Schonfrist fĂŒr Diabetiker-Lebensmittel lĂ€uft ab

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Mittwoch, 26. September 2012

Schonfrist fĂŒr Diabetiker-Lebensmittel lĂ€uft ab

Ab dem 10. Oktober 2012 dĂŒrfen Lebensmittel nicht mehr als spezielle Diabetiker-Lebensmittel hergestellt und gekennzeichnet werden.

Pralinen
© Andrew Michaels

Diabetiker-Lebensmittel verschwinden aus dem Handel.

Vor zwei Jahren haben das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) und weitere wissenschaftliche Einrichtungten dem Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz empfohlen, die gesetzliche Grundlage fĂŒr spezielle Lebensmittel fĂŒr Diabetiker zu prĂŒfen. Die Wissenschaftler dieser Institute sind sich heute darin einig, dass Patienten mit Diabetes keine besonderen, auf ihre BedĂŒrfnisse angepassten Lebensmittel benötigen. Vielmehr gelten fĂŒr sie die gleichen Empfehlungen fĂŒr eine gesunde ErnĂ€hrung wie fĂŒr die Bevölkerung insgesamt. Sogenannte Diabetiker-Lebensmittel verlieren damit ihre Legitimation. Zumal die Zusammensetzung von Diabetiker-Lebensmitteln Diabetikern sogar schaden kann, wie Professor Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum in DĂŒsseldorf erlĂ€utert. „Wir wissen heute, dass die speziellen Lebensmittel fĂŒr Diabetiker in ihrer Zusammensetzung nicht mehr den ErnĂ€hrungsempfehlungen entsprechen. Nicht selten haben die Diabetiker-Produkte mehr Fett und Kalorien als die normale Variante, sind Dickmacher. Sie dennoch zu nehmen, kann also mit gesundheitlichen Nachteilen und unnötig hohen Kosten verbunden sein. Spezielle Lebensmittel sind deswegen verzichtbar.“

Weißbrot und Honig
© TheCulinaryGeek

Empfehlung: Honig nur dĂŒnn aufs Brot auftragen und Vollkorn bevorzugen.

Stattdessen sollten Patienten mit Diabetes sich bei ihrer ErnĂ€hrung an den allgemeinen Empfehlungen fĂŒr eine gesunde und ausgewogene ErnĂ€hrung orientieren. Hierzu Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut  fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung in Potsdam-RehbrĂŒcke: „Wichtig ist, dass man Fett sparsam verwendet, bei der Zubereitung von Speisen pflanzliche Fette bevorzugt und viel GemĂŒse und Obst isst – idealerweise etwa drei Portionen GemĂŒse und zwei Portionen Obst pro Tag.“ Außerdem sollten Weißmehlprodukte möglichst oft durch Vollkornmehlprodukte ausgetauscht werden. Vollkornprodukte sĂ€ttigen lĂ€nger und der Blutzuckerspiegel steigt nicht so schnell und so hoch an wie nach dem Verzehr von Weißmehlprodukten. „Davon profitiert auch, wer keinen Diabetes hat“, erklĂ€rt Pfeiffer. „Nicht nur weil Vollkorn hilft, Übergewicht zu vermeiden. Rasche Blutzuckeranstiege nach dem Essen sind auch schĂ€dlich fĂŒr die Arterien.“ Im Alltag sollten Diabetiker morgens lieber zu MĂŒsli und Vollkornbrot/-brötchen greifen anstelle von Weißbrötchen, und Marmelade und Honig nur dĂŒnn auftragen. Dann mĂŒssen keine speziellen Diabetiker-Brotaufstriche mit Zuckeraustauschstoffen eingesetzt werden. Zuckerreduzierte Varianten (ohne Zuckeraustauschstoffe), deren Verwendung auch fĂŒr die Allgemeinbevölkerung empfohlen wird, können darĂŒber hinaus helfen, isolierten Zucker einzusparen.

Bei vielen Diabetikern, insbesondere der Ă€lteren Generation, waren spezielle Lebensmittel fĂŒr Diabetiker fester Bestandteil ihrer ErnĂ€hrung. Ist die erste Verunsicherung ĂŒber die Neuregelung ĂŒberwunden, können sie sich darĂŒber freuen, in Zukunft etwas mehr Geld in ihrem Geldbeutel zu haben, waren Diabetiker-Produkte doch meist teurer als vergleichbare Produkte fĂŒr Menschen ohne diese Stoffwechselerkrankung. Bis die Regale in LebensmittelgeschĂ€ften wirklich frei von Diabetiker-Lebensmitteln sind, wird es wahrscheinlich noch einige Zeit lang dauern, da bereits produzierte RestbestĂ€nde noch abverkauft werden dĂŒrfen.

Quellen einblenden

Zum Thema

verfasst von am 26. September 2012 um 05:50

Was ist das?

DEBInet-ErnĂ€hrungsblog - ĂŒber uns

Unsere Autoren schreiben fĂŒr Sie ĂŒber Aktuelles und Wissenswertes aus ErnĂ€hrungswissenschaft und ErnĂ€hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich fĂŒr das Thema "ErnĂ€hrung" interessieren.

Sie können sich die BeitrĂ€ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese ĂŒber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

FĂŒr die Schriftenreihe der Gesellschaft fĂŒr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewĂ€hlt. Das dabei entstandene ErnĂ€hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur VerfĂŒgung

Der "DEBInet-ErnÀhrungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben