Was macht Familienmahlzeiten so besonders?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kinder, die h√§ufig gemeinsam mit ihrer Familie essen, haben einen geringeren Body Mass Index (BMI, K√∂rpermassenindex) und ern√§hren sich insgesamt ges√ľnder. Die Frage, was Familienmahlzeiten f√ľr die kindliche Ern√§hrung so besonders macht, konnte bislang allerdings nur ungen√ľgend beantwortet werden. Mehr Aufschluss bietet eine k√ľrzlich publizierte Metaanalyse des Max-Planck-Instituts f√ľr Bildungsforschung in Berlin.

F√ľr ihre Studie suchten Dr. Mattea Dallacker und ihre Kollegen nach wissenschaftlichen Ver√∂ffentlichungen, in denen der Zusammenhang zwischen Komponenten von Familienmahlzeiten und der Ern√§hrungsgesundheit von Kindern beschrieben wurde. Als Marker f√ľr die Ern√§hrungsgesundheit verwendeten sie den BMI der Kinder, ein indirektes Ma√ü f√ľr K√∂rperfett und √úbergewicht, sowie die Ern√§hrungsqualit√§t, die anhand der t√§glich verzehrten Portionen von gesunden und ungesunden Lebensmitteln gemessen wurde. Insgesamt 50 Studien mit 49.137 Probanden erf√ľllten die Einschlusskriterien und wurden im Rahmen der Metaanalyse gemeinsam ausgewertet.

Dallacker und ihre Kollegen identifizierten sechs Komponenten von Familienmahlzeiten, die mit einer besseren Ernährungsgesundheit von Kindern korrelieren. Hierzu zählen:

  • die Atmosph√§re bei der Mahlzeit,
  • die Verwendung gesunder Lebensmittel,
  • das Einbeziehen der Kinder bei der Zubereitung der Mahlzeiten,
  • ein gesundes Ern√§hrungsverhalten der Eltern (Vorbildfunktion),
  • die Dauer der Mahlzeit und
  • der Verzicht aufs Fernsehen w√§hrend der Mahlzeit.

„Wie eine Familie gemeinsam isst, ist genauso wichtig oder sogar wichtiger als die H√§ufigkeit der gemeinsamen Mahlzeiten“, erl√§utert Prof. Ralph Hertwig, Direktor am Max-Planck-Institut f√ľr Bildungsforschung. „Familienmahlzeiten f√ľhren nicht per se zu einem besseren Essverhalten. Soziale, psychologische und Verhaltensaspekte spielen eine wichtige Rolle“, beschreibt Dallacker. Interessanterweise hatten weder das Alter der Kinder noch der soziale und √∂konomische Hintergrund Einfluss auf die Ergebnisse. Auch die spezifische Familienkonstellation, in diesem Fall, ob das Kind beispielsweise mit einem oder beiden Elternteilen seine Mahlzeiten verzehrte, hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse.

Die Ergebnisse dieser Studie k√∂nnten Eltern und anderen Erziehungsberechtigten als Orientierung dienen, wie sie die Ern√§hrungsgesundheit ihrer Kinder f√∂rdern k√∂nnen. Die Autoren sehen eine M√∂glichkeit, durch regelm√§√üige Familienmahlzeiten einer Adipositas (krankhaftes √úbergewicht, Fettleibigkeit) vorzubeugen. „Um √úbergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu bek√§mpfen, sind vielf√§ltigste Ma√ünahmen notwendig“, erl√§utert die an der Studie ebenfalls beteiligte Prof. Jutta Mata von der Universit√§t Mannheim. „Familienmahlzeiten sind eine M√∂glichkeit. Sie bieten die Chance, auf kindliche Essgewohnheiten unmittelbar und fr√ľhzeitig einzuwirken.“

Die Wissenschaftler w√ľnschen sich eine √úberpr√ľfung ihrer Ergebnisse durch randomisiert-kontrollierte Studien. Zuk√ľnftige Studien sollten au√üerdem untersuchen, welchen Einfluss die Nutzung von Smartphone oder Tablet auf die Gestaltung von Familienmahlzeiten hat, und ob die Komponenten von Familienmahlzeiten, die die Ern√§hrungsgesundheit von Kindern beeinflussen, auch f√ľr Mahlzeiten in anderen sozialen Kontexten, wie etwa das Schulessen, gelten.

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verfasst von am 5. Dezember 2019 um 07:56

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