Schulessen: zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Immer mehr Kinder und Jugendliche verbringen den ganzen Tag in der Schule. Damit kommt der Schule und insbesondere der Schulverpflegung eine immer bedeutendere Rolle hinsichtlich der Prägung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils zu. Nicht immer kann das Schulessen diesen Anspruch erfüllen.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung untersuchte die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften die Qualität des und die Zufriedenheit mit dem an deutschen Schulen angebotenen Mittagessen. Um ein möglichst umfassendes Bild der derzeitigen Situation in der gesamten Bundesrepublik zu erhalten, befragten die Wissenschaftler bundesweit über 1.500 Schulleitungen, 212 Schulträger und mehr als 12.000 Schüler unterschiedlicher Schulformen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden nun auf dem ersten „Bundeskongress Schulverpflegung“ in Berlin präsentiert.

„Die Ergebnisse zeigen ein sehr differenziertes Bild der Verpflegungssituation in den Schulen“, konstatiert die wissenschaftliche Leiterin der Studie, Frau Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevedo. „Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert: Salatbuffets gehören bereits bei einem Drittel der Schulen zum Standard, mehr als zwei Drittel bieten kostenlose Getränke zum Essen an. Und vor allem in weiterführenden Schulen haben die Schülerinnen und Schüler mehr Auswahl als früher. Dennoch sind die Herausforderungen nach wie vor groß. Die Vielfalt des Angebots und die Qualität des Schulessens können häufig noch deutlich verbessert werden.“

Verbesserungspotential besteht beispielsweise hinsichtlich der Häufigkeit und Auswahl des Gemüseangebots. Eine Auswertung der Speisepläne an den Schulen zeigte, dass häufig Gemüsesorten angeboten werden, die nicht für lange Transport- und Warmhaltezeiten geeignet sind. Außerdem stehen nach wie vor zu häufig Fleischgerichte auf dem Speiseplan ebenso wie süße Hauptgerichte. Fisch gibt es in deutschen Schulen dagegen vergleichsweise selten.

Häufig bleibt den Schülern wenig Zeit zum Essen: Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Minimum empfohlenen 45 Minuten werden nur in zwei von fünf Schulen (39 Prozent) eingehalten. Die Preise für die Mittagsmahlzeit liegen an Grundschulen, wo häufig nur ein Gericht angeboten wird, bei durchschnittlich 2,83 €, an weiterführenden Schulen mit größerer Auswahl an Gerichten bei 3,05 €. Hier stellt sich die kritische Frage, inwieweit mit diesen doch sehr geringen Beträgen qualitativ hochwertige Mahlzeiten angeboten werden können. Für eine Mahlzeit nach den Standards der DGE sollten mindestens 3 € einkalkuliert werden.

Auch institutionell ließe sich manches verbessern. Nicht einmal jede zehnte Schule (6,9 Prozent) hat einen Verpflegungsausschuss, in dem sich neben dem Schulträger auch Lehrer, Eltern, Schüler und die Verpflegungsanbieter engagieren. Ernährungsunterricht sowie entsprechende Projekte werden nur sporadisch angeboten: Knapp die Hälfte der Schulen (45 Prozent) kann solche Angebote lediglich halbjährlich oder sogar nur einmal jährlich realisieren.

Wenden wir uns den Schülern der befragten Schulen zu. Welche Noten (auf einer Skala von 1 bis 5) geben sie dem angebotenen Essen? Mit einer Durchschnittsnote von 2,5 an Grundschulen und 2,6 an weiterführenden Schulen liegt ihre Bewertung zwischen „gut“ und „geht so“. Mehr als jeder zehnte Grundschüler (12,9 Prozent) und sogar noch mehr Schüler an weiterführenden Schulen (14,4 Prozent) findet das Essen „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Kritisiert werden unter anderem das Speisenangebot, die Sauberkeit/Hygiene sowie die Raumgestaltung.
Auf dem „Bundeskongress Schulverpflegung“ kündigte Bundesernährungsminister Christian Schmidt eine Qualitätsoffensive zur Verbesserung des Schulessens an, in die auch die Schüler aktiv miteinbezogen werden.

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verfasst von am 18. Dezember 2014 um 07:16

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