Obst und Gemüse: Die Farbe macht’s

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Von der Universität Wageningen (Niederlande) stammen neue Studienergebnisse, die die positiven gesundheitlichen Wirkungen von Obst und Gemüse untermauern.

Eine Forschergruppe um Professor Daan Kromhout (Professor für Public Health Research) untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Risiko, innerhalb der darauf folgenden zehn Jahre einen Schlaganfall zu erleiden. Bereits in der Vergangenheit wurde diese Fragestellung mehrfach untersucht und ein Zusammenhang festgestellt. Das Besondere an dieser Studie jedoch war, dass die Forscher die Farbe der Obst- und Gemüsesorten in die Auswertung miteinbezogen.

Obst
© Nico Kaiser
  • grün: z. B. Kiwi, Blattgemüse, Salat
  • orange und gelb: Zitrusfrüchte und Möhren
  • rot und violett: z. B. Beerenfrüchte, Tomaten, rote Bete
  • weiß: Apfel, Birne, Blumenkohl, Gurke

Dabei erfolgte die Einteilung nach der in den essbaren Bestandteilen vorherrschenden Farbe (z. B. Apfel: weißes Fruchtfleisch). Auch Frucht- und Gemüsesäfte wurden in die Auswertung einbezogen. Diese Einteilung ist sinnvoll, denn mit der Farbe variieren auch die im Obst und Gemüse enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe. Sekundäre Pflanzenstoffe werden mit verschiedenen gesundheitsförderlichen Wirkungen in Verbindung gebracht.

Zur Erfassung der Ernährungsgewohnheiten der Probanden füllte jeder Teilnehmer zu Beginn der Studie einen Fragebogen aus, in dem die Häufigkeit und die verzehrte Menge von 178 Nahrungsmitteln über den Zeitraum von einem Jahr abgefragt wurde. Je nach Art des Lebensmittels wurden detailliertere Fragen (z. B. zur Zubereitungsart) gestellt.

Nach ca. zehn Jahren (der genaue Zeitraum variierte je nach Einschlussdatum in die Studie) überprüften die Wissenschaftler den „Vitalstatus“ aller Probanden: Durch systematische Recherche (1) in Bevölkerungsregistern wurde nicht nur ermittelt, welche der Probanden noch lebten bzw. verstorben waren, sondern ggf. auch die Todesursache erhoben. Mit Hilfe von Krankenhausdaten konnten außerdem diejenigen der Teilnehmer herausgefiltert werden, die während des Beobachtungszeitraums wegen eines Schlaganfalls behandelt worden waren. Mit diesen Informationen konnten die Forscher all jene Probanden identifizieren, die während des Beobachtungszeitraums einen tödlich oder nicht-tödlich verlaufenden Schlaganfall gehabt hatten. Im nächsten Schritt wurden Krankheits- und Ernährungsangaben miteinander kombiniert.

Apfel
© 3rdparty!

An apple a day keeps the doctor away ...

Für die Studie wurden die Daten von 20.069 Probanden im Alter von 20-65 Jahren ausgewertet. Es zeigte sich, dass lediglich zwischen der Aufnahme von weißem Obst und Gemüse (insbesondere Äpfeln und Birnen) und dem Schlaganfallrisiko der Probanden ein signifikanter Zusammenhang bestand: Das Risiko der Teilnehmer, die täglich über 171 g davon aßen, war weniger als halb so hoch als das von Wenigessern mit einem Verzehr unter 78 g pro Tag. Die Probanden profitierten förmlich von jedem Stückchen Obst und Gemüse aus dieser Gruppe. Denn jedes pro Tag zusätzlich verzehrte Stück (25 g, das entspricht ca. einem Sechstel Apfel) senkte das Schlaganfallrisiko um 9 Prozent.

Entsprechend lautete das Fazit der Forschergruppe: Um einem Schlaganfall vorzubeugen, kann es sinnvoll sein, möglichst viel Obst und Gemüse mit weißem Fruchtfleisch zu essen. Die Wissenschaftler geben allerdings zu bedenken, dass andere Früchte vor anderen Krankheiten schützen können. Aus diesem Grund sollte zur Vermeidung von Erkrankungen auf ein breites Spektrum von Obst- und Gemüsesorten aus allen Farbgruppen zurückgegriffen werden.

Laut den Wissenschaftlern wurde erstmals in einer Studie der Einfluss der Farbe von Obst und Gemüse untersucht. Daher ist es notwendig, dass diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden können. Wünschenswert wäre außerdem, wenn die Ernährung der Probanden mehrfach, zumindest aber zusätzlich am Ende der Studienphase noch einmal, erhoben würde. Zehn Jahre sind eine lange Zeit – da kann sich vieles ändern…

(1) All diese Recherchen setzten natürlich die Zustimmung der Probanden voraus.

Quelle:
Oude Griep LM, Verschuren WM, Kromhout D, Ocke MC, Geleijnse JM (2011): Colors of fruit and vegetables and 10-year incidence of stroke. Stroke 42:3190-5.

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verfasst von am 7. Dezember 2011 um 08:21

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2 Kommentare zu “Obst und Gemüse: Die Farbe macht’s”

  1. Yogi sagt:

    Interessanter Aspekt. Werd mir mal die Quelle genauer anschauen gibt es dort noch mehr Infos zum Thema?

  2. Christina Bächle sagt:

    Ja, genau. Vielen Dank für das Lob!

    Christina Bächle

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