Wirkt Chili tatsächlich lebensverlängernd?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 15. September 2015

Es ist bekannt, dass der Chili-Inhaltsstoff Capsaicin entz√ľndungshemmend, antioxidativ und antimikrobiell wirkt und au√üerdem das Krebsrisiko senken und den Appetit hemmen kann. Ob sich diese positiven Effekte aber auch auf die Lebenserwartung auswirken, wurde noch nicht zweifelsfrei belegt. Eine aktuelle Studie aus China gibt Anlass zur Hoffnung.

Sage und schreibe 487.000 30- bis 79-j√§hrige M√§nner und Frauen aus zehn geographisch verschiedenen Regionen Chinas nahmen an der bislang gr√∂√üten vorausschauenden Studie √ľber den Zusammenhang zwischen dem Chiliverzehr und dem Sterberisiko (Mortalit√§t) teil. Zu Beginn der Studie wurden alle Teilnehmer medizinisch untersucht. Au√üerdem beantworteten sie Fragen zur H√§ufigkeit des Verzehrs stark gew√ľrzter Speisen, Fleisch, Obst und Gem√ľse. Weitere Fragen thematisierten den Alkohol- und Tabakwarenkonsum der Probanden, ihre k√∂rperliche Aktivit√§t, ihren Bildungsstand sowie ihre berufliche T√§tigkeit und ihr Einkommen. Um sicher zu gehen, dass das Ern√§hrungsverhalten sich w√§hrend des Beobachtungszeitraums von durchschnittlich sieben Jahren nicht grundlegend ver√§nderte, wurden stichprobenartige Wiederholungsbefragungen durchgef√ľhrt.

In den darauffolgenden Jahren dokumentierten die Wissenschaftler s√§mtliche Todesf√§lle der Studienpopulation, insgesamt 20.224. Bei einer gemeinsamen Auswertung der Daten zum Vitalstatus der Probanden und deren fr√ľherem Chilikonsum zeigte sich, dass das Sterberisiko derjenigen, die an mindestens drei Tagen in der Woche scharf gew√ľrzte Gerichte a√üen, im Mittel 14 Prozent geringer war als bei einem weniger als einmal w√∂chentlichen Konsum. Der Verzehr von scharf Gew√ľrztem an ein bis zwei Wochentagen war immer noch mit einem um 10 Prozent verringerten Sterberisiko assoziiert. Au√üerdem wurde festgestellt, dass M√§nner und Frauen in gleicher Weise von dem Verzehr scharfer Speisen profitierten. W√§hrend Tabakkonsum, k√∂rperliche Aktivit√§t und der Body Mass Index (BMI, K√∂rpermasseindex) keinen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen scharfem Essen und dem Sterberisiko der Probanden hatten, profitierten diejenigen, die keinen Alkohol tranken, verh√§ltnism√§√üig stark. Wurden anstelle des gesamten Sterberisikos krankheitsspezifische Sterberisiken betrachtet, sank insbesondere das Risiko, an Krebs, Herzinfarkt oder Lungenerkrankungen zu sterben.

Wenn es um das Sch√§rfen ihrer Speisen ging, verwendeten die meisten Chinesen Chiliprodukte. Die Beobachtung, dass der Zusammenhang zwischen dem Gew√ľrzverzehr und der Sterblichkeit der Probanden st√§rker ausgepr√§gt war, wenn frisches anstelle von getrocknetem Chilipulver zum Sch√§rfen von Speisen verwendet wurde, werteten die Wissenschaftler als Hinweis darauf, dass der lebensverl√§ngernde Effekte wirklich auf das in Chilischoten enthaltene Capsaicin zur√ľckzuf√ľhren ist. Allerdings warnten die Wissenschaftler auch vor vorschnellen Schlussfolgerungen und Ern√§hrungsempfehlungen. Denn bislang lasse sich unter anderem eine umgekehrte Kausalit√§t, also dass Menschen mit unerkannten chronischen Erkrankungen scharfe Gerichte seltener verzehren, nicht ausschlie√üen. Sollte dies der Fall sein, w√§re das Ergebnis verf√§lscht. Denkbar ist au√üerdem, dass nicht der Verzehr von scharfem Essen an sich das Sterberisiko senkt, sondern weitere gesundheitsrelevante Gewohnheiten der Chili-Liebhaber ma√ügeblich sind, die bei der Studie nicht erfasst wurden. Daher sollten weitere Studien die bisherigen Erkenntnisse pr√ľfen und erweitern.

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verfasst von am 15. September 2015 um 06:25

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