Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten…

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 7. Juli 2011

Bei der Entstehung geschmacklicher Vorlieben und Abneigungen scheinen auch psychische Faktoren und das Umfeld, in dem wir uns bewegen, von Bedeutung zu sein.

Schon vor der Geburt und später über die Muttermilch sammelt ein Kind erste Geschmackseindrücke. Wenn es später selbst feste Nahrung zu sich nimmt, steigt die Vielfalt an Geschmacksrichtungen und -variationen deutlich an. Doch nicht alle Lebensmittel werden von Anfang an gleichermaßen geschätzt und gemocht. Neben dem natürlichen Instinkt, der Hauptgeschmacksrichtung (süß, sauer, salzig, bitter oder würzig) und der frühkindlichen Prägung ist auch der soziale Zusammenhang, in der eine Speise verzehrt wird und der gesellschaftliche Wert, der ihr beigemessen wird, von Bedeutung.

Kinder lernen sehr schnell, den normalen Alltag von besonderen Tagen, zum Beispiel Feiertagen, zu unterscheiden. Meist wird an solchen Tagen großer Wert auf die Speise- und Getränkeauswahl gelegt. Es werden aufwändigere Gerichte zubereitet, und der Tisch wird festlich gedeckt. In dieser Atmosphäre mundet das Essen besonders gut. Ursachen hierfür sind jedoch nicht nur der Geschmack der Speisen an sich, sondern auch die Umgebungssituation und der gesellschaftliche Stellenwert, der der Speise beigemessen wird.

Analog dazu lässt sich auch die Entstehung von geschmacklichen Abneigungen bis hin zu Aversionen erklären. Die entsprechenden Lebensmittel wurden häufig in unangenehmen Situationen verzehrt. Beispielsweise entstehen bei Krebspatienten häufig Abneigungen gegen Speisen, die sie während ihrer Chemotherapie verzehrt haben. Während dieser Zeit ist die Verträglichkeit von Speisen generell problematisch, die Patienten leiden häufig unter Übelkeit und Erbrechen. Und obwohl die Patienten eigentlich wissen, dass die damals verzehrten Lebensmittel nicht ursächlich mit ihrer Befindlichkeit assoziiert waren, haben viele von ihnen Abneigungen gegen bestimmte Speisen und Getränke.

Auch Zwang zum Essen oder Streit kann dazu führen, dass gerade im Kindesalter neue Lebensmittel mit unangenehmen Empfindungen verknüpft und in der Folge abgelehnt werden. Innerhalb einer Familie sind geschmackliche Vorlieben und Abneigungen oftmals ähnlich. Als Ursache hierfür kommt eine erblich bedingte ähnliche Geschmackswahrnehmung infrage. Wahrscheinlicher scheinen allerdings der gemeinsame Verzehr der Speisen, gemeinsam gesammelte Erfahrungen (im Urlaub, an Feiertagen, etc.) und eine Gewöhnung der Kinder an das elterliche Ernährungsmuster zu sein.

An dieser Stelle bieten sich auch Ansatzpunkte für eine Lenkung des Ernährungsverhaltens von Kindern. Kindern, denen von klein auf gesunde Lebensmittel angeboten werden (z. B. Obst- und Gemüsestücke anstelle von Chips und Schokolade) und deren Eltern ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, haben optimale Voraussetzungen für eine gesunde Ernährungsweise auch im Erwachsenenalter. Denn einmal erlernte Geschmackspräferenzen bestehen oft lebenslang – im guten wie im schlechten Sinne.

Quelle:

Dr. Rainer Wild Stiftung (2008): Geschmäcker sind verschieden. Wie sich Geschmackspräferenzen prägen und entwickeln. In: Fakten, Trends und Meinungen. Gesunde Ernährung interdisziplinär aufbereitet. Dr. Rainer Wild Stiftung, Ausgabe 3, November 2008, S. 1-5.

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verfasst von am 7. Juli 2011 um 06:15

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