen Auswirkungen“ und „ungerechten Argumenten“. Auf ein Kilogramm der Schokoladencreme Nutella kommen durch den Zusatz sechs Cent mehr. Ges√§ttigte Fetts√§uren, wie sie im Palmfett enthalten sind, seien schlie√ülich auch in Butter und K√§se zu finden, sagt Thil. Das spr√§che vielleicht f√ľr einen ma√üvollen Genuss dieser Lebensmittel, nachweislich ungesund seien diese dadurch aber nicht. Au√üerdem bedeute der Einsatz von Palmfett, dass auf geh√§rtete √Ėle verzichtet werden k√∂nne. Diese enthielten ihrerseits die als besonders ungesund eingestuften Transfetts√§uren. Haupts√§chlich aus diesem Grund greife man bei der Nutella-Produktion auf Palmfett zur√ľck.

Jean-Michel Chardigny, Wissenschaftler an dem Nationalen Institut f√ľr Agronomieforschung „INRA“, spricht Palmfett dennoch einen h√∂heren Gesundheitswert ab. „Ich wei√ü, dass ich mir damit nicht nur Freunde mache, aber ich antworte mit nein“, sagt er auf die Frage, ob Palmfett eine gute Alternative f√ľr geh√§rtete Fette sei. Nahezu 60 Prozent des Fettes best√ľnden aus der ges√§ttigten Fetts√§ure Palmitins√§ure, die neben Laurin- und Myristins√§ure der menschlichen Gesundheit abtr√§glich sein k√∂nne. Diese Fetts√§uren w√ľrden eine Fetteinlagerung in die W√§nde der Blutgef√§√üe f√∂rdern und dadurch eine Verkalkung der Gef√§√üe beg√ľnstigen.

Neben den nachteiligen Auswirkungen eines hohen Konsums auf die Gesundheit entstehen durch die hohe Nachfrage auch √∂kologische Sch√§den. F√ľr den zunehmenden Anbau von √Ėlpalmen, aus deren Fr√ľchten das Palmfett gewonnen wird, werden W√§lder gerodet, um Anbaufl√§chen zu gewinnen. Projekte zu einem nachhaltigen Anbau wie der WWF-initiierte „Runde Tisch f√ľr nachhaltiges Palm√∂l“ (RSPO) sind zwar eingerichtet worden, werden jedoch nicht allumfassend wahrgenommen.

Der franz√∂sische Ferrero-Chef Thil erkl√§rt gegen√ľber der Zeitung „le Parisien“, dass Ferrero bis 2015 ausschlie√ülich Palm√∂l aus nachhaltigem Anbau einsetzen wolle. Sein Rezept werde Fererro jedoch auch unter den neuen steuerlichen Bedingungen in Frankreich nicht ab√§ndern, sagt Thil.

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verfasst von am 22. November 2012 um 07:06

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