Gesund und preiswert essen: (doch) kein Widerspruch?!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 11. Februar 2014

Immer wieder ein gerne diskutiertes Thema: Weshalb ern√§hren sich Menschen nicht ges√ľnder: Liegt es am fehlenden Wissen oder am zu geringen finanziellen Budget? Laut einer √úbersichtsstudie ist eine gesunde Ern√§hrung pro Tag lediglich circa 1 Euro teurer. Gut investiertes Geld, wie die Wissenschaftler meinen. Zugleich weisen sie aber auch auf Hindernisse bei der Umsetzung hin.

Geldbeutel

Wie teuer ist eine gesunde Ern√§hrung mit reichlich Gem√ľse, Fr√ľchten und Vollkornprodukten verglichen mit einer eher ungesunden Kost aus beispielsweise Wei√ümehlprodukten und industriell verarbeiteten Lebensmitteln? Dieser Frage wollten Wissenschaftler verschiedener amerikanischer Universit√§ten (darunter die Harvard School of Public Health) auf den Grund gehen. F√ľr ihre systematische √úbersichtsarbeit suchten sie weltweit nach Studien, in denen die Kosten einer gesunden und weniger gesunden Ern√§hrungsweise vergleichend analysiert wurden.

27 Publikationen aus zehn L√§ndern erf√ľllten die Einschlusskriterien der Wissenschaftler und wurden n√§her untersucht. Die meisten Studien stammten aus den USA, andere zum Beispiel aus Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Spanien, Kanada und Japan ‚Äď alles L√§nder mit einem insgesamt hohen Lebensstandard. Im weiteren Verlauf der √úbersichtsstudie fassten die Forscher die Studienergebnisse zusammen und berechneten die durchschnittlichen Kosten einzelner Lebensmittelgruppen sowie verschiedener Ern√§hrungsweisen. Um Unterschiede im Energiegehalt zwischen gesunden und eher ungesunden Lebensmitteln ad√§quat zu ber√ľcksichtigen, wurde sowohl ein Preis f√ľr den Verzehr von drei Standardmahlzeiten pro Tag berechnet als auch ein standardisierter Preis pro 2000 Kalorien.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass gesunde Lebensmittel tendenziell etwas teurer waren, wobei der Unterschied zwischen den Lebensmittelgruppen variierte: Bei Milchprodukten, Zerealien, Fetten und √Ėlen sowie s√ľ√üen Getr√§nken (einschlie√ülich Fruchtsaft) betrug der Preisunterschied pro Portion lediglich 0,02 US$ bis 0,11 US$ (entsprechend 0,01 ‚ā¨ bis 0,08 ‚ā¨), bei Fleisch dagegen kostete die ges√ľndere Portion durchschnittlich 0,29 US$ (0,21 ‚ā¨) mehr. Hochgerechnet auf einen Tag war eine besonders gesunde Ern√§hrung 1,48 US$ (1,08 ‚ā¨) pro Tag beziehungsweise 1,54 US$ (1,13 ‚ā¨) pro 2000 Kalorien teurer als eine extrem ungesunde Ern√§hrungsweise.

Fisch mit GemuŐąse und Reis
© jeffreyw

Warum sind gesunde Lebensmittel teurer? Die Wissenschaftler gehen davon aus, ‚Äě … dass ein komplexes Netzwerk aus Kapazit√§ten in Anbau, Lagerung, Transport, Verarbeitung, Herstellung und Marketing entstanden ist, das den Verkauf stark verarbeiteter Lebensmittel zu maximalen Margen f√ľr die Industrie beg√ľnstigt.‚Äú Dementsprechen lautet ihre Empfehlung, eine gleicherma√üen effektive Infrastruktur f√ľr gesunde Lebensmittel aufzubauen.

Als alleinige Ma√ünahme greift die Verbesserung der Infrastruktur jedoch aller Voraussicht nach zu kurz. Zwar ist der Preisunterschied mit einem Euro geringer ausgefallen als viele Leute erwartet h√§tten. Doch f√ľr eine einzige Person belaufen sich die Jahreskosten bereits auf 550 US$ [402 ‚ā¨] ‚Äď dies entspricht einer Summe von circa 400 Euro. „Das w√§re f√ľr einige Familien eine echte Belastung„, r√§umt der an der Studie beteiligte Dariush Mozaffarian ein. „Wir brauchen Strategien, um diese Kosten auszugleichen. Andererseits ist dieser Preisunterschied sehr gering im Vergleich zu den wirtschaftlichen Kosten ern√§hrungsbedingter chronischer Erkrankungen. Sie w√ľrden sich durch eine ges√ľndere Ern√§hrung drastisch verringern.

Solange weitreichende √Ąnderungen an der Frage der Finanzierbarkeit scheitern, k√∂nnen kluge Einkaufsstrategien helfen Geld, zu sparen und sich trotzdem gesund zu ern√§hren. Werden zum Beispiel frische Lebensmittel nach Saison eingekauft, sind die daraus zubereiteten Gerichte zum Teil sogar preiswerter als industriell vorgefertigte Gerichte.

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verfasst von am 11. Februar 2014 um 07:43

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3 Kommentare zu “Gesund und preiswert essen: (doch) kein Widerspruch?!”

  1. Claudia sagt:

    Die Lebensmittelindustrie verf√ľhrt die Konsumenten ja geradezu zum Kauf von Fertigprodukten beziehungsweise Fast Food. Nicht nur, dass die Speisen durch den erh√∂hten Fett- und Zuckerbedarf meist bevorzugt gegessen werden. Sie verkaufen sie auch noch zu einen m√∂glichst g√ľnstigen Preis, um eine gro√üe Zielgruppe zu erreichen. Ich finde diese Entwicklung sehr kritisch. Gesundes Essen sollte kein Privileg der reicheren Konsumenten sein, die Lebensmittelpreise sollten eine ausgewogene Ern√§hrungsweise f√ľr alle Schichten erm√∂glichen. Eine gut √ľberlegte Einkaufsstrategie hilft sicher beim Sparen, doch die Entscheidung f√ľr eine gesunde Lebensweise sollte auch durch moderate Preise belohnt werden.

