Obst und Gemüse bieten Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 29. September 2011

Gesunde Gefäße durch pflanzliche Lebensmittel

Ein reichlicher Verzehr von Obst und Gemüse unterstützt einen gesunden Blutdruck durch die in ihnen enthaltenen Ballaststoffe und den Mineralstoff Kalium. Die Ballaststoffe wirken sich außerdem günstig auf die Blutfettwerte aus. Obst und Gemüse liefern aber auch wichtige Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Unter den sekundären Pflanzenstoffen scheinen vor allem Antioxidantien für einen Gefäßschutz von Bedeutung sein, wozu viele farbgebende Komponenten in Pflanzen gehören.

Paprika
© alancleaver_2000

Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall – der Beitrag von Obst und Gemüse

Wie gut können Obst und Gemüse vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen? Dieser Frage gingen niederländische Forscher nach. Sie untersuchten über einen Zeitraum von zehn Jahren die Wirkung von rohem und gekochtem Obst und Gemüse auf das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko an mehr als 20 000 Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren. Die Ergebnisse fielen für die beiden Erkrankungen recht unterschiedlich aus. So scheint im Vergleich zur Prophylaxe gegen einen Schlaganfall eine fast doppelt so große Portion Obst und Gemüse (> 475 g/d) notwendig zu sein, um einen ähnlichen Schutz (ca. 30 Prozent weniger Fälle im Vergleich zu der Teilnehmergruppe mit einem geringen Verzehr (1)) vor einem Herzinfarkt zu erreichen. Was den Herzschutz betrifft, ist der Zubereitungszustand der Früchte offenbar eher nebensächlich: Egal ob roh oder gekocht, Obst und Gemüse entfalten stets eine protektive Wirkung. Anders sieht es mit der krankheitsverhütenden Wirkung bei einem Schlaganfall aus. Hier erweist sich Rohkost klar als überlegen, verarbeitetes Gemüse entfaltet nach den niederländischen Studienergebnissen hingegen keine bedeutsame Wirkung.

Roh oder gekocht, gekocht oder roh …

Warum könnte der Zubereitungszustand, roh oder gekocht, einen Unterschied machen? Durch das Kochen verändert sich die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln. Die Nährwerte werden beeinflusst, der Wassergehalt und ebenso die Bioverfügbarkeit von sekundären Pflanzenstoffen variieren abhängig vom Zubereitungszustand. Gekochtes Gemüse enthält weniger Ballaststoffe, dafür aber meist hinzugefügtes Salz, was sich eher nachteilig auf das Erkrankungsrisiko auswirkt. Während Hitze-empfindliche Bestandteile wie manche Vitamine (z. B. Vitamin C) durch die Hitze unwirksam werden, verbessert sich im Gegensatz dazu die Verfügbarkeit von Lycopin (in Tomaten), Carotinoiden (in Karotten u. a.) und evtl. ebenso von Folat (in grünem Gemüse). Diese Substanzen könnten wiederum eine Risikosenkung begünstigen.

Banane
© robin_24

Auch die Farbe scheint einen Unterschied zu machen

Neben der unterschiedlichen Risikosenkung bei den untersuchten Erkrankungen, machten die Forscher noch eine weitere interessante Entdeckung. Sie fanden heraus, dass vor allem weißfleischige Früchte wie Äpfel, Birnen, Bananen und Blumenkohl einem Schlaganfall vorbeugen können. Warum hierbei gerade weiße pflanzliche Lebensmittel schützend wirken, bleibt erst einmal unklar. Heißt es nun also, verstärkt weißes Obst und Gemüse zu essen? Bereits der tägliche Apfel oder die Birne erhöhen auf einfache Weise den Anteil an weißem Obst oder Gemüse in der Ernährung, äußert Linda Oude Gripe, Forschungsleiterin der Studie. Die niederländischen Wissenschaftler empfehlen jedoch nach wie vor beim Obst- und Gemüseverzehr farblich abzuwechseln, da jegliches Obst und Gemüse gesundheitliche Vorteile birgt und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein sollte.

(1) „Geringer Verzehr“ bezog sich bei Schlaganfall auf eine Vergleichsgröße von 92 g oder weniger, bei Herzinfarkt auf 241 g oder weniger.

Hinweise:

  • Bei gekochtem Gemüse wird oft Salz hinzugefügt, was günstige Wirkungen des Gemüses abschwächen könnte.
  • Auch wenn die Forscher viele Faktoren geprüft und berücksichtigt haben, lässt sich ein Einfluss des Lebensstils auf das Ergebnis nicht komplett ausschließen.
  • Die von den Teilnehmern verzehrte Rohkost umfasste vor allem Obst in Form von Äpfeln und Orangen, an rohem Gemüse wurden überwiegend Gurken und Tomaten gegessen. Bei den verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln handelte es sich wiederum vor allem um Obst, das in Form von Saft (Zitrone und Apfel) zugeführt wurde. Verarbeitetes Gemüse bestand hauptsächlich aus Kohlgemüse und Schnittbohnen.
  • Laut Nationaler Verzehrsstudie II nehmen deutsche Frauen durchschnittlich 270 g Obst und 129 g Gemüse am Tag zu sich (in der Summe knapp 400 g) und Männer essen täglich 222 g Obst und 112 g Gemüse (summiert ca. 330 g). Bei Männern treten Schlaganfälle laut statistischem Bundesamt etwas häufiger auf (200/ 100 000) als bei Frauen (170/100 000) (altersstandardisierte Inzidenz, Statistisches Bundesamt, Stand 2006).

Quellen einblenden

  • Oude Griep LM, Geleijnse JM, Kromhout D, Ocké MC, Verschuren WMM, 2010 Raw and Processed Fruit and Vegetable Consumption and 10-Year Coronary Heart Disease Incidence in a Population-Based Cohort Study in the Netherlands. PLoS ONE 5(10): e13609. doi:10.1371/journal.pone.0013609
  • Oude Griep, LM, Verschuren WMM, Kromhout D, Ocké MC, Geleijnse JM :Raw and processed fruit and vegetable consumption and 10-year stroke incidence in a population-based cohort study in the Netherlands European Journal of Clinical Nutrition 65 (2011)7. – ISSN 0954-3007 – p. 791 – 799.
  • BBC News (Sept. 2011): An apple or pear a day keeps strokes at bay. 
  • Max-Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht, Teil 2
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Schlaganfall Kapitel 1.2.2.2 [Gesundheit in Deutschland, 2006]

Zum Thema

verfasst von am 29. September 2011 um 06:16

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2016 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben