Verbraucherinformation contra Verpackungsmüll

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Nach dreijähriger Übergangsfrist tritt im Dezember 2014 tatsächlich die neue Lebensmittelinformationsverordnung europaweit in Kraft. Für Verbraucher verspricht sie mehr Informationen, zum Beispiel über Herkunft, Verarbeitung und Nährwerte in gut lesbarer Schrift. Das mehr an Informationen ist zugleich jedoch eine logistische und kalkulatorische Herausforderung für die Unternehmen und kann Lebensmittel- und Verpackungsmüll verursachen.

Des einen Freud’ ist des anderen Leid, wie Dr. Petra Unland, Abteilungsleiterin für Lebensmittelrecht der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG auf einem Presse-Seminar berichtete. Denn während sich die Verbraucher über mehr Informationen in ihrer Sprache auf Lebensmittelverpackungen freuen dürfen, sehen sich insbesondere europaweit agierende lebensmittelverarbeitende Unternehmen mit dem Problem konfrontiert, wie sie alle zukünftig erforderlichen Pflichtangaben auf einer Packung in ausreichender Schriftgröße aufführen können.

Im Extremfall müssten die Produktangaben in 24 Sprachen deklariert werden, was wohl auf keiner Lebensmittelverpackung ohne weiteres möglich wäre – erst recht nicht, wenn das Produkt weiterhin ansprechend präsentiert werden soll, gibt Unland zu bedenken. Sie geht davon aus, dass europaweit agierende Unternehmen wie Dr. Oetker künftig für jedes Erzeugnis zwei bis drei Verpackungen verschieden bedrucken werden.

Das Bedrucken ist jedoch erst der Anfang einer Kette von Veränderungen der Unternehmenslogistik: Verschiedene Verpackungen benötigen mehr Lagerraum, einen höheren Energieaufwand (insbesondere bei Tiefkühlware) und letztendlich wird wohl auch mehr Lebensmittel- und Verpackungsmüll entstehen. Denn: Die bis dato gekannte Flexibilität, dass letztlich jede Packung in jedem Mitgliedsstaat vermarktet werden könne, ginge mit dem Geltungsbeginn der Lebensmittelinformationsverordnung verloren, führt Unland aus. Da Umetikettierungen kostenaufwändig sind, erscheint es aus ökonomischer Perspektive plausibel, dass Lebensmittelhersteller Ladenhüter komplett entsorgen. Die Kosten dafür werden wohl letztendlich die Verbraucher bezahlen müssen – und die Umwelt!

verfasst von am 16. Oktober 2014 um 06:25

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Für die Schriftenreihe der Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewählt. Das dabei entstandene Ernährungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verfügung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Ein Kommentar zu “Verbraucherinformation contra Verpackungsmüll”

  1. Oehmichen sagt:

    Da kann man nur hoffen, dass die Verbraucher – einschließlich mir – die neuen Möglichkeiten der Information auch würdigen und zur Kenntnis nehmen – dann hätte der beschriebene Mehraufwand samt mehr Müll wenigstens Sinn. Ich ahne, ich muß zum Einkaufen künftig die Brille einstecken….
    Ansonsten möchten bitte die Unternehmen nicht jammern, es war bekannt (und im Vorfeld auch mit ihnen abgesprochen) dass eine solche Verordnung kommt. Insofern war genügend Zeit, sich darauf einzustellen und logistische Fragen schon beizeiten anzugehen.

Kommentar abgeben