Verlockungen in Schulnähe oder ungesundes Angebot vor Ort …

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 6. September 2011

Anbieter kalorienreicher Snacks in der Kritik

Nach der Schule noch schnell zum Dönerladen um die Ecke oder eine Portion Pommes auf die Hand, bevor es zum Mittagessen nach Hause geht. Fast Food-Gerichte sind schnell verzehrt und sättigen nur für kurze Zeit. Werden sie zusätzlich zu den üblichen Mahlzeiten gegessen, wird der individuelle Kalorienbedarf rasch überschritten und die Entstehung von Übergewicht begünstigt.

Döner
© katerha

Zusätzliche Snacks begünstigen Übergewicht.

Da immer mehr Kinder und Jugendliche mit Übergewicht und Fettleibigkeit zu kämpfen haben, geraten Anbieter ungesunder Lebensmittel und Getränke im Umfeld von Schulen immer wieder in die Kritik der Öffentlichkeit. Als Gegenangebot entstehen in Deutschland im Zuge der zunehmenden Anzahl von Ganztagsschulen immer mehr Schulmensen, die Kindern gesundes Essen schmackhaft machen sollen. Doch ist die Kritik am Lebensmittelangebot rund um die Schule berechtigt?

Dieser Frage gingen Wissenschaftler der University of Southern Maine in Portland (USA) nach. Für ihre Studie befragten sie 552 Kinder der neunten bis zwölften Klasse an elf Schulen schriftlich zu ihrer Größe und ihrem Körpergewicht. Außerdem erkundigten sie sich, wie häufig und wo die Schüler kalorienreiche Lebensmittel verzehrten. Für ihre Auswertungen machte die Forschergruppe um David Harris zudem eine Umfeldanalyse, bei der sie alle Lebensmittel verkaufenden Betriebe mit einer maximalen Entfernung von zwei Kilometern um die jeweilige Schule (kürzeste Wegstrecke) auflisteten.

Pommes frites
© malias

Das Angebot an kalorienreichen Snacks ist groß.

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass ein Viertel der Jugendlichen übergewichtig, jeder zweite davon sogar fettleibig war. Bei zehn der elf Schulen wurden im näheren Umfeld mindestens in einem Geschäft zuckerhaltige Limonaden verkauft und immerhin acht Schulen hatten in ihrer Nachbarschaft mindestens ein Fast-Food-Geschäft. Umso erstaunlicher war es, dass es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Nähe bzw. der Dichte der Betriebe mit ungünstigem Lebensmittelangebot um die Schule und dem Übergewichtsrisiko der Schüler gab. Dies könnte möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass die heutigen Schüler sehr mobil sind und auch an vielen anderen Orten (unter anderem auch im direkten heimischen Umfeld) kalorienreiche Fertiggerichte konsumieren. Hinzu kommt, dass viele Schüler gar nicht die Schule verlassen müssen, um Fast Food und kalorienreiche Getränke zu konsumieren: vielfach werden sie direkt vor Ort angeboten.

Um die Ernährungsgewohnheiten der heutigen Kinder und Jugendlichen günstig zu beeinflussen, genügt es demnach nicht, das Lebensmittelangebot im schulischen Umfeld zu kontrollieren, vielmehr sollten Ernährungsprogramme direkt in den Schulen initiiert werden, in denen Kinder exemplarisch und mit Freude lernen können, wie man sich gesund ernährt. Und das Speisen- und Getränkeangebot der Schulen selbst sollte entsprechend gestaltet sein. Wenn gleichzeitig ausreichend Möglichkeiten für körperliche Betätigungen vorhanden sind, ist der Grundstein für eine gesunde Zukunft gelegt.

Quelle:
Harris DE, Whatley Blum J, Bampton M, O’Brien L, Beaudoin CM, Polacsek M, O’Rourke KA: Location of Food Stores near schools does not predict the weight status of Maine high school students. Journal of Nutrition Education and Behavior 2011; 43(4):274-278

Zum Weiterlesen:

verfasst von am 6. September 2011 um 07:02

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