Vitamindoping durch ACE-Getränke – ist das notwendig?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 19. Mai 2011

ACE-Drink
© shimelle

ACE-Getränke sind Getränke, die mit den meist künstlich erzeugten Vitaminen A, C und E angereichert wurden. Häufig wird an Stelle von Vitamin A ß-Carotin verwendet, welches im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden kann. Als Basis für ACE-Getränke dienen im günstigsten Fall Fruchtsäfte, häufig werden diese aber mit Wasser gestreckt, gesüßt, evtl. auch mit Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffen versehen. Hier lohnt auf jeden Fall ein kritischer Blick auf das Zutatenverzeichnis.

Viele Menschen kaufen ACE-Getränke, weil sie damit etwas Gutes für ihre Gesundheit tun wollen. Manche befürchten, nicht genug Vitamine mit dem normalen Essen zu sich zu nehmen, andere glauben, sie hätten einen erhöhten Vitaminbedarf oder/und wollen ungünstige Umstände ausgleichen. Zur letztgenannten Gruppe gehören beispielsweise Raucher oder Menschen in Stresssituationen. Doch können sie von solchen Getränken wirklich profitieren?

Spätestens seit der Veröffentlichung der Ergebnisse mehrerer großer Studien ist eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin E und ß-Carotin stark umstritten. In einer finnischen Studie erhielten 29.133 Raucher fünf bis acht Jahre lang täglich 50 mg Vitamin E (Tocopherol), 20 mg ß-Carotin oder beides in Form von Supplementen, eine Kontrollgruppe nahm Placebos. Statt der erhofften antioxidativen Wirkung und einem Schutz vor Krebserkrankungen stieg das Lungenkrebsrisiko in der ß-Carotin-Gruppe um 18 Prozent. Außerdem war die Sterblichkeit in dieser Gruppe 8 Prozent höher als in der Kontrollgruppe.

Ähnliche Ergebnisse wurden in einer amerikanischen Studie mit 18.314 Teilnehmern (Raucher und ehemalige Raucher) beobachtet. Hier stieg das Lungenkrebsrisiko um 28 Prozent, die Anzahl der Todesfälle um 17 Prozent. Aus ethischen Gründen wurde diese Studie nach 21 Monaten abgebrochen. In zwei weiteren großen Studien mit männlichen Ärzten (Physician’s Health Study) und Patienten mit koronaren Herzkrankheiten (Heart Protection Study) wurde zwar keine Erhöhung des Krebsrisikos festgestellt, ein geringeres Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen, Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere chronische Krankheiten konnte allerdings auch nicht nachgewiesen werden.

Paprika
© Tambako the Jaguar

Mit Obst und Gemüse in Ampelfarben sind Sie gut versorgt!

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, täglich nicht mehr als 2 mg synthetisches ß-Carotin aufzunehmen. Diese Menge ist häufig bereits in 100 ml eines angereicherten Getränks enthalten. Gerade Menschen, die zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel (Vitaminkapseln o.ä.) zu sich nehmen, geraten schnell über diese Grenze. Dabei ist bislang noch nicht eindeutig nachgewiesen, ob künstlich hergestelltes ß-Carotin die gleiche antioxidative Wirkung wie in Obst und Gemüse natürlicherweise enthaltenes ß-Carotin hat.

Wer sich etwas Gutes tun möchte, sollte deshalb, statt auf Saft oder Tabletten zur Nahrungsergänzung zu setzen, lieber auf frisches Obst und Gemüse bzw. daraus gewonnene Säfte zurückgreifen. Rote, gelb-orangefarbene sowie grüne Obst- und Gemüsesorten sind reich an natürlichen Carotinoiden, die in Verbindung mit etwas Fett (beispielsweise einem Teelöffel Öl oder einem Käsebrot) optimal vom Körper aufgenommen werden – ganz ohne gesundheitliche Risiken.

Quellen einblenden

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR, 2004): Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln. Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil I
  • Heinonen OP, Albanes D: The effect of vitamine E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers. The alpha-tocopherol, beta carotene cancer prevention study group. NEW ENGL J MED 1994;330:1029-1035.
  • Omenn GS, Goodman GE, Thornquist MD, Balmes J, Cullen MR, Glass A, Keogh JP, Meyskens FL, Valanis B, Williams JH, Barnhart S, Cherniack MG, Brodkin CA, Hammar S: Risk factors for lung cancer and for intervention effects in CARET, the Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial. J NATL CANCER I 1996;88:1550-1559.
  • Heart Protection Study Collaborative Group: MRC/BHF heart protection study of antioxidant vitamin supplementation in 20 536 high-risk individuals: a randomised placebocontrolled trial. LANCET 2002;360:23-33.

verfasst von am 19. Mai 2011 um 08:26

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