Aus für Diabetiker-Lebensmittel! Darf ich denn nun gar nichts mehr naschen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Der Bundesrat hat Ende September durch eine Änderung der Diätverordnung beschlossen, dass zukünftig keine Lebensmittel speziell für Diabetiker mehr ausgelobt werden dürfen. Hintergrund sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Zweifel am Nutzen derartiger Lebensmittel aufkommen lassen.

Schokolade
© mamye 1983

In Diabetikerlebensmitteln wird Haushaltszucker durch andere Zuckerarten und -austauschstoffe wie Fruchtzucker (Fruktose), Mannit und Xylit ersetzt, die den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lassen sollen. Der Nutzen dieser Speziallebensmittel konnte jedoch nicht eindeutig belegt werden, vielmehr scheinen sie sogar zu schaden: Trotz der Aufschrift „Diätprodukt“ enthalten sie verglichen mit „normalen“ Lebensmitteln häufig mehr Fett und Energie und stehen somit einer Gewichtsabnahme im Wege. Darüber hinaus können Zuckeraustauschstoffe bei großem Verzehr abführend wirken.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass jetzt komplett auf Schokolade und Co. verzichtet werden muss. Die Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Diabetes unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen für stoffwechselgesunde Personen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, reichlich Getreideprodukte insbesondere Vollkornprodukte wie Vollkornnudeln, -brot oder Müsli zu verzehren. Die darin enthaltenen komplexen Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen und sorgen gemeinsam mit den ebenfalls enthaltenen Ballaststoffen für eine lang anhaltende Sättigung.

Paprika
© angelika_ca

Obst und Gemüse sind reich an Vitaminen und „Radikalfängern“, den sogenannten Antioxidantien. Deshalb sollte beides mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen. Günstig ist hierbei, zwischen verschiedenen Sorten abzuwechseln.

Bei tierischen Produkten wie Milch und Fleisch sollten fettarme Varianten bevorzugt werden. Da feste Bratfette und Margarinen häufig gehärtet und reich an gesättigten Fettsäuren sind, sollten raffinierte Öle wie Rapsöl oder Olivenöl zum Anbraten verwendet werden.

Gesunde Fette sind außerdem in Nüssen und fettreichen Fischen wie Lachs, Makrele oder Hering zu finden. Sie schützen die Blutgefäße und senken damit das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Beides sind häufige Folgeerkrankungen eines Diabetes. Aber Vorsicht: gerade Nüsse sind sehr fett- und energiereich und sollten deshalb nur in Maßen verzehrt werden.

Eine gesunde Ernährung bedeutet nicht, dass gar keine Süßigkeiten mehr gegessen werden dürfen, im Gegenteil: ein generelles Verbot fördert eher die Lust auf Süßes und kann Heißhungerattacken verursachen. Besser ist es, sich hin und wieder etwas Süßes zu gönnen, dann dürfen es auch „normale“ Nicht-Diabetiker-Produkte sein.

Ein Tipp zum Schluss: Lebensmittelindustrie und –handel dürfen Diabetikerprodukte noch bis 2012 vertreiben. Das Geld hierfür kann man sich sparen, vergleicht man beim Einkauf neben dem Gehalt an Kohlenhydraten auch den Energie- und Fettgehalt der Lebensmittel und entscheidet dann.

verfasst von am 15. Dezember 2010 um 08:11

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