Mood Food – Wie kann Essen die Stimmung beeinflussen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 1. Dezember 2011

heiße Schokolade
© dan taylor

Schokolade als Seelentr√∂ster kennen viele. Doch die beruhigende und tr√∂stende Wirkung beruht nicht nur auf einem Belohnungseffekt und positiven Erinnerungen. Auch biochemische Vorg√§nge nach dem Schokoladengenuss scheinen daran beteiligt zu sein. Nach der Aufnahme von kohlenhydrat- und fettreichen Lebensmitteln wie beispielsweise Schokolade steigt die k√∂rpereigene Synthese des Gl√ľckshormons Serotonin an. Im Gehirn vermittelt dieser Neurotransmitter gute Laune ‚Äď wenn auch nur zeitlich begrenzt.

Kakao enth√§lt au√üerdem Spuren von Koffein und Theobromin, die leicht anregend wirken. Von klein auf kennen wir hei√üen Kakao als Getr√§nk zum Fr√ľhst√ľck und auch Erwachsene trinken ihn gerne, nicht nur bei Kummer, sondern insbesondere im Winter. Hei√üe Schokolade w√§rmt von innen, spendet Energie und tr√∂stet √ľber tr√ľbe Winternachmittage. Wenn das warme Getr√§nk mit einer Spur Chili versehen wird, kann die gl√ľcklich machende Wirkung evtl. noch verst√§rkt werden.

Denn scharfe Gew√ľrze wie Chili und Paprika sollen fr√∂hlich machen und sogar erotisierend wirken. Die Sch√§rfe des darin enthaltenen Capsaicins verursacht Schmerzreize auf der Zunge. Dies f√ľhrt zur Aussch√ľttung von Endorphinen, die Gl√ľcksgef√ľhle ausl√∂sen. Doch viel hilft nicht unbedingt viel: Zu hoch dosierte Sch√§rfe kann sich mit tr√§nenden Augen, einer laufenden Nase und Reizungen der Magen- und Darmschleimhaut r√§chen.

Zitronen
© comingstobrazil

Die Redensart „Sauer macht lustig.“ ist weit verbreitet. Auch sie l√§sst sich zum Teil mit physiologischen Vorg√§ngen begr√ľnden. Sauerkirschen, Johannisbeeren und saures Obst l√∂schen den Durst, beleben den Kreislauf und f√ľhren zu anregenden Sinneserlebnissen. Wie bei den Scharfmachern gibt es aber auch bei sauren Lebensmitteln eine Schwelle des Zumutbaren: Bei einem Biss in eine Zitrone verziehen wir unweigerlich das Gesicht. Die Geschmacksnerven am Zungenrand rebellieren, dass es beinahe weh tut. Eine unmissverst√§ndliche Warnung vor ungenie√übaren Speisen, die wir besser beachten.

Die anregende Wirkung von Kaffee und schwarzem Tee ist inzwischen allgemein bekannt. Zust√§ndig f√ľr diese Wirkung ist das darin enthaltene Koffein/Teein. Der unterschiedliche Name ist historisch begr√ľndet, chemisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen Koffein und Teein. Die in Tee zus√§tzlich enthaltenen Gerbstoffe puffern jedoch die Wirkung des Koffeins ab, so dass insbesondere schwarzer Tee langsamer, daf√ľr aber l√§nger belebend wirkt. Durch Koffein werden die k√∂rpereigenen Muntermacher Dopamin, Serotonin und Glutamat freigesetzt. Die Botenstoffe regen das zentrale Nervensystem an, erweitern Bronchien und Blutgef√§√üe, steigern die Muskelaktivit√§t und beschleunigen die Verdauung. Die Wirkung des Koffeins ist zeitlich begrenzt. Sie h√§lt bis zu f√ľnf Stunden an, mit zunehmender Gew√∂hnung wirkt es jedoch k√ľrzer.

Nicht nur die Inhaltsstoffe der Lebensmittel, sondern auch ihre Textur und das dadurch ausgel√∂ste Mundgef√ľhl sind f√ľr die ausgel√∂sten Sinneserlebnisse mitverantwortlich. Zart schmelzende Schokolade und Eis verl√§ngern den s√ľ√üen Genuss, knackig-frische Chips erh√∂hen den Appetit auf mehr.

Die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Lebensmitteln, der Gem√ľtslage sowie weiteren inneren und √§u√üeren Einflussfaktoren befindet sich noch in den Kinderschuhen. Man darf gespannt sein, was noch ans Licht gebracht wird.

Lesen Sie dazu auch: Gute-Laune-Lebensmittel gegen tr√ľbe Tage: Mood Food

verfasst von am 1. Dezember 2011 um 07:27

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