Ernährungsbotschaften: mit Erfolg zum Ziel

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 13. April 2012

In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Lebensumfeld wesentlich geändert – weg von einer kargen Welt, in der mit reichlich Arbeit und Bewegung wenig Lohn und Kost erzielt wurden, hin zu einer Überflusssituation, in der wir aus einer breiten Palette von Nahrungsmitteln wählen können. Mit diesen raschen Veränderungen konnte unser Organismus nicht Schritt halten. Da wir allerdings nicht abwarten können, bis die Evolution das Überflussproblem entsprechend berücksichtigt, ist es dringend notwendig zu handeln.

Rein wissensvermittelnde Präventionsmaßnahmen im Ernährungs- und Bewegungsbereich konnten sich bislang kaum durchsetzen. Deshalb sollten in Zukunft Aspekte wie Kommunikation, soziales Marketing und Umfeldbedingungen berücksichtigt werden, um das Essverhalten der Bevölkerung nachhaltig hin zu einer gesunden Ernährung zu beeinflussen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen mögliche Ansätze vor, die in diesem Sinn die Vermittlung einer gesunden Ernährung erleichtern können.

1. Gesundheitsmotive umbenennen

Belegte Baguettes
© franksteiner

„Gesundheit“ ist, ebenso wie „Ernährung“, ein Begriff, der im alltäglichen Sprachgebrauch negativ konnotiert ist. „Gesunde Ernährung“ wird häufig mit schlechtem Geschmack assoziiert, bei Kindern und Jugendlichen außerdem mit Zwang und Bevormundung. Viel leichter fällt die Wahl, wenn andere Adjektive für das tatsächlich gesunde Essen gefunden werden. Dies beweist eine international agierende Fast-Food-Kette: Die als „frisch“ und „lecker“ beworbenen Sandwiches mit höherem Anteil an Gemüse und Salat, magerem Aufschnitt und Geflügel finden bei Verbrauchern regen Zuspruch. Der Begriff „gesund“ wird bei der Vermarktung der Sandwiches bewusst vermieden, wohl um negativen Erwartungen, die dem Konsum im Weg stehen würden, vorzubeugen.

2. Soziales Marketing oder wie „verkaufe“ ich gesunde Ernährung?

Bei der Vermarktung von Produkten sind vier Faktoren entscheidend: Produkt, Preis, Öffentlichkeitsarbeit (PR) sowie Verteilung (Distribution). Ein maximaler Gewinn lässt sich nur erzielen, wenn alle Komponenten berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden. Auch beim sozialen Marketing gilt es, diese Komponenten einzubeziehen. Hier ist das „Produkt“ allerdings keine Ware, sondern ein Versprechen (Gesundheit, Schlankheit, Leistungsfähigkeit) und der Preis lässt sich nicht geldlich erfassen, sondern betrifft Verhaltensänderungen, den Verzicht oder das Antrainieren neuer Gewohnheiten. Kurz gesagt soll ein bestimmtes, als attraktiv angesehenes Gut durch eine Verhaltensänderung erkauft werden. Dafür, dass das Produkt auch als attraktiv angesehen wird, sind PR-Maßnahmen erforderlich. Aufgabe der Distribution ist schließlich sicherzustellen, dass das Produkt (z. B. frisches Obst und Gemüse) für motivierte Menschen erhältlich ist.

Wie in der realen Warenwirtschaft kommt es auch beim sozialen Marketing darauf an, im Kunden einen starken Wunsch zu erzeugen, das entsprechende Gut unbedingt haben zu wollen. Ausschlaggebend ist hier nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen, sondern vielmehr die innere Einstellung des Interessenten.

3. Verhältnisprävention ergänzend zur Verhaltensprävention

Getreu dem Spruch „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ wird das Geschmacksempfinden von klein auf geprägt. Demzufolge sollten die Prinzipien gesunder Ernährung bereits beim Speiseangebot von Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen berücksichtigt werden.

Kantinenessen
© DC Central Kitchen

Bei verhältnispräventiven Maßnahmen kommt es darauf an, ein Verständnis für den Betroffenen in seiner Umwelt zu entwickeln, um speziell für die vorliegende Problemkonstellation Lösungsansätze zu entwickeln. Schuldzuweisungen sind hier fehl am Platz, wichtiger sind Motivation und Veränderung der Umgebungssituation, beispielsweise Anreize für Fast-Food-Restaurants zur Verbesserung des Speisenangebots und eine Bereitstellung von Bewegungsraum für Kinder und Jugendliche zur Bekämpfung von Übergewicht im Kindesalter.

Unter Berücksichtigung dieser drei Punkte könnte die Kommunkation einer gesunden Ernährung einen bedeutenden Fortschritt machen.

Quelle:
T. Ellrott: Der schwierige Weg zur gesunden Ernährung. MMW –Fortschritte der Medizin 2011: 39-42.

verfasst von am 13. April 2012 um 06:49

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Ein Kommentar zu “Ernährungsbotschaften: mit Erfolg zum Ziel”

  1. Jürgen sagt:

    Vielen Dank für diese guten Tipps & Infos. Da muss ich Dir voll und ganz zustimmen. Da ich mich auch mit dem Thema „gesunde Ernährung“ beschäftige, möchte ich noch hinzufügen, das die beste Diät „keine Diät“ ist – sondern eine Ernährungsumstellung. Dazu ist es sehr wichtig, das man seinen Stoffwechseltypen kennt (Eiweiss-,Kohlenhydrate- oder Mischtyp).

    Weil jeder Mensch einzigartig ist, trifft dies auch bei seinem Stoffwechsel zu. Jeder dieser verschiedenen Typen benötigt eine andere Zusammenstellung von Nährstoffen (Eiweiss, Kohlenhydrate und Fette) und daher ist es wichtig, dass man versteht, wieso bestimmte Lebensmittel für einen geeignet sind, damit man für seinen eigenen, persönlichen Speiseplan die beste Wahl treffen kann.

    Der Kohlenhydratetyp (70% Kohlenhydrate,20% Eiweiss,10% Fette), der Eiweisstyp (45% Eiweiss,35% Kohlenhydrate,20% Fette) und der gemischte Typ (50% Kohlenhydrate,40% Eiweiss,10% Fette) unterscheiden sich hier deutlich.

    Seitdem ich nach einem Stoffwechsel-Typen-Test ganz genau weiss, welche Lebensmittel für mich am besten geeignet sind diese prozentual richtig aufteile, geht es mir sehr gut, bin fit und gesund.

    Beste Grüße
    Jürgen

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