Gesagt ist oft leichter als getan

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 12. April 2012

Der schwere Weg zur gesunden Ernährung

Auch wenn wir eigentlich wissen, was wir essen sollten, entscheiden wir uns doch häufig für das Falsche. Warum ist das so? Und wie lässt sich dieses Problem leicht lösen?

Die Vermittlung von Informationen allein genügt offenbar nicht für eine nachhaltige Änderung von Ernährungsverhalten und -gewohnheiten. PD Dr. Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität in Göttingen kennt mehrere Barrieren, die einer gesundheitsfördernden Ernährung im Weg stehen können.

1. Der „falsche“ Begriff: „Ernährung“ vs. „Essen“

Der Begriff „Essen“ hat einen hohen Stellenwert. Wie aus Umfragen hervorging sind Essen und Trinken wesentliche Bestandteile unserer Lebensqualität. In der Genusshierarchie erzielte Essen in Deutschland den vierten Rang von 24 abgefragten Positionen (nach Urlaub, Sex und Familie). Der Begriff „Ernährung“, der eigentlich synonym mit „Essen“ ist, von Fachkräften in der Beratung jedoch bevorzugt verwendet wird, ist in der Bevölkerung hingegen deutlich schlechter angesehen: Während „Essen“ mit positiven emotionalen Genusserlebnissen und praktischem Handeln in Verbindung gebracht wird, dominiert bei „Ernährung“ die Wissensdimension, die Umsetzung in aktives Handeln ist nebensächlich. Dieser Unterschied wird im Alltag deutlich, z. B. bei „Abendessen“, denn von „Abendernährung“ spricht eigentlich niemand.

2. Mangelnde Motivation

Lammbraten
© adactio

Im Unterschied zu früher sind Nahrungsmittel heute kein knappes Gut mehr. Zur Auswahl steht ein breites Spektrum an Lebens- und Genussmitteln. Essen unter diesen Bedingungen dient nicht mehr in erster Linie der Energie- und Nährstoffaufnahme oder zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger physiologischer Prozesse. Stattdessen bestimmen neue Motive wie Genuss und Geschmack, Bequemlichkeit und auch der Preis die Auswahl an Speisen im Überfluss. Entsprechend der Anordnung verschiedener Motive lassen sich unterschiedliche Esstypen identifizieren:

  • Für den Esstyp „gleichgültig/maßlos“ (ca. 30 Prozent der Bevölkerung) stehen Preis, Gewohnheit und Geschmack/Genuss im Vordergrund.
  • Der Esstyp „gehetzt/multioptional“ (ca. 30 Prozent der Bevölkerung) berücksichtigt insbesondere Bequemlichkeit, Gewohnheit, Geschmack und Genuss,
  • während beim Esstyp „gesundheitsbewusst“ (ca. 40 Prozent der Bevölkerung) Gesundheitsüberlegungen, aber auch Geschmack und Genuss sowie Bio/Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen.

Je nach den individuellen Bedürfnissen ist Gesundheit und Aufrechterhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit heute nicht mehr das primäre Kriterium, das über die Lebensmittelauswahl entscheidet. Häufig fehlt der Anreiz oder die Veranlassung zur Änderung von Gewohnheiten. Dies kann sich allerdings schnell ändern, wenn beispielsweise Erkrankungen auftreten oder sich äußere Bedingungen ändern.

3. Zeitliche Verzögerung

Uhr
© Paul Livingstone

Was kümmern heute Probleme, die in Zukunft (vielleicht) auftreten können? Das Problem bei der geringen Übernahme von Ernährungs- und Gesundheitsempfehlungen liegt sicher auch an den unterschiedlichen zeitlichen Bezügen. Gefordert wird heute eine Veränderung von Verhaltensweisen, um damit irgendwann in der Zukunft einen Nutzen zu erzielen – falls überhaupt. Denn vielfach ist nicht sicher, ob ein bestimmtes Ereignis, z. B. eine Erkrankung, auch tatsächlich eintreten wird. Außerdem modulieren weitere Faktoren (Ernährung insgesamt, körperliche Aktivität, Genetik, psychosozialer Stress) das Erkrankungsrisiko, so dass ein einfacher Ursache-Wirkungs-Zusammenhang in der Regel nicht postuliert werden kann. Damit Ernährungsempfehlungen verhaltenswirksam werden, genügt es folglich nicht, Informationen zu vermitteln und Wissen weiterzugeben.

Ausschlaggebend für Veränderungen sind die Art, wie die Informationen vermittelt werden und eine Orientierung an der Zielgruppe. Welche Bedürfnisse haben bestimmte Gruppen? Wie kann man sie erreichen und für Neues begeistern? Das sind wichtige Fragen, die bei der Planung von Gesundheitsinterventionen berücksichtigt werden sollten.

Näheres dazu erfahren Sie im zweiten Teil „Ernährungsbotschaften: mit Erfolg zum Ziel“.

Quelle:
T. Ellrott: Der schwierige Weg zur gesunden Ernährung. MMW –Fortschritte der Medizin 2011: 39-42.

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verfasst von am 12. April 2012 um 06:25

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