  2. Wolfgang sagt:

    Ich denke, dass Essen, Wohnen, Kleidung als elementare Lebensgrundlage ihren Preis haben. Und sobald wir das Essen so w√ľrdigen, dass wir es mit Achtsamkeit in den Einkaufswagen legen, einfach, weil es ein Lebensmittel ist, werden wir auch so kaufen, dass wir es bezahlen k√∂nnen. Und wenn es ein gutes Lebensmittel ist, wird es unabh√§ngig von der Lieferkette auch einen guten Preis haben m√ľssen. Billig und gut klappt bei den wenigsten Dingen. Wer sich einmal Einkaufswagen anschaut, wird feststellen, dass sehr viel Unn√∂tiges und Ungesundes darin landet, genau auch bei den Menschen, die vermutlich zu den unteren Einkommensschichten geh√∂ren. Wer bei Chips und Co. noch nicht sparen mu√ü, kann sich durchaus auch etwas h√∂here Preise f√ľr gutes Essen leisten. Es ist auch eine Frage des Lernens und bewu√üt Lebens, ob ich mich von billigen Preisen zu einer Zuckerbombe verf√ľhren lasse, wir sollten aufh√∂ren mit dem Erzeuger-und H√§ndler-Bashing – kaufen tun immer noch wir!

  3. Barbara sagt:

    Es ist richtig , das wir kaufen , das wir verantwortlich sind f√ľr unser Handeln . Ich selbst( 53j) wurde noch damit gro√ü, das Mutter, Gro√ümutter und sogar Urgro√ümutter kochten , was die jahreszeit her gab . Alle 3 Frauen waren den ganzen Tag f√ľr die Familie da. Sie nahmen sich -und hatten auch die Zeit in Ruhe einkaufspl√§ne zu machen , durchzurechnen wieviel was kostet und wieviel Zeit es in Anspruch nimmt, etwas zuzubereiten . Mein Leben dagegen ist schon drastisch anders verlaufen . Wenn ich neben meiner Arbeit noch gut gesund kochen wollte, dann musste ich straff, sehr straff organisieren , mich selbst sehr zur√ľck stellen und hetzen um t√§glich frisch gekocht zu bekommen , Geschirr zu sp√ľlen und alles wieder sauber gemacht zu haben . Ich habe nun zig Jahre Erfahrung darin , das ist stets gern besucht wurde, auch WEIL es das bei mir gab .Unz√§hlige Male erfuhr ich dabei von vielen Menschen , wie sie es selbst handhaben. Sie kaufen aus Konzentrationsmangel nach Feierabend ein und haben darum Dinge im Einkaufswagen, die sie eigentlich weg lassen wollten -Aber ein Mal sei es nicht so schlimm. Beim n√§chsten Mal wieder so . Ich meine, das es dann bald Gewohnheit ist . Sie haben nach Feierabend noch was vor und kaufen im Vorbei Gehen „Irgendwas“ aus Zeitmangel . Sie hatten einige Probleme bei der Arbeit Privat und achten dann ebenso zu wenig darauf -Echte Kraftlosigkeit, die oft auch noch mit einem auf Dauer deprimierendem Schuldgef√ľhl einher kommt .Sie laufen im Bewustsein umher, das sie es bald wieder besser machen wollen Aber wie soll das gehen, wenn sie andauerend ersch√∂pft sind ?
    Ich selbst bin heute ohne Arbeit zu Hause und wenn ich zur√ľck denke, frage ich manchmal, wie ich das damals schaffte . Meine Knochen geben die Antwort . Hobbyk√∂che, die die Wahl haben, ob sie mal in der Kantine, mal im Lokal essen , Mal bei Freunden k√∂nnen sich leicht am Leben vorbei √ľber „Schwache“ erheben .Muss man sich alleine um sich k√ľmmern sind da auch noch andere Dinge zu erledigen an einem Kurzem Feierabend , einem kurzen Wochenende .Da ist keiner , der schon mal die Kartoffel sch√§lt oder in der zwischenzeit die Betten macht . Das ist anstrengend .
    Aleine leben und arm gemacht sein ist noch schlimmer , weil das mit Ausschluss aus der Gesellschaft einhergeht und irre viel Kraft frisst stets noch Mal und noch mal zu rechnen , zu laufen, ob es nicht irgendwo das gem√ľse g√ľnstiger gibt.Kauf ich den guten Reiniger und die indiesem Monat dringenden Schuhe oder die Zutaten zum Kochen , Backen . Und bei allem immer nur die Kalkulation und selten mal den Apetit die Lust am Leben im Vordergrund . Selbst Schuld arm geworden zu sein ? IRRTUM auf BILDniveau (anderer Mainstream ist nicht besser, nur evtl subtiler )
    Wer so an die Wand gespielt wird und weis, das IHM sowiso keiner glaubt wenn er mal mit wem redet . Er hat kaum jemand mehr daf√ľr der wird so kaputt gemacht, das es auch auf die Chips , die kaputt machen , wie Glutamat S√ľ√üstoffe Phenole , Reifebeschleuniger im Gem√ľse ect ect. nicht mehr ankommt . In Deutschland ist man dann ein Dreck f√ľr die Gesellschaft geworden und hat dann mit dem Gef√ľhl nicht mal Recht sich so zu f√ľhlen .Warum dann nicht auch Dreck essen -ist doch egal.

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