Sportlich aktiv gegen Krebs

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 7. Juli 2016

Menschen, die in ihrer Freizeit Sport treiben, erkranken signifikant seltener an einer Reihe von Krebsarten, darunter Speiseröhren-, Leber- und Lungenkrebs. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Wissenschaftler nach der Auswertung verschiedener Studien mit 1,44 Millionen erwachsenen Teilnehmern.

Während seit längerem bekannt ist, dass Freizeitsport mit einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und einer geringeren allgemeinen Sterblichkeit assoziiert ist, wurde der Zusammenhang zwischen Freizeitsport und einer Krebserkrankung bislang nur unzureichend untersucht. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass etwa drei Viertel aller Krebserkrankungen selten sind, sodass Studien mit sehr vielen Teilnehmern benötigt werden, um statistisch belastbare Aussagen zu treffen. Der günstigere Weg besteht darin, die Daten bereits bestehender Studien zusammenzufassen und gemeinsam auszuwerten. Dies setzt allerdings voraus, dass das Studiendesign der entsprechenden Studien vergleichbar ist.

Dr. Steven Moore vom Medical Center in Rockville und seine Kollegen wählten die zweite Vorgehensweise. Während ihrer Recherche nach Studien über den Zusammenhang zwischen Freizeitsport und verschiedenen Krebserkrankungen fanden sie insgesamt zwölf vorausschauende (prospektive) Studien mit 1,44 Millionen Teilnehmern. Zu Beginn der Studien waren die Teilnehmer zwischen 19 und 98 Jahre alt (Median 59 Jahre). Frauen waren mit einem Anteil von 57 Prozent etwas häufiger vertreten als Männer. Insgesamt wurden in den Studien 26 verschiedene Tumorentitäten untersucht, wobei die Anzahl der Teilnehmer/Datensätze zwischen 380 bei Gallenblasenkrebs und 47.000 bei Prostatakrebs lag. Für die Auswertung verglichen die Wissenschaftler für jede Krebsart jeweils die Daten der 10 Prozent sportlichsten vs. inaktivsten Teilnehmer. Die Gruppe der sportlichsten Teilnehmer war pro Woche über sieben Stunden moderat bis intensiv körperlich aktiv, die sportlich eher inaktiven dagegen weniger als eine Stunde. Dementsprechend waren die Sportfans tendenziell dünner als die Sportmuffel, zudem waren sie jünger, besser gebildet und rauchten seltener.

Während der Beobachtungsphase von rund elf Jahren wurden insgesamt 186.932 Krebsfälle registriert. Bei der Hälfte der untersuchten Tumorentitäten hatten die sportlich Aktiven ein vergleichsweise geringeres Erkrankungsrisiko, wobei Alter, Geschlecht, Bildung, Alkohol- und Tabakkonsum als Störgrößen berücksichtigt wurden.

Wurden alle Tumore gemeinsam betrachtet, war die Tumorrate bei den aktiven Freizeitsportlern rund sieben Prozent geringer als bei den Sportmuffeln. Am deutlichsten war der Unterschied bei Speiseröhrenkrebs (Risikoreduktion um 42 Prozent), gefolgt von Leberkrebs (-27 Prozent), Lungenkrebs (-26 Prozent), Nierenkrebs (-23 Prozent), Krebs am Mageneingang (-22 Prozent), Gebärmutterkrebs (-21 Prozent) und myeloischer Leukämie (-20 Prozent). Das Risiko für Myelome, Kopf- und Halskrebs, Brustkrebs, Dickdarm-, Rektal- und Blasenkrebs war bei den aktiven Freizeitsportlern ebenfalls zwischen 10 und 17 Prozent geringer. Allerdings war das Risiko der Sportfans für maligne Melanome (schwarzer Hautkrebs) um 27 Prozent erhöht und auch das Prostatakrebsrisiko war fünf Prozent höher als bei den sportlich Inaktiven. Das erhöhte Hautkrebsrisiko bei den Freizeitsportlern ist möglicherweise auf die mit dem Sport einhergehenden längeren Aufenthalte im Freien zurückzuführen.

Wurde der Body Mass Index (Körpermassenindex, BMI) als zusätzlicher Einflussfaktor berücksichtigt, änderten sich die Ergebnisse kaum. Dies bedeutet, dass Menschen unabhängig von ihrer Figur in vergleichbarer Weise von Freizeitsport profitierten. Dasselbe galt für Raucher, allerdings mit einer Ausnahme: Lungenkrebs war auch in der Gruppe der sportlich aktiven Raucher deutlich häufiger als bei den Nichtrauchern.

Da aktive Freizeitsportler deutlich seltener an zahlreichen Krebsarten erkranken, empfehlen die Wissenschaftler, bei der Beratung von sportlich inaktiven Erwachsenen zu betonen, dass die meisten der gefundenen Zusammenhänge unabhängig von der Figur und dem Rauchen waren. Dies spricht für eine gute Generalisierbarkeit der Ergebnisse.

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verfasst von am 7. Juli 2016 um 06:23

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