Schlafmangel begünstigt Übergewicht und Diabetes

Autor/in: , Redaktion: Dr. Julia Kluthe-Lebek
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 7. November 2012

Wer schläft, sündigt nicht. Dies ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Schlaf gut ist für die schlanke Linie. Laut einer US-amerikanischen Studie führt Schlafmangel zu einer Störung der Empfindlichkeit der Fettzellen für Insulin. Dies kann das Hungergefühl verstärken und zur Entstehung von Übergewicht, Diabetes und anderen Erkrankungen beitragen.

Ausreichend Schlaf fördert das Schlanksein.

Schon länger steht Schlafmangel im Verdacht, krank zu machen. Wissenschaftler der Universität Chicago untersuchten nun an sieben jungen, gesunden und normalgewichtigen Frauen und Männern die Auswirkungen von Schlafmangel auf den Körper. Das achttägige Experiment fand unter kontrollierten Bedingungen statt, das heißt es gab keine Unterschiede hinsichtlich Verpflegung und körperlicher Betätigung der Probanden während der beiden aufeinanderfolgenden Versuchsphasen.

Während der ersten vier Nächte durften die Probanden jeweils achteinhalb Stunden schlafen. Danach wurde die Schlafzeit auf viereinhalb Stunden pro Nacht verkürzt. Nach der ersten und der zweiten Untersuchungsphase wurde jeweils die Insulinempfindlichkeit der Probanden gemessen (intravenöser Glucosetoleranztest). Außerdem wurden von jedem Teilnehmer zwei kleine Proben Bauchfettgewebe zur Bestimmung von Insulinsignalwegen im Fettgewebe entnommen.

Anhand der Blut- und Fettgewebeproben ermittelten die Forscher, dass die Probanden nach vier Tagen Schlafmangel signifikant schlechter auf Insulin reagierten. Besonders schlecht reagierten die Fettzellen: Ihre Empfindlichkeit für das wichtige stoffwechselregulierende und blutzuckersenkende Hormon war sogar 30 Prozent reduziert verglichen mit den Messungen nach achteinhalb Stunden Schlaf. Damit glich die Stoffwechselsituation dieser eigentlich gesunden Probanden nach vier Tagen Schlafentzug Personen mit Übergewicht und/oder Typ 2-Diabetes.

Die Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass ein Zusammenhang zwischen Schlafmangel einerseits und Störungen im Fettgewebe und in der Blutzuckerregulation anderseits besteht. Wenn Fettzellen infolge von Schlafmangel nicht mehr angemessen auf Insulin reagieren, kann dies die Entstehung von Übergewicht und Diabetes begünstigen. Da Insulin- und Leptinsignalwege interagieren, ist auch eine durch Schlafmangel indirekt verursachte Störung der Produktion von Leptin im Fettgewebe denkbar. Das Sättigungshormon Leptin zügelt normalerweise den Appetit, eine Störung seiner Ausschüttung führt zur Verstärkung von Hungergefühlen und fördert durch eine vermehrte Nahrungsaufnahme ebenfalls die Entstehung von Übergewicht.

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Die Ergebnisse wurden in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht. Laut den Autoren konnte damit erstmals ein direkter Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Stoffwechselveränderungen auf molekularer Ebene im menschlichen Gewebe nachgewiesen werden. Die Autoren empfehlen die Durchführung von weiteren, auf ihren Ergebnissen aufbauenden Studien. Eine Optimierung der Schlafdauer könnte möglicherweise die Entstehung der hier beschriebenen Stoffwechselveränderungen bei Personen mit einem erhöhten Diabetesrisiko verzögern oder in ihrem Ausmaß vermindern. Lässt sich dies bestätigen, sollten zur Vorbeugung von Fettleibigkeit und Typ 2-Diabetes neben Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung auch Empfehlungen für genügend Schlaf ausgesprochen werden, so die Schlussfolgerung der Autoren.

Quelle:
J. L. Broussard, D. A. Ehrmann, E. Van Cauter, E. Tasali, M. J. Brady (2012): Impaired insulin signaling in human adipocytes after experimental sleep restriction. A randomized, crossover study. Ann Intern Med. 157: S.549-557.

verfasst von am 7. November 2012 um 06:43

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