Braunes Fett – (bald) Wunderwaffe gegen Fettleibigkeit und Diabetes?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Rund 15 Prozent der Deutschen wurden 2009 in einer bundesweiten Erhebung als adip√∂s (fettleibig) eingestuft. H√§ufig entstehen infolge des √úbergewichts Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus Typ 2 ‚Äď mit weitreichenden Folgen f√ľr Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualit√§t der Betroffenen. H√∂chste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Eine Gruppe von europ√§ischen Wissenschaftlern, die √ľber das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg koordiniert wird, m√∂chte √úbergewicht durch die Aktivierung von energiezehrendem braunem Fettgewebe bek√§mpfen.

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Im menschlichen K√∂rper existieren zwei verschiedene Fettgewebsarten: Das wei√üe Fettgewebe ist das allseits bekannte, in dem √ľbersch√ľssige Energie in Form von Fett gespeichert wird und das sich unangenehm an Bauch, H√ľften und Ges√§√ü abzeichnet. Weniger bekannt d√ľrfte das braune Fettgewebe sein. Im Gegensatz zu wei√üem Fettgewebe dient braunes Fettgewebe nicht als Energiereserve, im Gegenteil: es verbraucht Energie durch die Umwandlung von Fett in W√§rme. In der Natur dient diese Art der W√§rmegewinnung wohl in erster Linie dazu, S√§uglinge vor dem Ausk√ľhlen zu sch√ľtzen.

Urspr√ľnglich ist man davon ausgegangen, dass braunes Fettgewebe mit dem Heranwachsen des Kindes seine Funktion verliert. Zum Erstaunen vieler konnten Wissenschaftler jedoch vor vier Jahren diesen Gewebetyp auch bei Erwachsenen nachweisen. Doch damit nicht genug: Die Wissenschaftler fanden au√üerdem heraus, dass k√∂rpereigene Entz√ľndungshormone unter bestimmten Bedingungen in wei√üem Fettgewebe die Bildung von Zellen induzieren k√∂nnen, die √§hnliche Eigenschaften wie die Zellen von braunem Fettgewebe haben.

BMI-Rechner

Diese Erkenntnisse er√∂ffnen eine Vielzahl neuer Forschungsans√§tze. Um die Forschungsaktivit√§ten zu b√ľndeln und zu intensivieren, schlossen sich in Europa 20 Institutionen, die alle in diesem Forschungsbereich aktiv sind, zum sog. „DIABAT“-Konsortium zusammen (DIABAT steht f√ľr „diabetes“ und „brown adipose tissue“). Die Wissenschaftler haben sich Gro√ües vorgenommen: In den n√§chsten vier Jahren m√∂chten sie

  • Stamm- und Vorl√§uferzellen von braunem Fettgewebe identifizieren und deren Molek√ľlstruktur aufkl√§ren,
  • Methoden zur Entnahme und Vermehrung von Vorl√§uferzellen entwickeln,
  • an M√§usen untersuchen, ob sich mit neu gewonnenen braunen Fettzellen Diabetes verz√∂gern oder sogar verhindern l√§sst,
  • nach Wirkstoffen suchen, die braunes Fettgewebe aktivieren oder die die Entstehung entsprechender Zellen in wei√üem Fettgewebe anregen.

Das DIABAT-Projekt wird hierf√ľr von der EU mit insgesamt sechs Millionen Euro unterst√ľtzt. Sollten die Forschungsbestrebungen erfolgreich sein, erg√§ben sich neue Behandlungsans√§tze zur Therapie von √úbergewicht und Adipositas. Durch die Regeneration oder Aktivierung von braunem Fettgewebe k√∂nnten, so die Hoffnung, der Abbau von wei√üem Fett, der Glukoseverbrauch und folglich auch der Energieverbrauch insgesamt deutlich erh√∂ht werden.

Deshalb suchen die Forscher nun nach M√∂glichkeiten, √ľber die Ern√§hrung oder medikament√∂s braunes Fettgewebe zu aktivieren. Eine andere M√∂glichkeit w√§re die Transplantation von braunem Fettgewebe. Ein enormer Aufwand, der sich aber unter Umst√§nden lohnt, denn: „Sch√§tzungen gehen davon aus, dass 50 Gramm mehr braunes Fettgewebe ausreichen w√ľrden, um den Energieverbrauch eines Erwachsenen um 20 Prozent zu steigern“, so Prof. Dr. Stefan Herzig, Leiter der gemeinsamen Forschungsabteilung „Molekulare Stoffwechselkontrolle“ des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Universit√§t Heidelberg und des Universit√§tsklinikums Heidelberg und Koordinator des DIABAT-Konsortiums.

Dabei sieht Herzig die Bek√§mpfung von √úbergewicht und Fettleibigkeit nicht als prim√§res Ziel. „Uns geht es dabei nicht darum, Menschen zu einer vermeintlichen Traumfigur zu verhelfen. Unser Ziel ist vielmehr, bei schwer √ľbergewichtigen Personen eine gest√∂rte Glukosetoleranz zu beheben, also die Wirkung von Insulin zu verbessern und damit einem Typ 2-Diabetes entgegenzuwirken.“

Man darf gespannt sein …

Quelle:

Mit Fett gegen Fett. Pressemitteilung des DKFZ vom 24.11.2011.

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verfasst von am 29. Dezember 2011 um 07:01

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